Starke Nachfrage nach Winterreifen – Angst vor Engpässen

Händler decken sich ein

Die Saison beginnt: Ab Oktober sollten Winterreifen montiert werden. Hier packt Kfz-Meister Danny Minack an. Foto: dpa

Kassel. Nach Engpässen im vergangenen Jahr decken sich die Reifenhändler in Deutschland kräftig mit Winterpneus ein. Die Hersteller hätten bereits 30 Prozent mehr ausgeliefert als 2009, sagt Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BVR) in Bonn. Trotzdem sind die Befürchtungen, vor allem beim ersten Schneefall könnte das Angebot knapp werden, nicht vom Tisch.

Denn nicht jeder Reifenhändler erhält, was er bestellt. Bei einigen Reifengrößen habe er eine Absage erhalten, sagt ein Kasseler Händler, bei anderen nicht die bestellte Gesamtmenge erhalten. Vor allem bei Reifen für Transporter und leichte Lkw sowie ungewöhnlichen Größen für Personenwagen heiße es warten. „Die Hersteller kommen mit der Produktion nicht mehr hinterher“.

Vor kurzem hatte Deutschlands größte Werkstattkette A.T.U. von Lieferschwierigkeiten der Industrie gesprochen. Der Grund: Das Erstausrüstergeschäft habe kräftig angezogen und binde Kapazitäten.

Bereits 2009 war für die Reifenproduzenten ein Spitzenjahr gewesen. Der von der Abwrackprämie angeschobene Neuwagen-Boom hatte den Winterreifenverkauf in die Höhe getrieben. Der strenge Winter tat ein Übriges. 24,3 Millionen Winterreifen wurden in ganz Deutschland verkauft, 13 Prozent mehr als 2008. Der Boom setzt sich in diesem Jahr fort: „Wir haben bis jetzt 25 Prozent mehr Winterreifen gebaut als im Vorjahr“, sagt Klaus Engelhart, Sprecher des deutschen Winterreifen-Marktführers Continental. „Wir können so ziemlich alles ausliefern, was bestellt worden ist.“

BVR-Geschäftsführer Drechsler hält Warnungen vor Lieferausfällen für überzogen. Bei einem extrem langen und kalten Winter könne es zu Engpässen kommen.

Der ADAC gibt ebenfalls Entwarnung: „Diese Alarmmeldungen kommen jedes Jahr“, sagt Sprecher Maximilian Maurer. Bei bestimmten, seltenen Reifen seien zwar Wartezeiten bei der Lieferung möglich, bei 80 Prozent der Personenwagen passten aber die gängigen Größen. Sei eine Marke vergriffen, lohne sich die Frage nach vergleichbaren Fabrikaten. Autofahrer, die freie Auswahl haben wollten, sollten allerdings nicht mehr lange mit ihrer Bestellung warten: „Die Testsieger sind immer zuerst weg.“ Ohnehin legt der ADAC-Sprecher den Käufern einen Preisvergleich ans Herz: Erhebungen des Automobilclubs hätten Preisunterschiede von bis zu 50 Prozent ergeben.

Von Barbara Will

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