Azubi zum Orthopädie-Schuhmacher

Bestnote in der Praxis

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Henric Gans in der Schuh-Werkstatt: Hier sind Feinmotorik und Fingerspitzengefühl erforderlich.

Dieses Paar Schuhe ist einzigartig. Gemustert so bunt wie ein Regenbogen. Schick und elegant. Und es ist unverkäuflich, obwohl es in einem Schuhgeschäft steht. Henric Gans hat dieses Paar Schuhe gefertigt, und dafür in seiner Gesellenprüfung die Bestnote erhalten.

Ende Januar hat der 19-Jährige aus Hofgeismar seine praktische Prüfung zum Orthopädie-Schuhmacher abgelegt. Damit ist er der jüngste unter den insgesamt 22 Auszubildenden, die zuletzt von der Landesinnung Hessen für Orthopädie-Schuhtechnik geprüft wurden. Und er ist der Beste - hessenweit: Kein anderer erhielt in der praktischen Prüfung die Note „sehr gut“.

Vierte Generation

„Ich wollte ein außergewöhnliches Prüfungsstück herstellen“, sagt Henric Gans über die Idee zu seinem Gesellenstück. „Viele machen einfach nur braune oder schwarze Schuhe.“

Vater Detlev Gans hat ihm bei der Vorbereitung geholfen. Schließlich wächst mit Sohn Henric bereits die vierte Generation des 1909 vom Urgroßvater gegründeten Familienunternehmens heran.

Zwölf Stunden hatte Henric Gans in der Prüfung Zeit, um die Schuhe anzufertigen. Die Vorgaben: Ausgleich von unterschiedlicher Bein- und Fußlänge sowie Linderung von Sprunggelenksbeschwerden. Selbst Feinheiten wurden bewertet. Zwei weitere Arbeitsproben rundeten die Prüfung ab.

Bereits zu Schulzeiten hat Henric Gans gelegentlich im elterlichen Betrieb ausgeholfen. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich“, sagt er. „Man arbeitet handwerklich und hat Kontakt zu Kunden.“ Außerdem sei es ein Berufsfeld mit sicherer Zukunft. „Der demografische Wandel arbeitet für uns“, weiß Vater Detlev Gans aus langjähriger Erfahrung. „Immer mehr Menschen benötigen Einlagen oder speziell angefertigte Maßschuhe.“

Zwei Arbeitstage für ein Paar

In seiner dreieinhalbjährigen Ausbildung hat Henric Gans all das gelernt. Anatomie und Pathophysiologie in der Berufsschule Witzenhausen, das praktische Handwerk im Hofgeismarer Betrieb. Rund zwei Tage braucht er, um ein Paar Schuhe herzustellen. Wieviele er schon gemacht hat? „Ungefähr 50 Paar. Da verliert man irgendwann den Überblick“, sagt er mit einem Grinsen.

Jetzt weiterbilden

In den nächsten Monaten will Henric Gans nun weitere Erfahrungen sammeln, Fortbildungen besuchen und dann die Meisterschule absolvieren. „Und später irgendwann einmal mit meinem Bruder das Geschäft übernehmen.“

Von Julia Schwekendiek

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