Ausstellung über alte Handwerksberufe

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Zwei Generationen, zwei Lebenswelten: Yannick von Mengshausen beschäftigte sich in der Schule mit dem Beruf seiner Großmutter, der Töpferin Christine Labudda.

Ja, sie wollte schon längst in Rente gehen, doch ihre Hände sagten Nein. Christine Labudda beherrscht ein Handwerk, das vom Aussterben bedroht ist: Die 67-Jährige ist Töpferin in Bad Emstal.

Seit einigen Tagen strahlt die fröhliche Frau mit den tonbeschmierten Händen von einer Wand – so wie 18 andere Menschen aus der Region auch, die einen sterbenden Beruf am Leben halten. Schmied, Schuster, Stellmacher – die Schüler der Gymnasialklasse 9 der Christine-Brückner-Schule (CBS) haben die Frauen und Männer interviewt, Lehrer Ulf Jung-Kleyer hat sie abgelichtet.

Das Ergebnis des einjährigen Nachmittagsprojekts der Schule, in die auch über 50 Schauenburger Kinder gehen: 19 Foto- und Texttafeln, die die Geschichte hinter jedem Gesicht erzählen, die Kunst und Historie verbinden.

Schulbuch zugemacht

Die Idee kam Ulf Jung-Kleyer ganz plötzlich, mitten im Arbeitslehre-Unterricht: „Berufe früher“ stand auf dem Stundenplan, ein Schulbuch wies den Weg. „Dann habe ich das Buch einfach zugemacht“, erzählt der Lehrer. Die Schüler sollten einen lebendigen Einblick in die Geschichte sterbender Berufe bekommen.

Ulf Jung-Kleyer

Yannick von Mengshausen ist einer der Schüler, die an dem Projekt mitgewirkt haben. Die Töpferin mit den tonbeschmierten Händen ist seine Großmutter.

Töpfern macht Yannick keinen Spaß. Vielleicht will er Elektroniker werden. „Das rate ich dir“, sagt die Großmutter zu ihrem Enkel. Vom Töpfern könne man nicht leben, weiß Großmutter Labudda: „Ich verdiene nur das Knäckebrot – und mein Mann den Aufstrich.“

An verschiedenen Orten

Mittlerweile ist die Hälfte der Bilder öffentlich an mehreren Stellen Bad Emstals zu sehen (Kasseler Sparkasse, Raiffeisenbank, Rathaus, Arztpraxen). Die andere Hälfte hängt laut Jung-Kleyer in der Schule. Ins Klostermuseum, wo man die Ausstellung zwischenzeitlich auch anschauen konnte, wird sie Anfang 2011 aus Anlass eines Erzählcafés zum Thema „Landwirtschaft in Bad Emstal - früher und heute“ am 8. Januar ab 15 Uhr zurückkehren.

Darüber hinaus bestünden Aussichten, die Dokumentation später in der Handwerkskammer oder der Sparkasse in Kassel zu zeigen, sagt Jung-Kleyer. (spi/ing)

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