Solarwirtschafts-Präsident Günther Cramer sieht Fotovoltaik-Anteil bei zehn Prozent - Subvention soll nicht weiter steigen

Günther Cramer im Interview: „Minimale Strompreis-Erhöhung“

Kassel. Die Energiewende führt nicht zu stark steigenden Strompreisen. Das glaubt Günther Cramer, Präsident des Branchenverbandes der deutschen Solarwirtschaft. Im Interview mit HNA-Redakteur José Pinto hält er allenfalls einen Aufschlag von einem Cent je Kilowattstunde für wahrscheinlich.

Herr Cramer, Atomausstieg und Energiewende sind nach einhelliger Expertenmeinung nicht zum Nulltarif zu haben. Die Schätzungen, um wie viel Strom teurer wird, reichen von 30 Euro Mehrkosten im Jahr für einen Drei-Personen-Haushalt bis hin zu einer Verdoppelung des Strompreises bis 2021. Was glauben Sie?

Günter Cramer: Zunächst einmal: Es ist hervorragend, dass Deutschland beim Atomausstieg vorangeht, so wie wir die Ersten waren, die die Erforschung und Entwicklung der der erneuerbaren Energien vorangetrieben haben. Jetzt müssen wir konsequent den Weg zu einer regenerativen Energieversorgung gehen. Damit sind große Chancen für unsere Wirtschaft verbunden. Ich glaube, dass die Energiewende mit einer minimalen Erhöhung des Strompreises realisiert werden kann.

Bitte nennen Sie eine Zahl.

Cramer: Ich rechne mit einem Cent je Kilowattstunde.

Für eine Familie kämen da schnell 40 Euro Mehrkosten im Jahr zusammen. Ist das den Verbrauchern noch zuzumuten? Die zahlen doch jetzt schon einen Aufschlag von drei Cent je Kilowattstunde für die Erneuerbaren, davon allein 1,7 Cent für die Solarenergie, die gerade zwei Prozent zur gesamten Stromproduktion in Deutschland beiträgt.

Cramer: Zum Nulltarif wird die Energiewende wahrscheinlich nicht zu haben sein. Was die Umlage für Solarstrom angeht, sind wir aber sicher, dass sie in Zukunft nicht signifikant erhöht wird, weil wir die Preise für Fotovoltaikanlagen in den nächsten zehn Jahren um mehr als die Hälfte senken werden.

Welchen Anteil an der deutschen Stromproduktion können die Erneuerbaren überhaupt erreichen?

Cramer: Wir glauben, dass bis 2020 bereits 50 Prozent der elektrischen Energie aus erneuerbaren Quellen kommt, insbesondere aus Wind und der Fotovoltaik, die dann allein mindestens zehn Prozent decken wird. Damit der Strom nicht zu teuer wird, brauchen wir beim Wind mehr Anlagen an Land, zumal Großanlagen auf See sehr viel teurer sind. Übrigens wird Fotovoltaik-Strom in bereits zwei Jahren günstiger als solcher aus Offshore-Windkraftwerken sein.

Aber wie soll die Versorgung an Tagen funktionieren, an denen weder die Sonne scheint noch der Wind weht?

Cramer: Erst einmal ergänzen sich Wind und Sonne ganz hervorragend. Aber natürlich brauchen wir gerade in der Übergangszeit noch konventionelle Kraftwerke, idealerweise schnell regelbare, hocheffiziente Gaskraftwerke. Wir brauchen außerdem Speichertechnologien. Aber die nächsten Jahre kommen wir noch ohne große Speicherkapazitäten aus.

Leistungsfähige Speicher sind extrem teuer. Das sieht man ja beim E-Auto, deren Batterien 10 000 Euro und mehr kosten.

Cramer: Bei Lithium-Ionen-Batterien werden wir noch dramatische Kostensenkungen erreichen. Es gibt aber auch viele andere Speichertechniken, etwa Pumpspeicherkraftwerke und die Wandlung von Kohlendioxid in speicherbares Methangas mit Hilfe überschüssigen Ökostroms.

Wie wichtig ist das Speicherthema für die Fotovoltaik?

Cramer: Die Fotovoltaik braucht in den nächsten zehn Jahren weder große Speicher noch den viel diskutierten Ausbau der Netze, denn – und das ist der große Vorteil der Fotovoltaik – Solarstrom wird dann produziert, wenn die Nachfrage am höchsten ist, insbesondere mittags. Und er wird dort produziert, wo er verbraucht wird – auf den Dächern von Wohnhäusern und anderen Gebäuden. Dadurch wirkt die Fotovoltaik in Spitzenlastzeiten sogar entlastend auf Netze und Kraftwerke.

Wann kommt die Solarenergie ohne Subventionen aus?

Cramer: Wir sind sicher, dass Solarstrom bereits 2017 ganz ohne Förderung auskommt, wenn etwa in einem Zweifamilienhaus der selbst produzierte Solarstrom in großen Teilen auch selbst verbraucht wird. Durch die wegfallenden Strombezugskosten bezahlt sich sich die Fotovoltaikanlagen von selbst.

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