Bäckerinnung Hersfeld-Rotenburg feierte ihr 450-jähriges Bestehen in Friedewald

Brotkultur als Welterbe

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Historisches Symbol: Die Fahne der Bäckerinnung Hersfeld aus dem Jahr 1840 ist wohl eine der ältesten noch erhaltenen Traditionsfahnen und wird zum Schutz vor Umwelteinflüssen in einer Folie aufbewahrt. Innungsehrenobermeister Hans-Heinrich Jäger präsentierte sie zur Landesverbandstagung in Friedewald.

Ihr 450-jähriges Bestehen feierte die Bäckerinnung Hersfeld-Rotenburg im Rahmen der Tagung des hessischen Bäckerinnungsverbandes. Dieses seltene Jubiläum war auch Anlass für Innungsehrenobermeister Hans-Heinrich Jäger, einige Schlaglichter aus der langen Geschichte des Hersfelder Bäckerhandwerks vorzutragen.

Er berichtete, dass sich im Jahr der Gründung die Zunftzugehörigkeit weitgehend auf das städtische Gebiet beschränkte. Hersfeld hatte damals um die 1500 Einwohner. Jäger präsentierte dazu die Kopie der Originalurkunde und zitierte daraus, dass am 14. Dezember des Jahres 1563 Schultheiß, Bürgermeister und Stadtrat die Genehmigung zur berufsständischen Vereinigung des Bäckerhandwerks gaben. Laut Chronist wurden damals das Gewicht der Backwaren sowie der dreimal im Jahr ausgehandelte Preis in einer Ordnung festgehalten. In diesem Regelwerk waren auch die Strafen für zu leichte Brote festgelegt, die dann an Arme abgegeben werden mussten.

Konkurrenz vom Leib halten

Mit einer Eingabe an den Landgrafen von Hessen versuchten die Hersfelder Zunftmeister schon 1594, sich unliebsame Konkurrenz vom Leibe zu halten. Die Aufnahme in die Zunft wurde aber erleichtert, wenn ein neuer Meister eine Bäckerwitwe heiratete. In dieser Epoche pendelte sich die Lehrzeit auf drei Jahre ein.

Jäger machte dann mit der Erwähnung von Robert Heil einen Zeitsprung ans Ende des 19. Jahrhunderts. Der erfolgreiche Bäcker in achter Generation aus Hersfeld sei nach seiner Lehre 1886 nach Berlin gegangen, um sich dort weitere Fähigkeiten anzueignen. Der nun folgende Aufstieg habe ihm 1910 sogar den Titel des Königlich-Preußischen Hofbäckermeisters eingebracht. Seiner Heimatstadt Hersfeld stiftete Robert Heil 1935 den nach ihm benannten Turm, an dem auch heute noch die jährliche Freisprechung der Bäckerlehrlinge stattfindet.

Als weiteren historischen Merkpunkt bezeichnete Jäger den Zusammenschluss der Innungen der Landkreise Hersfeld und Rotenburg im Jahr 1972 als Folge der politischen Gebietsreform in Hessen.

Aber auch die Gegenwart nahm der Ehrenobermeister in seine geschichtlichen Betrachtungen auf und informierte zum Schluss seines Vortrags über die Bemühungen des Zentralverbandes, die einzigartige Brotkultur Deutschlands mit etwa 300 Sorten Brot und 1200 verschiedenen Kleingebäcken als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen.

Verlässlichkeit und Tradition

Die Jubiläumsfeier war zuvor vom Landesinnungsmeister Wolfgang Schäfer aus Rodgau eröffnet worden. Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz lobte das Bäckerhandwerk in ihren Grußworten für seine Verlässlichkeit und Tradition, ohne sich dem Fortschritt zu verschließen.

Glückwünsche überbrachten zudem Handwerkskammerpräsident Heinrich Gringel und Obermeister Ralf Stuckardt für die Kreishandwerkerschaft sowie Friedewalds Bürgermeister Dirk Noll. Die Veranstaltung wurde am Tag darauf mit der Versammlung des Landesverbandes fortgesetzt. (ha)

Von Hans-H. Hartmann

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