Fachkräfte sind knapp, Nachwuchs fehlt

Der Jobmotor brummt, K+S, Amazon, die Logistiker – alle suchen Arbeitskräfte. Nach Angaben der Handwerkskammer in Kassel ist der Geschäftsklimaindex in unserer Region innerhalb eines Jahres um 8,5 auf 81 Punkte angestiegen.

„Gerade Betriebe, die Aufträge aus dem Konjunkturprogramm erhalten haben, können auf eine gute Auftragslage blicken“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Dirk Bohn. Auch der Chef der Arbeitsagentur, Matthias Oppel, spürt das Anziehen der Konjunktur. „Wir vermitteln jede Woche 50 bis 70 Einstellungen“, sagt Oppel.

Gleichzeitig werden aber bereits die Fachkräfte knapp. Vor allem in der Metall- und Elektroindustrie, aber auch bei Altenpflege und Erziehern werden Arbeitskräfte gesucht. „Hier zeichnen sich die ersten Folgen des demografischen Wandels ab“, warnt Bohn.

Anstieg an Ausbildungsverträgen

Es falle inzwischen auch immer schwerer, qualifizierte Nachfolger für etwa 100 Handwerkerbetriebe im Kreis zu finden. Alle setzen jetzt auf Qualifizierung. Laut Bohn werden derzeit fünf bis zehn Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr.

Trotzdem können viele Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Es hapert oft an der Ausbildungsreife. Bohn beklagt „schmuddelige Bewerbungen voller Rechtschreibfehler“, es fehlten oft grundlegende Vorkenntnisse bei den Schulabgängern. „Die Realschüler von heute sind nicht mehr die von vor 20 Jahren“, weiß auch Arbeitsagentur-Chef Oppel.

Trotzdem appelliert er an die Arbeitgeber, auch formal weniger Qualifizierten eine Chance zu geben. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung müsse jungen Menschen eine Perspektive geboten werden.

Duale Ausbildung: geplante Hochschulansiedlung

Dieter Mertelmeyer von der Industrie- und Handelskammer ist trotz düsterer Prognosen verhalten optimistisch. Er setzt viele Hoffnungen auf die geplante Hochschulansiedlung der FH Gießen-Friedberg. Er weiß, dass viele Unternehmen die duale Ausbildung unterstützen wollen. (Kai A. Struthoff)

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