Bestuhlung für den Bundestag

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Die Gruppe: Die Frauen erkundeten das Thonet-Werk und erfuhren vieles über die Historie des Familienbetriebes und die Herstellung von Stühlen.

Zu einer Betriebsführung der Firma Thonet in Frankenberg hatte Hannelore Volke, die Vorstandsvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk eingeladen.

In einer zweieinhalbstündigen Führung wurde ihnen die Produktion von Holz- und Stahlmöbeln erklärt. Das Werk in Frankenberg besteht seit 1889 und wurde als 5. Werk gegründet. Damals hatte Thonet insgesamt 8000 Mitarbeiter, heute noch 180. Heute ist es der einzige Standort, der noch besteht. 2009 konnte das Jubiläum „120 Jahre Thonet in Frankenberg“ gefeiert werden. Die Firma befindet sich nach wie vor im Familienbesitz. Derzeit sind umfangreiche Bau- und Neustrukturierungsmaßnahmen geplant und begonnen. Das Werk 1 wird aufgelöst und wird in das Werk 2 integriert.

Strom war vorhanden

Ein zweites Jubiläum konnte Thonet in 2009 begehen: Der Caféhausstuhl wurde bis dahin seit 150 Jahren unveränderter gebaut und über 50 Millionen Mal produziert.

1945 wurde das Werk vollkommen zerstört und dann wieder aufgebaut. Die Entscheidung für den Standort Frankenberg wurde von drei Faktoren beeinflusst. Einmal durch die Nähe zu einem großen Buchenwald, eine Bahnlinie war vorhanden und Strom.

Besonders interessant waren traditionelle Biegeverfahren, die den Unternehmerfrauen vorgeführt wurden. Das dafür vorgesehene Holz wird zunächst bei 60 Grad gewässert und dann vier Stunden im Wasserdampf bei 120 Grad behandelt. In sechs Minuten wird das entnommene Holz zum Caféhausstuhl dann gebogen. Zwei Arbeiter biegen das Holz in die Form, das dann 48 Stunden dort verbleiben muss. Pro Schicht werden 120 Stücke gebogen.

Im Werk 2 findet die Metallbearbeitung statt, die mittlerweile den größten Teil der Produktion und Nachfrage darstellt. Der klassische Freischwinger ist neben dem Caféhausstuhl ein weiteres Erfolgsmodell von Thonet. Die Herstellung von Tischen oder Schreibtischen erfolgt nach Auftragslage. Beispielsweise hat Thonet die Ausstattung der Fraktionsräume im Bundestag gefertigt.

Von großem Interesse war auch für die Frauen die Reparaturabteilung. Thonet-Stühle, beispielsweise mit Stuhlgeflecht, werden repariert. Dazu wird ein Geflecht aus Lianen aus dem indonesischen Regenwald verwandt, das speziell für Thonet seit 40 Jahren in China gefertigt wird.

Museum für Möbel

Nach der Werksbesichtigung ließen sich die Frauen durch das angeschlossene Museum führen und besahen sich die unterschiedlichen Unikate. Interessant war die geschichtliche Entwicklung der Möbelstücke. Voller interessanter Eindrücke diskutierten die Besucherinnen zum Abschluss in der Walkemühle. (nh/asg)

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