Börsenexperte Markus Frick wegen Marktmanipulation zu Bewährungsstrafe verurteilt

„Gutgläubiges Werkzeug“

Bewährungsstrafe für den Börsenexperten Markus Frick. Foto: dpa

Berlin. Mit Anlagetipps soll der schillernde Börsenexperte Markus Frick etliche Anleger geschädigt haben. Nach Ansicht des Richters am Berliner Landgericht, Günter Willnow, war Frick aber nur ein „gutgläubiges Werkzeug“ einzelner Hintermänner. Willnow, der bei Fricks Aktionen einen „nicht unerheblichen Angriff auf den Kapitalmarkt“ sah, verurteilte den 38-jährigen gelernten Bäcker zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten wegen Marktmanipulation von Börsenkursen in 49 Fällen.

Zur Kasse gebeten wird Frick ebenfalls: Aus einer Treuhandgesellschaft, bei der er Aktien geparkt hat, sollen 42 Millionen Euro an die Staatskasse fließen. Weitere 420 000 Euro muss er aus seinem Privatvermögen zahlen. Staatsanwalt Tarvo Hovi hatte drei Jahre Haft gefordert. Staatsanwaltschaft und Verteidigung, wollen prüfen, ob nun Revision eingelegt wird.

20 000 Anleger betroffen

Rund 20 000 Kleinanleger hatten laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf Fricks Empfehlung Aktien mit so klangvollen Namen wie „Star Energy Corp“ und „Russoil Corp“ im Volumen von 760 Millionen Euro erworben. Viele von ihnen erlitten enorme Verluste. Zwar konnte im Prozess nicht festgestellt werden, dass Frick Anlegern bewusst Schrottpapiere empfohlen habe, aber er hatte dabei nicht auf eigene wirtschaftliche Interessen hingewiesen. Laut Staatsanwaltschaft lagen in 23 Fällen „Pump-and-Dump-Modelle“ zugrunde (siehe Stichwort). Über Konten mehrerer in Panama beheimateter Unternehmen bei Schweizer Banken hätten zwei Hintermänner aus Russland und Kanada wertlose Aktien in den Handel der Frankfurter Börse gebracht. Infolge der Empfehlungen seien die Aktienkurse der Unternehmen zunächst auf Spitzenwerte gestiegen, bevor sie Mitte 2007 binnen kürzester Zeit auf fast null abgestürzt seien. Durch den Kursverfall hätten viele Anleger einen Totalverlust erlitten. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte N24 Fricks Sendung im Juni 2007 abgesetzt. Seinerzeit konnten laut Staatsanwaltschaft über 80 Mio. Euro sichergestellt werden. Während des Prozesses hatte Frick Fehler eingeräumt und an 867 Geschädigte insgesamt 4,6 Mio. Euro gezahlt.

„Ich mache Sie reich“

Frick funkte über Jahre seine Aktientipps auf vielen Kanälen: 1999 ging er mit einer Börsenhotline an den Markt. Später arbeitete er als Coach, gab für etliche hundert Euro Gebühr Seminare. Dem Vernehmen nach verkauft Frick zwar noch seine restlichen Seminargutscheine für 86 Euro pro Stück, bietet aber derzeit keine Veranstaltungstermine mehr an. Mit Ratgebern wie „Ich mache Sie reich“ – und bewegte damit Millionen.

Zudem war er Herausgeber etlicher Börsenbriefe mit Namen wie „Markus-Frick-Email-Hotline“, „Markus-Frick-Inside“, „Frick-Trading“ und „MoneyMoney“. Im Internet hat er eine eigene Homepage www.Markus-Frick.de – der Börsencoach. Heute ist er als Börsenjournalist tätig.

Eine steile Karriere für den gelernten Bäcker aus Sinsheim bei Heidelberg, der nach eigenen Angaben bereits im Alter von 14 Jahren seine erste Aktie gekauft hatte.

Von Martina Wewetzer

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