Gute Unterlagen überzeugen

Tipp- und Rechtschreibfehler im Bewerbungsanschreiben entlarven nicht nur grammatikalische Schwächen, sondern auch eine gewisse Haltung. Iris Hesse, Lektorin und Korrektorin des Online-Lektorats Punkt und Komma, zeigt die häufigsten Fehler.

Bewerbungen sollen ein überzeugendes Bild des Bewerbers, seiner Person und Motivation zeichnen. Gar nicht so leicht, auf einer Seite die eigenen Stärken hervorzuheben und gleichzeitig zu zeigen, warum man unbedingt bei diesem Arbeitgeber beschäftigt sein möchte. Gerade die erste Seite der Bewerbung sollte inhaltlich, formal und grammatikalisch überzeugen – trotzdem strotzen Bewerbungen oft vor Flüchtigkeitsfehlern.

1. Fehler: Die schlimmste Sünde im Bewerbungsschreiben ist ein langweiliger erster Abschnitt, in dem der Bewerber weder seine Motivation für die ausgeschriebene Stelle sichtbar macht, noch auf das angeschriebene Unternehmen eingeht. Schickt er das Schreiben raus und vergisst womöglich, Ansprechpartner und Firmenname anzupassen, landet es sofort im Papierkorb.

2. Fehler: Der gestelzte Kanzlei-Stil. Einen distanzierten, bürokratischen Substantiv-Stil, der jeden Satz aufgesetzt und gestelzt klingen lässt, sollte man vermeiden. Hinter solchen Konstruktionen verblasst der Bewerber als Mensch komplett. Aktive Formulierungen machen das Anschreiben um einiges sympathischer, flüssiger und lesbarer.

3. Fehler: Man sollte in keinem Fall jeden Satz oder Abschnitt mit „ich“ beginnen. Auch sonst sollte der Bewerber darauf achten, nicht jeden Aspekt im Anschreiben nur aus dem eigenen Blickwinkel zu betrachten.

4. Fehler: Richtige Kommasetzung und die korrekte Schreibweise von „das“ und „dass“ bereiten vielen Bewerbern Probleme. Deshalb sollte sich jeder, der eine Bewerbung schreibt, vorher über die unterschiedliche Beduetung von „das“ und „dass“ bewusst werden. „Das“ ist ein Artikel („das Aufgabenfeld“), ein Relativpronomen („Das Aufgabenfeld, das in Ihrer Stellenanzeige beschrieben wird ...“) oder ein Demonstrativpronomen („... – das strebe ich an!“). „Dass“ ist eine Konjunktion und leitet einen Nebensatz ein, der durch ein Komma abgetrennt wird: „Bei meiner letzten Tätigkeit habe ich erkannt, dass mir der persönliche Umgang mit den Kunden große Freude macht.“

5. Fehler: Egal, wie lebendig und originell eine Bewerbung angelegt wird – Höflichkeit ist oberstes Gebot. Und dabei gilt es die Form zu wahren: In der höflichen Anrede schreibt man grundsätzlich groß. Wenn sich auch zunehmend das kleingeschriebene „du“ im vertraulichen Schriftverkehr einschleicht – beim „Sie“ und allen anderen Pronomen in diesem Zusammenhang, beispielsweise „Ihnen“ oder „Ihre“, bleibt die Kleinschreibung ein absolutes No-Go.

6. Fehler: Unter dem Einfluss angloamerikanischer Schreibweise reihen Schreiber heute munter aneinander und trennen, was eigentlich zusammengehört – auch Altbekanntes. Zusammensetzungen aus deutschen oder eingedeutschten Begriffen werden grundsätzlich in einem Wort geschrieben: Spanischkenntnisse, Zusatzstudium, Telefonkonferenz, Marketingstrategie. Niemals also „Telefon Konferenz“, „Marketing Strategie“ oder anderes nach ähnlichem Muster. Zusammensetzungen aus englischen und deutschen Begriffen werden mit Bindestrich gekoppelt: Social-Community-Plattform, Smartphone-Anbieter.

7. Fehler: Tippfehler wie „Buchtsabenverderhern“ zum „Besipiel“ passieren immer mal. Buchstabenverdreher fallen um so weniger auf, als geübte Leser Wörter bildhaft als Ganzes erfassen: Ist der erste und der letzte Buchstabe am richtigen Platz, erkennt das Gehirn das entsprechende Wort auch dann korrekt, wenn die übrigen Buchstaben durcheinander purzeln.

Ähnlich verhält es sich mit fehlenden oder überzähligen Wörtern: Das Gehirn füllt die Lücke beziehungsweise blendet Überflüssiges beim Lesen des ohnehin bekannten Inhalts einfach aus. (nh)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.