„Der Wille, Arbeit bis 67 zu gestalten, ist da“

+
Otto Kenzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen will künftig alle sechs Monate in einem Fortschrittsreport über die Entwicklung des Arbeitsmarktes für Ältere berichten. Wir sprachen mit Handwerks-Präsident Otto Kentzler darüber, welche Anstrengungen die Betriebe unternehmen, Arbeitsplätze für ihre älteren Beschäftigten zu schaffen.

Rente erst mit 67: Wie soll das für einen Dachdecker funktionieren, der in diesem Alter nicht mehr aufs Dach kann?

Otto Kentzler: In der Tat können von der jetzigen Generation viele Mitarbeiter aus den Bauberufen ihre Arbeit körperlich nicht bis zur Regelaltersgrenze ausüben. Viele wechseln Beruf oder Tätigkeitsfeld, um länger arbeiten zu können. Andere gehen vorzeitig in den Ruhestand und nutzen die Erwerbsminderungsrente. In Zukunft wollen wir Wege finden, immer mehr Menschen auch in körperlich anstrengenden Berufen länger in Beschäftigung zu halten. Die Kombirente - Teilzeitarbeit plus Teilrente - ist eine Möglichkeit für einen gleitenden Ausstieg.

Wie sähe ein altersgerecht gestalteter Arbeitsplatz im Handwerk aus? Welche Tätigkeiten sind für Ältere geeignet?

Kentzler: Wir nehmen immer den einzelnen Menschen und seine Tätigkeit ins Visier. Heute muss kein Dachdecker mehr Pfannen auf der Schulter in die fünfte Etage schleppen. Wir nutzen Hebezeuge und Aufzüge. Die Gesundheit wird durch betriebliche Kurse gefördert. In Werkstätten – etwa beim Schreiner oder Feinwerkmechaniker – übernehmen längst computergesteuerte Maschinen die schwere Arbeit. Hier haben wir also schon durch den Fortschritt einen großen Schritt getan, die Beschäftigung Älterer zu erleichtern.

Wie groß ist das Interesse der Betriebe, in altersgerechte Arbeitsplätze zu investieren?    Kentzler: Die Sicherung der Fachkräfte wird angesichts der demografischen Entwicklung immer größer geschrieben. Die Beratung der Betriebe geht verstärkt dahin, älter werdende Mitarbeiter durch Qualifizierung auf dem sich ständig verändernden Wissensstand zu halten. Eine ZDH-Umfrage hat gezeigt, dass 55 Prozent der Betriebe hier bereits aktiv sind, 15 Prozent planen es.

Wo und in welchem Umfang sind schon Arbeitsplätze für Ältere im Handwerk entstanden?

Kentzler: Ein Betrieb mit zehn Mitarbeitern stellt keinen Manager für altersgerechten Umbau ein. In den altersgemischten Arbeitsteams wird die Arbeit, wo möglich, nach Leistungsfähigkeit verteilt, so dass jeder mitziehen kann. Oft werden auch neue Tätigkeitsfelder identifiziert. Heute wird die Erfahrung Älterer in den Betrieben schon für die Arbeitsvorbereitung, die Qualitätskontrolle, die Kundenbetreuung oder die Ausbildung genutzt.

Woher soll das Geld in einem mittelständischen Betrieb für die Umgestaltung der Arbeitsplätze kommen?

Kentzler: Handwerksbetriebe leben vom Wissen ihrer Mitarbeiter. Es ist günstiger, einen guten Mitarbeiter zu halten, als einen neuen zu suchen. Der Wille, Arbeit bis 67 zu gestalten, ist also da. Zumal bei Weiterbildung, Arbeitsorganisation oder Modernisierung der Arbeitsmittel ohne große Kosten die altersgerechte Ausgestaltung berücksichtigt wird.

Die Handwerkskammer Dortmund hat für den Beruf des Dachdeckers Lösungsbausteine für den altersgerechten Betrieb beschrieben. Solche Projekte wünsche ich mir auch für andere Berufe. Die Betriebe können dann jeweils entscheiden, welche Lösungen für sie und ihre älter werdenden Mitarbeiter passen. (Nicole Flöper)

Zur Person

Otto Kentzler (70) ist seit 1. Januar 2005 Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Der gebürtige Dortmunder ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist gelernter Gas-Wasser-Installateur und Klempner und Diplom-Ingenieur für Maschinenbau. Kentzler ist Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Kentzler GmbH & Co. KG in Dortmund. (nif)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.