Ex-Schieder-Chef Rolf Demuth wegen Kreditbetrugs verurteilt - Konzern zerschlagen

Haftstrafe für Möbelkönig

Muss hinter Gitter: Das Landgericht Detmold verurteilte den heute 72-jährigen Rolf Demuth wegen Kreditbetrugs zu dreieinhalb Jahren Haft. Foto: dpap

detmold. Es hätte schlimmer kommen können für den ehemaligen Chef des einst größten Möbelproduzenten Europas. Das Landgericht Detmold verurteilte den heute 72-jährigen Rolf Demuth wegen Kreditbetrugs zu dreieinhalb Jahren Haft. Ein knappes halbes Jahr Untersuchungshaft wird angerechnet, so dass der frühere Unternehmer bei guter Führung möglicherweise nur eineinhalb Jahre absitzen muss - und das vielleicht im offenen Vollzug.

Wäre die Staatsanwaltschaft bei ihrem ursprünglichen Vorwurf des besonders schweren Betrugs geblieben, hätte dem einstigen Möbelkönig aus Ostwestfalen eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren geblüht.

Richter Michael Reineke begründete das vergleichsweise milde Urteil damit, dass Demuth „kein Schurke ist“. Dem Unternehmer sei es bei den Kreditbetrügereien darum gegangen, den europaweit agierenden Konzern vor dem Untergang zu bewahren. Eine persönliche Bereicherung habe nicht festgestellt werden können.

Was war passiert? Mit geschönten Bilanzen und überbewerteten Lagerbeständen, so genannten Luftvorräten, hatte Demuth gemeinsam mit drei führenden Mitarbeitern 2005 und 2006 Kredite in Höhe von 283 Millionen Euro erschlichen. Da befand sich Schieder schon längst in einer bedrohlichen finanziellen Schieflage. Vor vier Jahren flog der ganze Schwindel auf. Den Gesamtschaden beziffert das Gericht auf 234 Millionen Euro. Möglichweise steigt diese Summe noch, da einige Insolvenzverfahren noch laufen.

Zuletzt kontrollierte die Schieder-Holding ein undurchsichtiges Firmengeflecht von 115 Einzelgesellschaften mit 11 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Aus einem mittelständischen Tischlerbetrieb im lippischen Schieder-Schwalenberg mit damals 27 Beschäftigten schuf Demuth gemeinsam mit seinem Schwiegervater ab 1964 den späteren Möbelgiganten. Zum Schluss hatte der Konzern 41 Produktionsstandorte in Europa und Asien. Sogar Ikea orderte bei Schieder. Mittlerweile ist die gesamte Gruppe zerschlagen.

Oberstaatsanwalt Rolf Günther hatte vier Jahre und neun Monate Haft für den früheren Firmenchef gefordert. Ob er Revision einlegt, ließ er offen. Der Verteidiger Demuths will das Urteil prüfen.

Der einstige Finanzchef wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monten verurteilt. Der 48-Jährige hatte die Konzernbilanzen manipuliert.

Der 50-jährige Chef-Controller und ein ebenso alter Geschäftsführer bekamen jeweils ein Jahr und neun Monate auf Bewährung und müssen je 25 000 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen.

Von José Pinto

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