Alltag mit Sehbehinderung: Handwerk baut Barrieren ab

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Hellmuth Frey: „Für uns sind die Druckwerke für Blinde zum einen eine wirtschaftlich sinnvolle Spezialisierung. Zum anderen freuen wir uns, dass wir einen Beitrag dazu leisten können, Menschen mit Sehbehinderung den Alltag zu erleichtern."

Am 15. Oktober wird mit dem „Tag des Weißen Stockes“ weltweit auf die täglichen Herausforderungen aufmerksam gemacht, vor denen blinde, sehbehinderte und taubblinde Menschen stehen.

Das Handwerk gibt Menschen, die in ihrem Sehvermögen eingeschränkt sind, tatkräftige Unterstützung, ihr Berufs- und Alltagsleben möglichst ohne Einschränkungen zu meistern. Elektrotechniker, Siebdrucker, Schilder- und Lichtreklamehersteller und viele weitere Gewerke entwickeln und fertigen zu diesem Zweck innovative Geräte und Produkte.

Einem Wegweiser in einer fremden Stadt folgen, eine SMS oder eine Zeitung lesen oder Informationen im Internet suchen – alltägliche Situationen wie diese stellen Menschen mit starker Sehbehinderung vor große Herausforderungen. Auch im beruflichen Alltag müssen sie immer wieder Hürden überwinden, die Sehenden oft nicht bewusst sind. Im Jahr 1969 haben die Vereinten Nationen deshalb den „Internationalen Tag des Weißen Stockes“ ins Leben gerufen, um auf die Situation von Sehbehinderten aufmerksam zu machen.

Damit Menschen mit leichten oder starken Sehbehinderungen ihren Alltag meistern können, entwickelt das Handwerk innovative Ideen und technische Neuerungen. Elektrotechniker etwa stellen spezielle Braille- Tastaturen und akustische Übersetzungsmedien her, während Siebdrucker und Schilderhersteller Plakate und Informationstafeln in Blindenschrift entwerfen.

Mit Fingerspitzengefühl den Alltag meistern

Problemlos den Alltag zu bewältigen, bedeutet für viele blinde und sehbehinderte Menschen, auf die Hilfe Anderer angewiesen zu sein. Die Firma Papenmeier RehaTechnik aus Schwerte hat sich daher auf einen ganz speziellen Sektor der Barrierefreiheit spezialisiert: Seit mehr als 30 Jahren ermöglichen die Elektroniker blinden und sehbehinderten Menschen den uneingeschränkten Zugang zu elektronischen Daten. „Wir konnten bereits für mehr Unabhängigkeit von Blinden im Computer-Zeitalter sorgen und arbeiten immer wieder an neuen Geräten“, sagt der Geschäftsführer Günther Papenmeier, der die Firma zusammen mit seinem Bruder Armin Papenmeier leitet. „Mit unseren verschiedenen Zusatzgeräten schaffen wir die technischen Voraussetzungen, so dass sehbehinderte und blinde Menschen beruflich und privat mit den modernen Kommunikations- und Informationsformen selbstständig arbeiten können“, so Papenmeier. Das Handwerksunternehmen entwickelt Braillex-Blindenschriftzeilen und Tastaturen, die problemlos per USB an jeden PC oder Laptop und über Bluetooth auch an Smartphones angeschlossen werden können. Mithilfe der Braillezeile können umfangreiche Dokumente und komplette Bildschirminhalte in die Blindenschrift übersetzt werden. Dafür heben sich kleine Stiftchen aus der Braille-Tastatur hervor, die das ganze Blindenalphabet abbilden und mit den Fingerspitzen ertastet und gelesen werden können.

Der Siebdruck weist den Weg

Vor einigen Jahren hat die Hamburger Firma Emil Frey KG Siebdruck + Schilder begonnen, ihre Produktpalette zu erweitern und Schilder sowie Folien in Blindenschrift zu produzieren. „Für uns sind die Druckwerke für Blinde zum einen eine wirtschaftlich sinnvolle Spezialisierung. Zum anderen freuen wir uns, dass wir einen Beitrag dazu leisten können, Menschen mit Sehbehinderung den Alltag zu erleichtern“, sagt Hellmuth Frey, der die Firma gemeinsam mit seiner Schwester führt. Das Familienunternehmen, das wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet wurde, setzt dabei auf Siebdruck. Dabei wird die Farbe durch ein feinmaschiges Gewebe auf Papier oder andere Materialien gedruckt – im Falle der Blindenschrift wird eine spezielle Farbe genutzt, die einen hohen Farbauftrag erreicht, so dass die Braille-Schrift leicht zu ertasten ist. Der Vorteil dieses Verfahrens im Vergleich zur Prägemethode: Es können auch Materialien mit Blindenschrift bedruckt werden, die sich für Prägungen nicht eignen. Für die Bundesagentur für Arbeit produziert die Firma beispielsweise gerade Fahrstuhlbeschilderungen, die Menschen mit Sehbehinderung das jeweilige Stockwerk anzeigen.

Durch innovative Ideen und technisches Know-how tragen Handwerksunternehmen dazu bei, dass blinde und sehbehinderte Menschen unterschiedliche Alltags- und Berufssituationen leichter meistern können und vergrößern so ihre Unabhängigkeit. (www.handwerk.de)

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