Fleischerei Burghardt feiert 75-jähriges Bestehen – kaum ein Betrieb der Branche ist älter

Ideen aus der Wursttheke

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Traditionsbetrieb mit vielen Stammkunden: Die Inhaber Frank und Kirstin Burghardt sowie Juniorchef Marc Burghardt (von links). Neben Knochenschinken und Wildsalami hat die Fleischerei etliche weitere Spezialitäten nach besonderen Hausrezepten im Angebot.

Zu ihrem 75-jährigen Bestehen hat sich die Fleischerei Burghardt an der Elfbuchenstraße 5 in Kassel eine brandneue Ladeneinrichtung spendiert, um das Traditionsgeschäft für die vierte Inhabergeneration zu rüsten.

So ein hohes Jubiläum ist selten in einer Branche, die von Nachwuchssorgen und handwerksfremder Konkurrenz geprägt ist.

Die Firma Burghardt ist eine der letzten familiengeführten Fleischereien in der Stadt und vermutlich die einzige, die im Lauf eines Dreivierteljahrhunderts nie ihren Firmennamen geändert hat.

Im Jahr 1939, kurz vor Kriegsausbruch, hatte Gründer und Fleischermeister Adam Burghardt das ursprünglich im Nachbarhaus gelegene Geschäft übernommen. „Für seine erste Schlachtung hatte sich mein Großvater das Geld von seinem Schwiegervater geborgt“, erzählt Inhaber Frank Burghardt, der mit seiner Frau Kirstin heute den Betrieb führt.

Bald wurde Adam Burghardt zum Kriegsdienst eingezogen und kam dann in russische Gefangenschaft – deshalb ruhte das Geschäft einige Jahre, bis es ab 1950 wieder Fleisch und Wurst an der Elfbuchenstraße gab. „Wir hatten damals wenig Auswahl, aber viele Angestellte, weil das Personal billig war“, sagt Frank Burghardt. Zwei Gesellen und ein Hausmädchen wohnten im Haus der Fleischerfamilie. Alle wurden versorgt von Hausherrin Minna Burghardt, die im Vorjahr mit 98 Jahren gestorben ist. Noch mit über 90 Jahren hatte sich „Oma Minna“ im Betrieb nützlich gemacht und galt auch vielen Kunden als gute Seele des Geschäfts.

Vierte Generation am Start

Ihr Urenkel, Juniorchef Marc Burghardt, hat im Vorjahr ausgelernt und seinen Meister gemacht. Da somit die Zukunft der Familienfleischerei gesichert ist, „haben wir jetzt noch mal investiert“, sagt sein Vater. Während der zweiwöchigen Umbauzeit, in der auch eine neue Schaufensterfront eingebaut wurde, lief der Betrieb in einem Verkaufswagen vor dem Geschäft.

Vielen Stammkunden im Vorderen Westen gilt die Fleischerei Burghardt als erste Adresse, der Zuspruch ist trotz aller Trends zum Fleischverzicht ungebrochen hoch. Ein Grund dafür dürfte sein, dass bei Burghardts nicht nur das traditionelle Handwerk hochgehalten wird, sondern dass mit dem Rohstoff Fleisch ungewöhnlich ideenreich neue Produkte kreiert werden. Es gibt etwa Kasseler im Espresso-Mantel oder jahreszeitliche Wurstrezepte – im Herbst mit Steinpilzen und Kürbiskernen, im Winter mit Walnüssen und Rosinen. „Wir lassen uns Sachen einfallen, die es woanders nicht gibt“, sagt Frank Burghardt.

Vielversprechend hat sich nach seinen Worten auch das vor fünf Jahren gestartete Catering-Geschäft entwickelt. Dafür gebe es regelmäßig mehr Nachfrage, als der Fünf-Mitarbeiter-Betrieb bedienen könne. (von Axel Schwarz)

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