Gläubiger hochverschuldeten Staaten wehren sich gegen höheren Beitrag zur Rettung – nicht ohne Grund

Die Großbaustellen der Banken

Geht es um die Griechenlandhilfe, stellt sich die Finanzwelt stur: Keine stärkere Beteiligung am zweiten, rund 100 Milliarden Euro schweren Rettungspaket.

Bislang gesetzt ist, dass die privaten Schuldner Griechenlands, Staatsanleihen aus ihrem Besitz in neue länger laufende umtauschen. Griechenland würde dabei über längere Laufzeiten und niedrigere Zinsen profitieren. Die Griechen könnten so um bis zu 30 Mrd. Euro entlastet werden.

Die Banken sträuben sich nicht ohne Grund, haben sie doch selbst genug eigene Baustellen. Die größten:

1.Banken, Versicherer und Fonds sind Gläubiger der verschuldeten Staaten Griechenland, Portugal und Irland. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten Milliarden in vermeintlich sichere Anleihen gesteckt. Geht eines der Länder Pleite, bleiben die Banken auf ihren Forderungen sitzen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt das Abschreibungsrisiko auf insgesamt 200 Mrd. Euro.

2.Die Finanzbranche soll als Beitrag zum zweiten Rettungspaket für Athen einen Teil ihrer Kredite stunden und 13,5 Mrd. Euro ganz erlassen. Laut des Internationalen Bankenverband bedeutet dies einen Abschreibungsbedarf von 21 Prozent. Fraglich ist aber, ob dieser auch ausreicht.

3.Der Bankenhandel untereinander erlahmt, da das Misstrauen steigt. Selbst über Nacht lagern die Banken ihr Geld lieber zu einem niedrigeren Zins bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ein, als es einer anderen Bank zu leihen. Zudem stellt die EZB fest, dass sich vermehrt Banken Geld bei der EZB leihen.

4.Problematisch könnten für viele Geldinstitute die Kapitalanforderungen gemäß Basel III werden. Sobald die Regeln verabschiedet sind, besteht eine Frist bis 2019. Dann müssen alle Geldhäuser eine Kernkapitalquote von 4,5 Prozent erfüllen. Kernkapital ist jener Geldbetrag in der Bilanzsumme einer Bank, der dem Institut dauerhaft zur Verfügung steht. Zusätzlich muss ein Kapitalpuffer geschaffen werden, der den Wert auf sieben Prozent erhöht. Bei einigen Banken – darunter die Deutsche Bank – kommen weitere 2,5 Prozentpunkte dazu. Sie gilt als global systemrelevant. Um diese Anforderungen zu erfüllen, brauchen die Banken laut der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA   260 Mrd. Euro.

5.Durch die Finanzkrise können Banken ihren Ertrag kaum ausbauen. Da die Anleger vorsichtiger handeln und es kaum Börsengänge gibt, sind Banken mit Handelsgeschäft besonders gebeutelt.

6.Zuletzt brachen die Aktienkurse der Banken ein. Damit sie nicht weiter fallen, haben viele Staaten die Leerverkaufsverbote für Bankaktien verlängert oder erweitert.

Von Martina Wewetzer

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