Fachkräftemangel und Umzug

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Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen: Andreas Gliem

Interview mit Andreas Gliem: Die beiden größten Probleme der Handwerkerschaft Südniedersachsen sind Themen bei der Gildenwahl

Herr Gliem, Unternehmen und Verbände klagen über den Fachkräftemangel in der Region. Von der Kreishandwerkerschaft kam da wenig. Betrifft Sie das Problem nicht?

Gliem: Der Eindruck täuscht. Das ist auch für uns das Thema. Wir wollen allerdings niemanden mit Warnungen quälen, die man von den Spitzenverbänden sowieso ständig hört. Uns beschäftigen im Wesentlichen zwei Dinge: Das eine ist der geplante Umzug, das andere der Fachkräftemangel.

In welchen Handwerken fehlen die Mitarbeiter?

Gliem: Die SHK-Unternehmen – also Sanitär, Heizung und Klimatechnik – haben jetzt schon große Probleme Gesellen und Auszubildende zu finden. Für uns wird es in Zukunft darum gehen, alle Jugendlichen mitzunehmen – also die zu schulen, die für eine Ausbildung noch nicht bereit sind. Das Handwerk steht im Wettbewerb mit der Industrie, die mit vermeintlich attraktiveren Jobs lockt.

Wo liegen die Stärken des Handwerks?

Gliem: Was wenigen Bewerbern klar ist: Mit einem Meister ist auch der Zugang zu den Hochschulen offen. Man kann also erst eine Ausbildung machen und dann ein entsprechendes Studium beginnen, beispielsweise als SHK-Anlagenmechaniker Ingenieur werden.

Es gibt mittlerweile auch Klagen über fehlende Bewerber für Helferjobs. Ist das Handwerk da auch betroffen?

Gliem: Nein, es gibt solche Arbeitsplätze bei uns nicht. Das liegt allerdings an den Sozialpartnern, die sich nicht auf eine Entlohnung einigen konnten. In einigen Handwerksbranchen wie dem Kfz-Gewerbe würde so etwas Sinn machen.

Warum will die Kreishandwerkerschaft in Göttingen umziehen?

Gliem: Wir wollten anbauen und haben auch eine Baugenehmigung von der Stadt bekommen – Größe, Zuwegung und Parkplatzsituation entsprachen aber nicht unseren Vorstellungen. Deshalb haben wir entschieden, dass wir ein Kompetenzzentrum für das Handwerk schaffen wollen. Da sollen neben einer Krankenkasse und Versicherung weitere Partner mit einziehen, zum Beispiel ein Arbeitsmedizinischer Dienst.

Werden Sie in der Stadt Göttingen bauen?

Gliem: Wir sprechen mit allen, die sich uns anbieten. Infrage kommen sowohl die Stadt als auch das direkte Umfeld.

Wie sieht es mit Ihrer Mitgliederzahl aus?

Gliem: Die Mitgliederentwicklung stagniert – auch weil Handwerker ihre Betriebe aufgeben. Wir haben jedoch 35 neue Mitglieder werben können, um dies auszugleichen. Insgesamt sind 800 Betriebe mit etwa 2500 Mitarbeitern in unserer Kreishandwerkerschaft. (gör)

Zur Person

Andreas Gliem (51) stammt aus Kassel und hat in Göttingen studiert. Er ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen. Gliem hat eine Frau und zwei Kinder. Die Kreishandwerkschaft besteht aus den Handwerksinnungen, die ein freiwilliger Zusammenschluss der Unternehmer des Handwerks sind.

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