Täglich neue Herausforderungen: Gebärdensprachdolmetscher bauen Brücken

Mit den Händen sprechen

Eine vielseitige Tätigkeit, die tagtäglich neue Herausforderungen bringt, ist der Beruf des Gebärdensprachdolmetschers. Übersetzen sie für ihre Kunden, ist kein Wort zu hören. Statt Worte lassen sie ihre Mimik und Gestik sprechen. „Wir Gebärdensprachdolmetscher können Brücken bilden in die Welt der Hörenden, aber auch umgekehrt,“ erklärt Christian Pflugfelder, einer der bekanntesten Gebärdensprachdolmetscher Deutschlands. Selbst Kind gehörloser Eltern, ist ihm die Sprache und Kultur Gehörloser von klein auf vertraut. Heute ist er in vielen Bereichen Mittler zwischen Hörenden und Gehörlosen.

Gute Auffassungsaufgabe ist notwendig

Der Beruf des Gebärdensprachdolmetschers erfordert eine hohe Anpassungsfähigkeit, eine schnelle Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis. Ständig muss er sich in neue Situationen hineinfinden. So wird er zum Beispiel bei Arztbesuchen, im Krankenhaus oder bei Therapiegesprächen eingesetzt. Auch im Berufsleben, zum Beispiel bei Betriebsversammlungen oder Schulungen, ist seine Hilfe gefragt. „Wichtig ist, dass man psychisch gefestigt ist,“ führt Christian Pflugfelder aus. Bringt der Beruf ihn doch auch in Situationen, in denen er belastende Dinge dolmetschen muss. Zum Beispiel vor Gericht oder bei der Polizei.

Wenn es eine Finanzierung dafür gibt, sind die Gebärdensprachdolmetscher auch bei politischen Veranstaltungen, bei Konzerten oder im Theater gefragt. Christian Pflugfelder ist außerdem einer von fünf Gebärdensprachdolmetschern, die regelmäßig auf Phoenix die Nachrichten übersetzen.

Gebärdensprachdolmetscher arbeiten überwiegend als Freiberufler und werden von ihren jeweiligen Auftraggebern bezahlt. Für Übersetzungen im Krankenhaus zahlen in der Regel die Krankenkassen, bei anderen Einsätzen, zum Beispiel im Berufsleben, übernimmt das Integrationsamt die Kosten. Gebärdensprachdolmetscher sind sehr gefragt. Vor allem in den Ballungsräumen gibt es teilweise sogar einen Mangel.

Studium ist Voraussetzung

Diese Berufsgruppe ist noch sehr jung. In den vergangenen fünfundzwanzig Jahren, im Zuge der Emanzipation der Gehörlosen, wurden Gebärdensprachdolmetscher als neutrales Medium zur Verständigung mit tauben oder gehörlosen Menschen immer wichtiger. In den letzten fünf Jahren erfolgte dann eine Orientierung an den Fremdsprachendolmetschern und eine gemeinsame Organisation im Berufsverband der Gebärdensprachdolmetscher und dem Berufsverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ). So wird die Berufsbezeichnung bald Dolmetscher für Gebärdensprache lauten.

Im Zuge dieser Entwicklung wurde auch die Ausbildung professionalisiert. Seit Anfang der 90er-Jahre erlernt man diesen Beruf durch ein Vollzeitstudium, das mittlerweile auf den Bachelor- und Masterabschluss umgestellt wurde. Neben dem Erlernen der Gebärdensprache wird auch Kommunikationstheorie, die verschiedenen Dolmetschmodelle sowie wichtige Softskills vermittelt.

Angeboten wird dieser Studiengang an den Universitäten in Hamburg und Berlin und an den Fachhochschulen in Zwickau und Magdeburg. Für Quereinsteiger ist eine staatliche Prüfung in Darmstadt oder Nürnberg durch das staatliche Prüfungsamt möglich. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Gebärdensprache und das Dolmetschen, zum Beispiel durch das Zusammenleben mit Gehörlosen Eltern oder Geschwistern, sehr gut beherrscht werden.

Am besten von Gehörlosen lernen

In Kassel kann man die Gebärdensprache unter anderem beim Gehörlosen Ortsbund, vorrangig ein Treffpunkt für Gehörlose, lernen. Christian Pflugfelder empfiehlt Interessierten das Erlernen der Gebärdensprache immer von einem Gehörlosen.

E Weitere Informationen: www.bgsd.de, www.bdue.de.

EInformationen zum Studium: www.uni-hamburg.de, www.fachkommunikation. hs-magdeburg.de www.fh-zwickau.de www.hu-berlin.de.

Von Sandra Hübner

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