Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans allemal

Illustration von Frank Hellwig: 1. Platz beim Kunstpreis Lebensart-Arbeitsleben Kassel 2011. (Foto: Hellwig)

Es ist unwirklich: Blickt man in die Entscheidungszentren von Politik und Wirtschaft, so wimmelt es von Fünfzigjährigen. Wir werden geführt, geleitet, unterhalten und verführt von einer Altersklasse, der wir in Sachen Fort- und Weiterbildung augenscheinlich nicht mehr über den Weg trauen. Alter ist eben kein Negativ-Kriterium für Leistungsfähigkeit, sondern vielmehr häufig ein Synonym für beruflichen Zenit und Weiterentwicklung. Dies gilt vor allem in Zeiten spürbaren Fachkräftemangels.

Angemessene Herausforderungen

Warum ist es so, wie es ist? Lohnt Lernen nicht, wenn man das halbe Jahrhundert überschritten hat? Im Gegensatz zu früheren Studien ist sich die moderne Forschung heute weitgehend einig: Mit zunehmender Anforderung an Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit erfolgt ein stetiger Leistungszuwachs, der bis weit in das sechste Lebensjahrzehnt anhält. Die Schlussfolgerung daraus ist eine angemessene berufliche Herausforderung an den Einzelnen. Nicht nur Überforderung ist ein Problem, auch Unterforderung schafft die Probleme, die sie eigentlich vermeiden wollte. Es bedarf hier des Vertrauens in die Leistungsfähigkeit Älterer, denn natürlich beeinflusst die Leistungserwartung der Umwelt die Leistungsfähigkeit des Menschen. Und letztere braucht einen Sinn. Weshalb unterzieht man sich der Mühe, etwas Neues zu lernen?

Die Umsetzung altersgerechter Lernformen und das Aufbrechen von Vorurteilsstrukturen ist ein Anliegen des nordhessischen Beschäftigungspaktes Perspektive 50plus. Seit 2006 setzen mittlerweile die Jobcenter von Stadt und Landkreis Kassel sowie der Kreise Werra-Meißner, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg das gleichnamige Bundesprogramm in der Region um. Und das mit Erfolg: Allein 2011 konnten fast 1300 langzeiterwerbslose Menschen 50plus wieder in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse des ersten Arbeitsmarktes vermittelt werden. Im Bereich der beruflichen Qualifizierung werden neue Wege beschritten, die den Jugendkult um eine Kultur der „alten Hasen“ bereichern. In der Praxis bedeutet dies unter anderem Qualifizierungsformen, in denen Ältere und Jüngere gemeinsam in gemischten Gruppen lernen und voneinander profitieren. Die Jüngeren durch tradiertes Erfahrungswissen, die Älteren durch ein „Updating“ ihrer Erfahrungen. NH L

E Kontakt: Perspektive 50plus - Beschäftigungspakt Nordhessen, www.50plus-nordhessen.de, Telefon 05 61 / 45 06 684

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.