Branche erweist sich als einer der stabilsten Faktoren in der Krise – positiver Ausblick

Handel als Konjunkturlok

Im Einzelhandel in der Region gab es im vergangenen Jahr nur ein kleines Umsatzminus. Foto: ap

Kassel / Göttingen. Der Einzelhandel in der Region erwies sich auch im Krisenjahr 2009 als einer der stabilsten Wirtschaftszweige und erwartet für 2010 eine Stabilisierung des Umsatzes auf relativ hohem Niveau. „Wir sind und bleiben eine ganz starke Konjunkturlokomotive“, sagte der Präsident des hessischen Landesverbandes des deutschen Einzelhandels, Frank Albrecht, am Freitag in Kassel.

Seine Stellvertreterin, die Kasseler Geschäftsfrau Helga Schwedes-Mand, glaubt sogar, dass Nordhessen das Jahr 2009 besser gemeistert hat als der Rest des Landes und diese Entwicklung auch 2010 fortsetzten kann. Als Grund führte sie den überproportional starken Rückgang der Arbeitslosigkeit in Nordhessen in den vergangenen Jahren sowie eine Reihe großer Unternehmen an, die sich als weit gehend konjunkturresistent erwiesen haben. „Ich erwarte ein schwieriges Jahr mit gutem Ausgang“, gab sie sich optimistisch. Wie Albrecht geht auch sie für 2010 von einer stabilen Beschäftigungslage aus.

Niedersachsen zuversichtlich

Mit verhaltener Zuversicht blickt auch der Handel in Südniedersachsen nach vorn. Der Vorsitzende des Regionalverbandes Göttingen, Willi Klie, rechnet zwar mit einem Umsatzrückgang von bis zu zwei Prozent. „Für Schwarzmalerei gibt es aber keinen Grund“, sagte er. Sorge bereitet ihm lediglich die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Sollte es hier zu Zuspitzungen kommen, werde das Auswirkungen auch auf den privaten Konsum haben.

Die Sprecherin des niedersächsischen Landesverbandes, Karin Schindler, mag derzeit zwar keine konkrete Prognose abgeben, glaubt aber, „dass die Talsohle durchschritten ist“ und hofft auf stabile Umsätze im neuen Jahr.

In Südniedersachsen sind die Verkaufserlöse nach Schätzungen Klies 2009 um nur 1,5 Prozent gesunken. „Das ist angesichts rückläufiger Preise im Lebensmitteleinzel-, Textil- und Elektronikhandel sogar ein recht gutes Ergebnis“, stellte er rückblickend fest.

Für Hessen beziffert Albrecht das Umsatzminus auf ein halbes bis ein Prozent. Und das gehe nicht auf das Konto geringerer Mengen, sondern fallender Preise. Damit dürfte die Branche in Hessen 2009 etwa 31,3 Milliarden Euro umgesetzt haben. „Die Leute haben sich vom Krisengerede nicht verrückt machen lassen“, sagte Albrecht.

2,7 Millionen Beschäftigte

Dass sich das Jahr 2009 nach einem über weite Strecken schleppenden Verlauf doch noch verhältnismäßig gut entwickelt hat, ist vor allem dem frühen Wintereinbruch und dem guten Weihnachtsgeschäft zu verdanken. Wegen des seit drei Wochen fast ununterbrochen anhaltenden Frosts und starker Schneefälle sind warme Jacken und Schlitten praktisch ausverkauft.

Und weil immer häufiger Bargeld und Gutscheine unterm Weihnachtsbaum liegen, zieht sich das lebhafte Weihnachtsgeschäft mittlerweile weit in den Januar hinein, was auch zu Jahresbeginn zu sehr guten Umsätzen führt. „Es läuft gut“, so Albrecht.

Der Einzelhandel ist einer der wichtigsten Branchen in Deutschland. Er setzt mit 2,7 Mio. (davon 1,2 Mio. sozialversicherungspflichtigen) Beschäftigen rund 400 Mrd. Euro im Jahr um.

In Nordhessen und Südniedersachsen beschäftigt die Branche gut 70 000 Menschen, davon etwa 26 000 auf 400-Euro-Basis.

Von José Pinto

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