Cool bleiben im Straßenverkehr

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Recycling: Mit Hilfe solcher Klimageräte wie dem von Dirk Guthardt wird das Kühlmittel zunächst aus der Anlage abgesaugt, nach einer Dichtigkeitsprüfung gereinigt und schließlich – um fehlendes Gas und Öl ergänzt – wieder eingefüllt.

Kaum sind die Tage hochsommerlicher Saharahitze mit bis zu 38 Grad Celsius überstanden, steht nach kurzer Abkühlung schon die nächste Hitzewelle vor der Tür.

Gut, wer in diesem Sommer einen Wagen mit Klimaanlage fährt, schließlich heizen sich Autoinnenräume in der Sonne auf bis zu 80 Grad Celsius auf. Was aber, wenn diese plötzlich ihren Dienst versagt?

„Jetzt im Sommer kommen etliche Autofahrer in die Werkstatt, weil die Klimaanlage gar nicht, oder nicht richtig funktioniert“, berichtet Dirk Guthardt vom Auto-Shop in Eschwege. Dabei steigen die Anfragen wegen defekter Klimaanlagen sogar um bis zu 100 Prozent, schließlich benutzen viele Autofahrer ihre Klimaanlage den Rest des Jahres gar nicht. Defekte oder Fehler zeigen sich somit auch erst dann, wenn es auf die Leistung der Anlage ankommt.

Ein fataler Fehler, wie Armin Schill, Inhaber des Autohaus Schill in Abterode und Obmann der Kfz-Innung, weiß. „Selbst im Winter sollten Autofahrer ihre Klimaanlage öfter einmal laufen lassen, dadurch verlängern sie die Lebensdauer der Anlage erheblich“, erklärt der Fachmann.

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Korrosionsschäden an der Anlage und das Aushärten der Dichtringe können so vermieden werden. Denn harte Dichtringe halten nicht mehr dicht, das als Kältemittel verwendete Gas R134a kann schneller entweichen und die Klimaanlage ist außer Funktion. Das Öl aber, welches mit dem Gas durch den Kreislauf der Klimaanlage strömt und so für Korrosionsschutz und die richtige Schmierung sorgt, wird bei inaktiver Klimaanlage nicht mehr verteilt.

Somit werden wichtige Bestandteile der Klimaanlage nicht nur nicht mehr geschmiert, sondern sind während der kalten und feuchten Jahreszeit auch zusätzlicher Korrosion ausgesetzt. Wenn dann der für die Verdichtung des Kältemittels zuständige Klimakompressor wegen fehlender Schmierung Schaden nimmt, fallen für Ersatzteil und Austausch schnell mehrere hundert Euro Reparaturkosten an.

Verbrauch versus Kühlung

Weil der Kompressor meist über den Keilriemen vom Motor mit angetrieben, oder elektrisch über die Lichtmaschine versorgt wird, erhöht der Betrieb der Klimaanlage auch den Kraftstoffverbrauch. „Auch das hält viele Fahrer davon ab, die Anlage einzuschalten. Dabei ist doch ganz klar, dass die Energie irgendwoher kommen muss. Schließlich funktioniert die Klimaanlage wie ein Kühlschrank und der braucht ja auch Strom“, so Schill. Das während der Fahrt geöffnete Fenster sorgt jedoch ab einer Geschwindigkeit von ungefähr 70 Kilometern pro Stunde für einen erhöhten Spritverbrauch aufgrund von Verwirbelungen, die sich negativ auf den Luftwiderstand des Autos auswirken.

Die Zahl der Schäden an Klimakompressoren hat inzwischen stark zugenommen. Zwei Gründe gibt es dafür.

„Nahezu 99 Prozent aller Neuwagen werden heute mit Klimaanlage verkauft, nur ganz wenige ohne. Eine Nachrüstung ist zwar möglich, aber sehr teuer.“, sagt Schill. „Was vor 10 Jahren noch Luxus war, ist heute selbstverständlich. Kein Wunder, dass mit der steigenden Zahl verbauter Anlagen auch die Schäden steigen“, ergänzt Guthardt. Der zweite Grund liegt in der Natur der Konstruktion. Denn im Kreislauf der Anlage stehen Kältemittel und Öl unter Druck. 15 bis 18 Bar herrschen in den Leitungen und Schläuchen, so dass ein langsames, druckbedingtes Entweichen des Kühlmittels aus der Anlage vollkommen normal ist. Außerdem wurden anfangs rund 800 Gramm Kühlmittel in die Anlagen gefüllt. Heutige Anlagen benötigen oft weniger als 500 Gramm. Um so schneller verflüchtigt sich das wichtige Gas also, wie die Luft in einem Autoreifen, die auch allmählich entweicht.

Anlage regelmäßig warten

„Die Klimaanlage gehört bei der Inspektion des Autos nicht zu den Baustellen. Die Autohersteller empfehlen zwar regelmäßige Ölwechsel und Wartungen, über einen Service für die Klimaanlage machen sie aber keine Angaben“, berichtet Guthardt. Deren Hersteller empfehlen jedoch auch einen Kontrollintervall.

Alle zwei Jahre sollte die Klimaanlage gewartet werden. „Ein Auto, welches regelmäßig in der Werkstatt zur Wartung war, ist wesentlich kostengünstiger für den Fahrer, als eines, bei dem schon ein Defekt aufgetreten ist. Bei der Klimaanlage ist es genauso“, erklärt Guthardt.

Wo die Wartung durchgeführt wird, spielt dabei keine Rolle. Die meisten Autos sind mit dem Gas R134a als Klimamittel ausgerüstet, fast alle Freien und Fachwerkstätten können diese Klimaanlagen warten. Um die 50 Euro kostet die Inspektion, zuzüglich Material. Das noch vorhandene Gas wird dabei abgesaugt, gereinigt und der Klimaanlage wieder zugeführt, so dass der Kunde nur die Menge des Gases bezahlen muss, die zusätzlich aufgefüllt wird. Nach ungefähr einer Stunde ist die normale Wartung dann schon abgeschlossen.

Ob beim Neuwagenkauf die günstige Klimaanlage ausreicht, oder ob es doch die teurere Klimaautomatik sein sollte, beantwortet Schill: „Wichtig ist, dass Sie sich im Auto wohlfühlen, wenn es draußen heiß ist. Das kann aber die günstige Klimaanlage genauso leisten. Ich darf nicht frieren und ich will nicht schwitzen, also drehe ich den Temperaturregler auf eine Temperatur um die 18 oder 20 Grad Celsius“, erklärt Schill.

So werde es angenehm kühl, aber eben nicht zu kühl, dass man sich erkältet. Außerdem halte sich dann der Kraftstoffverbrauch auch in Grenzen, so der Experte. Dass die Wartung der Klimaanlage auch einem gesundheitlichen Zweck dient, verrät ein Blick auf den Leistungskatalog der Werkstätten und auf die Innenluftfilter der Autos.

Denn die Lüftung filtert dank eines eingebauten Innenluftfilters zahlreiche Schmutzpartikel aus der Luft. Sogar Pollen werden mit Hilfe von Spezialfiltern aufgefangen, wichtig für Allergiker. Deshalb bieten Werkstätten und Autohäuser zusätzlich zur Klimaanlagenwartung eine Desinfektion an. „Trotz Innenluftfilter können sich in den Luftkanälen sogar Pilz-und Schimmelsporen ablagern. Der Verdampfer der Klimaanlage friert ein und taut auf, so entsteht in den Luftkanälen ein abwechselnd feucht warmes und trocken kaltes Klima“, erklärt Schill.

Mit langen Sonden spritzen die Fachleute deshalb Desinfektionsmittel in die Luftkanäle. „Sie würden staunen, was für eine Brühe nach der Reinigung da rauskommt“, sagt Guthardt. (wrs)

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