Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner-Kreis

Azubis des Handwerks wurden freigesprochen

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Ich bin Handwerker, ich kann das: Stolz präsentieren die frischgebackenen Gesellen der verschiedenen Handwerksberufe ihre Gesellenbriefe und ein T-Shirt mit dem Werbespruch der Handwerkerschaft.

Ich dachte schon, hier steht jemand vor Gericht“, scherzte Karl Henning, der den rund 250 Gästen im Bürgerhaus in Vertretung von Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer am Samstag die Grüße der Stadt Sontra überbrachte.

Tatsächlich jedoch erhielten an diesem Nachmittag 67 Junggesellinnen und Junggesellen des Handwerks ihre Gesellenbriefe und wurden nach altem Brauch freigesprochen.

Seit dem Spätmittelalter sprach der Meister den Lehrling frei und entließ ihn damit in ein sach- und lohnbezogenes Verhältnis zur Werkstatt. Denn während seiner Lehrjahre lebte der Lehrling mit im Familienverband des Meisters und erhielt anstatt Lohn lediglich Unterkunft und Verpflegung. Nach seiner Freisprechung aber konnte er in die Welt hinausziehen und sich in anderen Meisterbetrieben verdingen. Er wurde in das Gesellenbuch der Zunft eingetragen, wurde von den anderen Gesellen aufgenommen und musste zur Feier des Tages in seinem ehemaligen Lehrbetrieb ein Essen ausgeben. Diese Tradition blieb den ausgebildeten Handwerkern am Samstag jedoch erspart, im Gegenteil.

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Die Kreishandwerkerschaft hatte jedem Absolventen neben einem T-Shirt zwei Getränkemarken in die Mappe gepackt, in der die jungen Gesellen ihren Gesellenbrief überreicht bekamen. „Die Junggesellinnen und Junggesellen sollen nach der Übergabe der Prüfungszeugnisse noch die Möglichkeit haben, sich losgelöst vom offiziellen Teil der Veranstaltung untereinander auszutauschen und Kontakte zu knüpfen“, sagte Hubertus Erner, der Kreishandwerksmeister des Werra-Meißner-Kreises.

„Das heutige Datum werden Sie künftig in Ihrem Lebenslauf öfter erwähnen müssen. Sie sind heute die Hauptakteure und alle anderen sind nur gekommen, um Sie zu beklatschen“, begann der Kreishandwerksmeister sein Grußwort.

Zwar sei der Tag der Freisprechung für die bisherigen Auszubildenden der Abschluss des bisherigen, er bedeute aber auch den Beginn eines neuen Lebensabschnittes, so Erner, der erstmals als Kreishandwerksmeister eine Freisprechung leitete.

Kreisbeigeordneter Lothar Hellwig überbrachte in Vertretung von Landrat Stefan Reuß die Grußworte des Kreises. „Ab heute sind Sie Fachmann und Fachfrau“, rief er den 67 Absolventen zu. Das Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ habe sich bewahrheitet, schließlich sei das Handwerk ein starker und leistungsfähiger Faktor in der Region, so Hellwig. „Wirtschaft braucht soziale Verantwortung und wir brauchen Unternehmen, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind. Die Handwerksbetriebe aber sind nicht nur ein Vorbild für diese Verantwortung, sondern genießen zudem weltweit einen guten Ruf“, erklärte Hellwig.

Den 67 jungen Gesellen aber sprach Hellwig Anerkennung aus. „Sie haben Ihre Ausbildung erfolgreich beendet und damit Ausdauer und Leistungsbereitschaft unter beweis gestellt“, lobte der Kreisbeigeordnete. Die Leiterin der Abteilung Berufsbildung der Handwerkskammer Kassel, Cornelia Mündel-Wirz appellierte an die frischgebackenen Handwerker, sich künftig nicht auf das Erreichte zu beschränken. „Zukunft kommt von Können, seien Sie stolz auf Ihr Können und planen Sie ihre Fort- und Weiterbildungen sorgfältig“, sagte sie.

Außerdem dankte Mündel-Wirz allen Ausbildern, Betriebsinhabern und Berufsschullehrern: „Sie sichern das duale Ausbildungssystem und damit die Leistungsfähigkeit des deutschen Handwerks.“ Als besonderen Festredner konnte die Kreishandwerkerschaft Reinhard Nau gewinnen. Nau ist Präsident des Fachverbandes Leben Raum Gestaltung, des hessischen Dachverbandes der hessischen Tischler, Bestatter und Montagebetriebe.

Nau war eigens aus dem rund 100 Kilometer entfernten Kirchhain angereist, obwohl am gleichen Tag in der Bad Wildunger Holzfachschule Tischler freigesprochen wurden. Nau gratulierte den jungen Kollegen herzlich zur bestandenen Gesellenprüfung und betonte zunächst die Leistungsfähigkeit des Handwerks. „Sie haben mit Ihrer Hände Arbeit etwas geleistet, was sich sehen, aber auch fühlen, schmecken und riechen, kurzum mit allen Sinnen wahrnehmen lassen kann. Seien Sie stolz darauf“, forderte Nau die Junggesellen auf.

Das Handwerk sei zwar die Wirtschaftsmacht von nebenan, aber auch der unbekannte Riese, beklagte er. So habe eine 15-jährige Schülerin bei der Besichtigung eines Schreinerbetriebes den Meister gefragt, wo er denn den schönen Wohnzimmerschrank erstanden habe, den sie in der Werkstatt erspäht hatte. „Viele Jugendliche und auch potenzielle Kunden wissen überhaupt nicht, welche Produkte und Dienstleistungen unsere Betriebe überhaupt anbieten“, so Nau.

Das führe aber dazu, dass sie im Zweifel die Handwerksbetriebe erst gar nicht in ihre Kaufentscheidungen miteinbezögen. „Die besten Botschafter für das Handwerk sind Sie, liebe junge Kollegen. Werben Sie für diese coole Ausbildung“, schloss er.

Alle Jung-Gesellen

Fleißig mussten die 67 jungen Handwerker verschiedenster Innungen drei Jahre lang sein, bis sie ihre wohlverdienten Gesellenbriefe in Empfang nehmen konnten. Die Prüfung zum Anlagenmechaniker SHK bestanden Sebastian Hahn aus Bad Sooden-Allendorf und Stefan Betz aus Sontra. Bäcker wurden Fabian Dach aus Herleshausen, Isabelle Iba, Manuel Kokerbeck und Benedikt Schüler aus Sontra sowie Johannes Stelbrink aus Waldkappel. Bäckereifachverkäuferin wurden Anna-Ilona Bode aus Wüstheuterode und Denise Harnisch aus Eschwege. Beton- und Stahlbetonbauer wurden Philipp Göbel aus Sontra, Michael Rabe aus Eschwege und Lutz Richeling aus Meißner. Maurer wurden Marco Böhm aus Wanfried, Jan Bölling und Ramon Lamas-Garcia aus Bad Sooden-Allendorf, Stefan Feiber, Alexander Ferl und Fabian Hüther aus Eschwege, Marco Langguth aus Waldkappel, Milano Markgraf aus Witzenhausen sowie Andre Schmidt und Patrick Michael Seum aus Wehretal. Hochbaufacharbeiter wurden Bastian Materna aus Eschwege, Vinzent Noeske aus Berka, Fabian Schwarzer aus Meinhard, Florian Niebling aus Nesselröden und Johannes Walter aus Hessisch Lichtenau. Fliesen-, Platten- und Mosaikleger wurden Dominik Osburg aus Eschwege und Tobias Sänger aus Meinhard. Ausbaufacharbeiter dieses Faches wurde Sam Walther aus Großalmerode. Elektroniker wurden André Peter aus Hessisch Lichtenau und Niklas Reimuth aus Sontra. Zum Fleischer wurden Alexander Köhler aus Rechtebach, Benjamin Lückert aus Bad Sooden-Allendorf und Denny Stanke aus Eschwege ausgebildet. Fleischereifachverkäufer wurden Laura Maria Klotz aus Meißner, Jan Luckhardt aus Meinhardt und Katrin Poggemeier aus Sontra. Friseurin wurden Mareike Buchenau aus Jestädt und Alexandra Quast aus Sontra. Maler und Lackierer wurden Mihret Abdi und Christian Rappe aus Großalmerode, Florian Acksel, Sascha Manthey und Florian Junker aus Meißner, David Kanngießer und Tim Rothmeyer aus Witzenhausen, Alexander Kechter, Marcel Mutke und Marko Rasser aus Eschwege, Sebastian Thesling aus Datterode, Dennis Schuchhardt aus Waldkappel, und Kai Max aus Hessisch Lichtenau. Metallbauer wurde Andreas Kunz aus Witzenhausen. Schuhmacher wurde Mario Panzer aus Eschwege. Tischler wurden Marius Burhenne aus Bad Sooden-Allendorf, Toni Franck und Domenic Streng aus Ringgau, Sarah Hillus aus Liebenau, Marius Möller aus Großalmerode, Patrick Roßbach aus Eschwege und Marcel Sauermann aus Sontra. Holzbearbeiterin wurde Anne-Karen Geilfuß aus Eschwege. Zimmerer wurden Kai Hottenroth und Tobias Wagner aus Bad Sooden-Allendorf, Malte Kuhrau aus Großalmerode und Jan Mischur aus Gleichen. (wrs)

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