Vellmarer Tischlerei Mennickheim feierte ihr 125-jähriges Bestehen - Moderne Maschinen im Betrieb

Auftragsbücher sind gut gefüllt

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Eingespieltes Team: Mitarbeiter präsentieren in der Produktionshalle am heutigen Standort im Vellmarer Gewerbegebiet Lange Wender ein Ausschnitt aus der Produktpalette - hier Spielzeugkisten für das Kinderschutzhaus in Kassel. Auf dem Foto von links: Stephan Scherze, Stefan Maier, Markus Eschner, Geschäftsführer Tino Hausl, Jens Kempe und Carsten Härtling.

Vellmar. Milliardär war die Schreinerei Mennickheim in Vellmar nur ein einziges mal in ihrer langen Geschichte. Das war im Inflationsjahr 1923 in der Weimarer Republik. Da zahlte der damalige Firmeninhaber August Mennickheim für die Erweiterung seiner Werkstatt 330 Milliarden Mark an Baupolizeigebühren.

Das war damals in den frühen Jahren des Betriebes, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert. Und die Geschäfte laufen gut. Von gefüllten Auftragsbüchern spricht Inhaber und Geschäftsführer Tino Hausl. Im Schnitt 850 000 Euro netto Umsatz mache Mennickheim mit seinen zwölf Mitarbeitern heute im Jahr.

Anfänge in Harleshausen

Da waren die Anfänge im Jahr 1885 noch bescheidener. Da gründete Friedrich Mennickheim eine Schreinerei in Harleshausen. Zusammen mit einem Gesellen fertigte er Türen, Fenster, Tische und Stühle. Auch eine Dampfdreschmaschine gehörte zum Inventar. 1912 übernahm Sohn August den Betrieb. Für den 29-Jährigen ein schwieriger Start. Denn 8000 Reichsmark Schulden lasteten auf seinen Schultern. Aber der neue Chef steckte nicht auf und erweiterte 1923 die Werkstatt. Das war das Inflationsjahr, in dem er die 330 Milliarden Baupolizeigebühren berappen musste.

1933 dann ein harter Rückschlag für das Unternehmen: August Mennickheim starb, und sein 22-jähriger Sohn Fritz musste ran. Drei Jahre später absolvierte der junge Mann die Meisterprüfung und erschloss sich neue Betätigungsfelder. Zur klassischen Schreinerei kamen eine fahrbare Bandsäge, mit der Fritz in Harleshausen unterwegs war und Brennholz schnitt. Auch eine Schrotmühle für Getreide schaffte er an. Zuvor war 1943 der erste Firmentransporter, ein Tempo-Dreirad für 1825 Mark, dazugekommen.

Nach Kriegsende liefen die Geschäfte. Zahlreiche Häuser in und um Kassel waren zerstört und mussten wiederaufgebaut werden. Mennickheim präsentierte seine Möbel im neuen Ausstellungsraum. 1972 legte der neue Inhaber Erich Mennickheim den Schwerpunkt auf den Innenausbau und entschloss sich zu einem Neubau des Firmensitzes in Vellmar. 1995 wurde der Komplex im Gewerbegebiet Lange Wender eröffnet - eine Halle mit modernen Maschinen und aktueller Umwelttechnik auf 930 Quadratmetern Produktionsfläche. So konnte Seniorchef Mennickheim 2009 die traditionsreiche Tischlerei beruhigt an Tino Hausl übergeben. (Stefan Wewetzer)

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