Fast allein unter Männern

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Fachfrau am Auto: Maren Marställer kehrt für ein Foto noch einmal in ihren Ausbildungsbetrieb, das Autohaus Bloß in Großalmerode, zurück. Derzeit macht sie ihren Meister.  

Am Tag der Freisprechung bekam Maren Marställer plötzlich weiche Knie: Vor der Zeugnisübergabe wurde die 22-jährige Kfz-Mechatronikerin aus Epterode für ein Foto nach vorne gebeten. Der Grund: Maren Marställer ist Innungsbeste in ihrem Ausbildungsjahrgang.

Sie ließ damit 69 Männer und drei Frauen hinter sich. „Damit habe ich gar nicht gerechnet“, sagt Maren Marställer. Die Abschlussprüfungen seien schwer und anstrengend gewesen. Marställers Chef Bernd Bloß aus Großalmerode war nicht ganz so überrascht: „Wir wussten, dass sie sehr gut ist.“

Quereinstieg in die Werkstatt

Zunächst sah es gar nicht danach aus, dass die 22-Jährige mal beruflich zum Schraubenschlüssel greifen würde. „Ich habe in den Ferien mehrere Praktika beim Autohaus Bloß gemacht“, berichtet die 22-Jährige. Die Arbeit habe ihr Spaß gemacht, aber den angebotenen Ausbildungsplatz schlug sie aus. „Ich wollte mein Abitur machen und studieren.“ Nach dem Abi beginnt sie ein Maschinenbau-Studium in Kassel. „Aber es hat mir nicht gefallen“, sagt Marställer. „Viel zu theoretisch. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich mich vor allem für Fahrzeugtechnik interessiere.“

Also fängt sie „so von heute auf morgen“ doch in Großalmerode an. Wegen ihres Abiturs wird sie gleich ins zweite Halbjahr des zweiten Lehrjahres eingestuft. Dass sie eine Frau in einem Männerberuf ist, sei für ihre Kollegen und Klassenkameraden kein Problem gewesen. Manche Kunden seien dagegen überrascht gewesen, dass eine junge, blonde Frau ihr Auto repariert. Marställer zuckt die Achseln. „Man muss einfach zeigen, was man drauf hat, und die Leute mit Kompetenz überzeugen.“

Marställer beißt sich durch, auch wenn es gilt, Getriebe auszubauen und schwere 22-Zoll-Räder zu wechseln. „Ich gebe nicht so schnell auf und habe auch kein Problem, um Hilfe zu fragen“, sagt sie selbstbewusst. Bernd Bloß nickt zustimmend. „Was die anderen mit Kraft machen, hat sie mit Köpfchen erledigt.“

Man merkt Maren Marställer an, dass ihr das Interesse an ihrer Person etwas unangenehm ist. „Ich bin ja nicht die erste und nicht die einzige Frau in einer Autowerkstatt.“ Sie rät Mädchen, die in einen Männerberuf einsteigen wollen, in jedem Fall dazu. „Wenn man an sich glaubt, kann man eine Menge schaffen.“ Zudem seien Handwerker viel offener als man denke. „Die freuen sich, wenn Mädchen bei ihnen einen Job suchen.“ Schließlich seien die meist fleißiger, gewissenhafter und bedächten eher die Konsequenzen ihres Handelns.

Im Herbst fährt Marställer zum Landesentscheid der Kfz-Innung, um ihr Können bei einem Praxisprüfungstag zu beweisen. Den Besten winkt ein Zuschuss zur Meisterausbildung. Die hat Marställer längst in Vollzeit begonnen, im Dezember ist sie fertig. „Dann habe ich in drei Jahren Karriere gemacht“, sagt sie nachdenklich und ist ein bisschen über sich selbst erstaunt.

Von Friederike Szamborzki

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