Ausstellung in der Handwerkskammer Kassel

Dokumenation Keramik

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Keramik als Leidenschaft: Gerhard und Werner Hinter (von links) und seine Ehefrau Ute haben eine einzigartige Sammlung keramischer Arbeiten im Bestand gesichert, fortgeführt und ausgebaut.

Schalen und Vasen, Gebrauchskeramik und Objekte - die Handwerkskammer Kassel zeigt Werke von 16 Keramikerinnen und Keramikern, die in der Region gelebt, gearbeitet und gelehrt haben.

Viele von ihnen waren Schüler des renommierten Keramikers Walter Popp, der die Keramikklasse der Kunsthochschule Kassel von 1954 bis 1977 leitete. Alle Arbeiten stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Damit dokumentiert die Ausstellung in der HANDWERKSFORM sowohl ein Stück Geschichte als auch Entwicklungen im regionalen Keramikerhandwerk und gibt damit auch eine Vorstellung von der gestalterischen Vielfalt, die dieses Handwerk auszeichnet.

Die gezeigten Arbeiten sind ein Ausschnitt aus der beeindruckenden Sammlung der Handweberei Hinder, die in ihrer Art einzig ist. Sie hat ihren Ursprung im Jahr 1925, als Jacob und Heinrich Hinder begannen, Keramiken und Skulpturen verschiedenster Werkstätten in ganz Deutschland zu sammeln. Zu der Zeit, als die Sammlung ihren Anfang nahm, wurde es für die Keramiker immer schwieriger, sich mit ihren traditionellen, von Hand gefertigten Arbeiten am Markt zu behaupten, weil industriell hergestellte Produkte zu niedrigsten Preisen in die Regale der Läden drängten und so zu einer existenzbedrohenden Konkurrenz wurden.

Die Leidenschaft, mit der Jacob und Heinrich Hinder Keramiken aufkauften, sammelten, ausstellten und wieder verkauften, trug so mit dazu bei, regionale Traditionen dieses Handwerks am Leben zu erhalten. Weil sich die Situation für Keramiker auch heute nicht grundlegend verbessert hat, ist es erfreulich, dass sich die Begeisterung für das Töpferhandwerk in der nächsten Generation fortgesetzt hat. Gerhard und Werner Hinder haben die Sammlung von Vater und Onkel zum Teil geerbt, im Bestand gesichert, fortgeführt und ausgebaut.

Die heutige, größtenteils gefäßbetonte Sammlung umfasst Keramiken aus den letzten acht Jahrzenten, zum Beispiel traditionelles Steinzeug aus dem Westerwald, Einzelgefäßgestaltungen der 60er-Jahre und moderne Gebrauchskeramik - Arbeiten vieler namhafter und bekannter Keramiker. Wer durch die Ausstellung auf den Geschmack gekommen ist, kann sich die vollständige Sammlung der Familie Hinder auch in Gänze ansehen, die Reise nach Gladenbach lohnt in doppelter Hinsicht. Denn die Familie Hinder pflegt noch eine zweite Passion, die der Weberei gehört.

Denn Vater Heinrich interessierte sich nicht nur für Keramik, sondern auch für das Weben. Und auch aus dieser Leidenschaft entstand eine Profession, die dazu führte, dass seine Kinder Gerhard und Gudrun Hinder das Weberhandwerk erlernten. Die Handweberei Hinder kann mittlerweile auf eine 60jährige Firmengeschichte zurückblicken. Der traditionsreiche Betrieb, den die Geschwister Gerhard, Gudrun und Werner Hinder bereits in der zweiten Generation leiten, fertigt bis heute Teppiche, Stoffe und Bekleidungsstücke sowie Wandbehänge, die auf Hoch- und Flachwebstühlen entstehen. Verarbeitet werden ausschließlich Naturprodukte und -materialien.

Auch wenn die Weberei keine Fortführung in der Familie findet, teilt die dritte Generation doch die Leidenschaft für die Keramik. Deshalb hat Andreas Hinder, Sohn von Gerhard Hinder, statt dem Weber- das Keramiker-Handwerk erlernt. Nach seiner Lehre erwarb er an der Werkakademie für Gestaltung Hessen den Titel „Gestalter im Keramikerhandwerk“ und absolvierte auch eine Ausbildung zum staatlich geprüften Keramikgestalter an der Fachschule für Keramik in Hör-Grenzhausen, wo er bis heute lebt und arbeitet. Damit stellte er seine Leidenschaft auf eine professionelle Basis. Selbstverständlich zeigt die Ausstellung auch von ihm gefertigte Objekte.

Die Ausstellung ist vom 29. August bis zum 4. Oktober montags bis freitags von 9 bis 15.30 Uhr und zur Kasseler Museumsnacht, am 7. September bis 1 Uhr in der Handwerkskammer Kassel zu sehen. (nh)

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