Raiffeisen-Warenzentrale stellt sich auf anhaltend hohe Preise für Agrarprodukte ein

Gute Zeiten für Landwirte

Sehr gefragt: Das Geschäft mit Landtechnik brummt. Weil die Preise für Agrarrohstoffe steigen, investieren viele Bauern wieder.

Kassel. Gute Aussichten für Landwirte: Die aktuell sehr hohen Preise für Agrarprodukte werden sich nach Einschätzung der Raiffeisen-Warenzentrale Hessen-Thüringen (RWZ) in Kassel in diesem Jahr zumindest halten.

Das erklärte der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Reinhard Stieglitz, am Dienstag bei Vorlage der Zahlen für 2010. Als Grund nannte er die anhaltend hohe weltweite Nachfrage und die erschöpften Vorräte bei Getreide, Raps, Mais und anderen Agrarrohstoffen. Hinzu kommt die Spekulation mit diesen Produkten.

Eine deutliche Preissteigerung bei Lebensmitteln infolge dieser Entwicklung erwartet Stieglitz aber nicht. Dafür sei der Kostenanteil der Grundstoffe an den Endprodukten zu gering, sagte er. Mittlerweile wird Weizen wie zu Vorkrisenzeiten mit bis zu 30 Euro je Doppelzentner (DZ) gehandelt. Vor einem Jahr bekamen Landwirte teilweise nur zehn bis zwölf Euro für dieselbe Menge. Raps bringt derzeit 40 bis 45 Euro je DZ – vor einem Jahr waren es nur 25 Euro.

Als Preistreiber könnte sich die aktuelle Trockenheit erweisen. „Die Lage ist noch nicht dramatisch, aber wenn es in den nächsten Tagen und Wochen keine erheblichen Niederschläge gibt, kommt es zu Ernte-Ausfällen mit entsprechenden Folgen für die Preise“, sagte Stieglitz.

Unabhängig davon strebt die RWZ in diesem Jahr erneut ein zweistelliges Umsatzwachstum an. Eine genaue Zahl nannte der Geschäftsführer aber nicht. 2010 war der Konzernumsatz vor allem infolge von zum Teil erheblichen Preissteigerungen um elf Prozent auf 684,3 Mio. Euro gestiegen. Unterm Strich blieb ein Jahresüberschuss von 8,7 Mio. Euro – ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als Umsatz und Ertrag krisenbedingt eingebrochen waren. „Wir sind sehr zufrieden“, betonte Stieglitz.

Die RWZ handelt an 54 Standorten in Hessen, Thüringen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit Agrarrohstoffen, Saatgut, Pflanzenschutz, Futter- und Düngemitteln, mit Landtechnik und Heizöl sowie Treib- und Baustoffen. Mit Ausnahme der Düngemittel verzeichneten alle Bereiche Umsatzzuwächse, allen voran der Energiehandel, die Landtechnik und das Getreidegeschäft.

Auch in diesem Jahr will die RWZ ihren Expansionskurs fortsetzen. Der besondere Fokus liegt dabei auf Sachsen-Anhalt und Südniedersachsen, wo die Kasseler im März dieses Jahres erst den Baustoffhändler Winkelhoff + Gläser in Göttingen übernommen haben. „Da, wo wir Partnerschaften eingehen können, kaufen wir uns ein. Und wo wir keine Partner finden, stemmen wir das Wachstum aus eigener Kraft“, erklärte Stieglitz die Strategie des Unternehmens.

Gesellschafter der RWZ sind im wesentlichen 42 Volks- und Raiffeisenbanken in Hessen und Thüringen sowie die DZ Bank und große Agrarbetriebe in Thüringen.

Von José Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.