Orgelbau: Japaner bereitet sich in Calden auf seine Meisterprüfung vor

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Bereicherung fürs Team: Tadashi Nakazato gemeinsam mit den Team der Firma Klein und Geschäftsführer Jens Klein.

Wenn es um sein erlerntes Handwerk geht, zieht Tadashi Nakazato alle Register. Und das im wahren Sinn des Wortes. Der 35-jährige Japaner bereitet sich derzeit auf die Meisterprüfung im Orgelbau vor.

Zu diesem Zweck hat der in Deutschland geborene junge Mann sein Heimatland Japan in 2010 verlassen, um an einem Meisterkurs zum Orgelbau an der Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg, der einzigen Bundesfachschule für Orgelbau in Deutschland, teilzunehmen. Und für wenige Tage kam der Weitgereiste auch in den Orgelmetallpfeifenbaubetrieb Leo und Jens Klein nach Calden. „Ich benötige noch Kenntnisse im Pfeifenbau“, erklärt der Meisterschüler, der seine schriftliche Prüfung bereits mit Bravour bestanden hat.

Rat aus Calden

Im praktischen Teil gilt es jedoch, eine kleine Orgel zu konstruieren und nachzubauen. Und für die Herstellung der nötigen Pfeifen suchte er Rat bei Pfeifenbau-Experte Jens Klein. Der Kontakt zum Caldener Geschäftsmann, der regelmäßig Meisterschüler in seinem Betrieb weiterbildet, entstand übrigens auf einer Internationalen Orgelbauertagung. „In unserer Branche kennt man sich naturgemäß untereinander, da die Anzahl der Orgelbaubetriebe in Deutschland doch recht übersichtlich ist. Ich bin stolz, dass wir einen so weitgereisten Meisterschüler bei uns haben. Er ist eine Bereicherung für unser Team“, so der 43-jährige Geschäftsführer.

Genau genommen sind auch der Orgelbau und der Pfeifenbau zwei getrennte Berufe. Für Nakazatos Meisterstück werden allerdings Kenntnisse aus beiden Bereichen abverlangt. „Daher bin ich froh, in der Firma Klein einen Einblick in die Technik des Pfeifenbaus zu bekommen. Denn ohne diese Erfahrung kann man keine Orgel bauen“, sagt der angehende Orgelbaumeister.

Es gibt wohl kaum ein größeres und komplexeres Musikinstrument als eine Orgel. Sie ist eine Komposition aus tausenden Orgelpfeifen, zahlreichen Registern, Klaviaturen und sehr ausgefeilter Technik. „Deshalb muss ein Orgelbauer quasi ein Alleskönner sein. Einer, der sich mit vielen Werkstoffen auskennt und mit ihnen umgehen kann. Einer, der außerdem ein präzises Gehör haben muss. Schließlich macht der Ton die Musik“, erklärt der Experte.

Seine Abschlussprüfung wird er übrigens Anfang September absolvieren. Und anschließend auch nach Japan zurückkehren, um dort im Orgelbau-Betrieb seines Vaters mitzuarbeiten. „ Ich bin dann neben meinem Vater einer der ganz wenigen Orgelbaumeister in Japan“, verweist Nakazato auf den seltenen Beruf im Heimatland. „Orgel und Japan gehören nicht unbedingt zusammen“, sagt er lachend.

Ob die Orgeln in Japan wegen der geografischen Besonderheit auch anders konstruiert sein müssen? „Ja, auf jeden Fall. Sie müssen zumindest gegen Erdbeben gesichert werden. Das gelingt durch zusätzlich Fixierung an den Decken, birgt aber auch die Gefahr, dass das Instrument möglicherweise nicht gut klingt. Das ist die besondere Herausforderung.“ Eine Herausforderung, der sich Tadashi Nakazato gern stellt. „Das ist mein absoluter Traumberuf.“ (zms)

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