Dachdeckergeselle Robert Vogel

Unterwegs, wo der Pfeffer wächst

+
Sehen und gesehen werden: Für den Hünen Ole Böhrensen und seinen nur leicht schmächtigeren Dachdeckerkollegen Robert Vogel aus Diemelstadt (rechts), ist das Alltag auf Madagaskar vor der Südostküste Afrikas.

Der 26-jährige Dachdeckergeselle Robert Vogel aus Helmighausen ist in seiner stattlichen Berufskluft auf der Tropeninsel Madagaskar ein echter Exot.

Wo der bärtige Hesse mit seinem norddeutschen Freund Ole Böhrensen auftaucht, drehen sich die im Schnitt gut einen Kopf kleineren Bewohner mindestens zwei Mal nach dem für sie riesenhaften Duo um, das derzeit gemeinsam in der Heimat von Pfeffer und Vanille auf der Walz ist.

Robert Vogel hat im nordrhein-westfälischen Warburg bei der Dachdeckerei Pohl sein Handwerk erlernt und wollte dann Auslandserfahrung sammeln. Früher sei man vor der Meisterprüfung auf die Walz gegangen, um sein Handwerk, andere Arbeitsweisen und Kulturen kennen zu lernen. „Dies hat einen ungeheuren Reiz auf mich ausgeübt, so dass ich am 6. Juli 2009 losgegangen bin.“

Kein Handy, wenig Geld

Auf der Walz gibt es feste Regeln: Man darf kein Handy besitzen, muss jünger als 30, unverheiratet, schuldenfrei, kinderlos und nicht vorbestraft sein. Und während der Walz darf man sich der Heimat nicht weiter als 50 Kilometer nähern. Als Startgeld oder Notgroschen sind lediglich fünf Euro im Gepäck, das ohne Werkzeuge nur wenige Kilogramm umfasst. „Man lernt schnell gut zu wirtschaften und mit Geld umzugehen. Wo man gerade landet, klopft man bei Betrieben an und fragt nach Arbeit.“ Als Lohn gibt es meist Verpflegung und ein Dach über dem Kopf, hin und wieder auch Bares.

Viel unterwegs

Der Wunsch, in der Fremde etwas zu lernen und den Horizont zu erweitern, hat Vogel schon nach Polen, Tschechien, die Slowakei, Frankreich, Österreich, die Schweiz und in etliche Länder Südamerikas geführt. „In Uruguay, Bolivien, Chile, Paraguay, Brasilien oder Argentinien hat mich vor allem die Armut berührt, aber auch die Freundlichkeit der Menschen, die auf mein Klopfen geöffnet und mir eine Suppe gekocht haben.“ Stets habe er im In- und Ausland Arbeit in luftiger Höhe gefunden, sagt Robert Vogel.

Übernachtet werde draußen, wenn es nichts Besseres gebe. Trampen gehe eigentlich ganz gut, oft frage er an Autobahnraststätten, werde nur selten abgewiesen, sagt Vogel: „Wir sollen fürs Reisen ja nicht bezahlen.“ Ausnahme seien natürlich Flugtickets. Jenes nach Madagaskar habe er sich erarbeitet. Ein auf der Insel lebender deutscher Architekt wollte gerade ein Flachdach bauen, da kamen Ole Böhrensen und sein Freund Robert Vogel genau richtig.

Auf der der Südostküste Afrikas vorgelagerten Insel will das Duo neben der handwerklichen Arbeit aber auch Land und Leute kennen lernen, per Buschtaxi die einzigartige Baobaballee, Lemuren-Nationalparks oder auch paradiesische Strände erkunden.

„Mit Deutsch und Englisch kommt man gut durch die Welt“, hat der 26-Jährige auch auf der französisch orientierten Insel Madagaskar festgestellt. Beim Besuch im Goethe Zentrum in Antananarivo spitzten alle Germanistikstudenten die Ohren, als Robert und sein Kumpel Ole aus der Nähe von Eckernförde von ihren durchweg positiven Erlebnissen und Erfahrungen berichteten. Von Madagaskar aus will er zunächst zurück nach Hannover, um Geld zu verdienen, danach steht ein Abstecher nach Hawaii auf dem Reiseplan. „Dafür muss ich allerdings kräftig sparen.“ Und am 6. Juli 2013, also genau vier Jahre nach dem Start, will er wieder zu Hause in Diemelstadt-Helmighausen auf der Matte stehen. (bf)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.