Ausbildungsmarkt entspannt sich – Unternehmen befürchten Fachkräftemangel

Gute Zeiten für Azubis

Kassel. Die Situation auf dem nordhessischen Ausbildungsmarkt hat sich entspannt. 4783 Bewerbern standen 4003 offene Ausbildungsstellen gegenüber, sagte Detlef Hesse, Leiter der Agentur für Arbeit, bei der Vorlage der Bilanz zum Ausbildungsmarkt am Dienstag. Im Berichtsjahr 2009/2010 sind dies 42 Bewerber weniger, als noch vor einem Jahr. Aber auch das Angebot der gemeldeten Stellen ging um 99 zurück. Damit ist der Ausbildungsstellenmarkt derzeit nahezu ausgeglichen.

Gute Aussichten haben im Moment Bewerber, die Einzelhandelskaufmann, Bäcker, Anlagenmechaniker im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und Kaufleute im Groß- und Einzelhandel werden wollen. 45 Stellen sind noch nicht besetzt.

Zwar ist für Ausbildungsmarktstatistiker das Verhältnis von Ausbildungsstellen zu Bewerbern fast ausgeglichen. Die Unternehmen befürchten aber einen Fachkräftemangel aufgrund des demografischen Wandels. Dennoch bleiben die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer Kassel optimistisch, auch weiterhin qualifizierten Nachwuchs rekrutieren zu können.

Hesse beobachtet, dass den Bewerbern zunehmend bewusst sei, dass die Unternehmen vor einem Nachwuchsmangel stünden. Sie könnten sich die Stellen gezielter aussuchen als noch vor zwei Jahren. Die Kammern im Einzelnen:

Handwerkskammer Kassel: Im Handwerk sei die Ausbildungsbereitschaft nach wie vor hoch, sagt Ursula Lange, Abteilungsleiterin Berufsbildung der Handwerkskammer. Dennoch werde es schwieriger, freie Stellen zu besetzen, weil die Zahl der Bewerber abnimmt. Dies liege auch an der mangelnden öffentlichen Wahrnehmung der Handwerksberufe.

Zum 31. Oktober verbuchte die Kammer 2863 junge Menschen in einer handwerklichen Ausbildung, das sind 54 Stellen mehr als im Jahr zuvor. Spitzenreiter in Nordhessen ist der Großraum Kassel. Hier stieg die Zahl abgeschlossener Lehrverträge um 5,1 Prozent. Industrie- und Handelskammer Kassel:

Die IHK verzeichnete 5119 neue Ausbildungsverträge bis zum 31. Oktober – 76 weniger als noch vor einem Jahr. Walter Ruß, Aus- und Weiterbildungsberater der IHK, sieht darin einen Vorboten für den demografischen Wandel. Ein stärkeres Engagement der IHK im Bereich der Berufsorientierung und der Ausbildungsreife soll dieser Entwicklung entgegenwirken. Für die kommenden drei Jahre sei eine Investition von eineinhalb Millionen Euro angedacht, die in die Zusammenarbeit mit Schulen fließen soll, sagt Ruß.

Dabei wollen sich die Betriebe nicht mehr ausschließlich an die Berufsschulen richten, sondern bereits gezielt auf die 14- und 15-jährigen Bewerber an den allgemeinbildenden Schulen zugehen.

Von Jan Baetz

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