Live aus einer Backstube

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Jetzt habe er Zeit, seine Memoiren zu schreiben, verkündete Werner Bätz (rechts), der nach 27 Jahren seine Bio-Bäckerei an Jürgen Roth übergibt. Seine Ehefrau, Roswitha Bätz (links), freut sich mit ihm auf die „hoffentlich stressfreie Zeit“.

Die Türglocke, die in der Bäckerei „Brot und Korn“ am Markt 23 das Kommen neuer Kunden ankündigt, klingelt unaufhörlich. Bäckermeister Werner Bätz rennt emsig um die Türecken seines kleinen Betriebes, um an der Verkaufstheke auszuhelfen.

 „Ist das Brot schon aus dem Ofen?“, fragt er in Richtung Backstube gerichtet. „Nein? Moment, ich mache es schon“, ruft er und ist selbst zur Stelle, wenn zwei Hände zum Arbeiten gebraucht werden.

„Wenn es darum geht, den Unterschied zwischen dem Alltäglichen und dem Außergewöhnlichen in diesem Handwerk herauszuarbeiten, war ich mit vollem Einsatz dabei“, sagte er stolz.

Doch diesen Berufsalltag wird es für den 63-Jährigen ab kommender Woche nicht mehr geben. Jetzt ist für ihn endgültig Feierabend, denn Werner Bätz geht nach fast 50 Jahren Berufsleben in den Ruhestand.

So sehr ihm die Gespräche mit den Kunden und das nette Miteinander in seinem Bäckerei-Team fehlen werden, so sehr freue er sich aber auch „auf die Zeit danach“. Denn in all den Jahren sei das Familienleben eindeutig zu kurz gekommen, bilanzierte er.

27 Jahre sein eigener Chef

Bei einem Arbeitstag von 12 bis 14 Stunden ist dies nicht verwunderlich. Vor 27 Jahren übernahm der gebürtige Hersfelder die Bäckerei am Markt, in der er vorher schon einige Jahre gearbeitet hatte.

Damals habe es 22 kleine Bäckereien in Hersfeld gegeben, das Bild habe sich heute sehr verändert, jetzt bekäme man überall das Gleiche, bedauerte er.

Erfolgsrezeptur von Werner Bätz

„Das Bäckerhandwerk hat goldenen Boden. Ich habe immer aufgepasst, dass man mir diesen Boden nicht unter den Füßen wegzieht“. Seine Erfolgsrezeptur war es, eine lange Tradition des seit 210 Jahren bestehenden Bäckerhauses fortzuführen. Und das heißt ausschließlich biologisch angebautes Getreide aus der Region zu verwenden und vollwertige Produkte anzubieten.

Die Backmischungen werden nach teilweise 200 Jahre alten Rezepten selbst hergestellt. „Den größeren Arbeitsaufwand habe ich nicht gescheut. Ich habe das gemacht, was mir Spaß macht“, sagte Bätz.

Die Produkte aus der urigen Backstube, die viele treue Kunden begeistern, sind Handarbeit. Und: wenn sie „Mohnbrötchen“ heißen, dann sind sie als solche an einer besonders dicken Mohnschicht auch erkennbar.

Neuer Chef: ab 14. September geht es los

Das wird sich auch zukünftig nicht ändern. Nach einer zweiwöchigen umbaubedingten Schließung eröffnet das Geschäft wieder am Dienstag, 14. September. Neuer Chef ist dann der 45-jährige Jürgen Roth aus Schenklengsfeld. „Die Kundschaft wird nichts vermissen. Auch nicht die vier Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Es bleibt alles beim Alten“, verspricht Roth schon jetzt. (het)

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