Frauen im Handwerk - Bernhild Koch

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Frauen im Handwerk: Goldschmiedin Bernhild Koch (34) aus Baunatal.

Für Bernhild Koch war klar: Nach dem Abitur wollte sie in einem kreativen Beruf arbeiten. Und es sollte eine Tätigkeit sein, in der man etwas selbst erschaffen kann, von A bis Z. Sie wählte den Beruf der Goldschmiedin. Heute hat sie eine Werkstatt in Baunatal und betreibt einen Laden im Internet.

Für die Ausbildung bewarb sie sich an der staatlichen Zeichenakademie in Hanau. "Die Schule steht in dem Ruf, einen besonderen Schwerpunkt auf die Kreativität im Handwerk zu legen", sagt Bernhild Koch. Das war der Grund, warum sie dieser überbetrieblichen Ausbildung gegenüber einer Ausbildung in einem Betrieb den Vorzug gab. "Die betrieblichen Ausbildungsstellen sind dünn gesät. Für die Meisterbetriebe ist es teuer und aufwändig, Lehrlinge auszubilden", sagt sie.

Frauen im Handwerk - Bernhild Koch

Goldschmiedin Bernhild Koch (34) aus Baunatal

Dreieinhalb Jahre lernte sie Metallbearbeitungstechniken kennen, die zum Herstellen von Schmuck vonnöten sind. Spezielle technische Lösungen, beispielsweise unterschiedliche Verschlusstechniken, standen ebenfalls auf dem Ausbildungsplan. Mit der Gesellenprüfung kam ein wenig die Ernüchterung. "Bei meiner Berufswahl war der Wunsch vorrangig, eigene Ideen umsetzen zu können. Nach Ausbildungsende war eigentlich der einzige Weg, dies umsetzen zu können, die Selbstständigkeit", sagt die Goldschmiedin. Diesen Schritt wagte sie aber mit 22 Jahren noch nicht zu gehen. Die finanzielle Belastung war einfach zu groß: Bernhild Koch hätte alles vorfinanzieren müssen, vom Unterhalt eines Ladens über das Material bis hin zu angefertigten Stücken für einen Start.

Sie entschied sich für einen Mittelweg und machte eine weitere Ausbildung, diesmal zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien. Heute arbeitet sie halbtags in diesem Beruf.

Parallel dazu begann sie, ihre eigene Schmuckkollektion zu entwerfen, anzufertigen und im Internet zu vertreiben. Ohrschmuck, Ketten, Ringe: Für die Ideen lässt sie sich von ihrer Umwelt inspirieren. Mal ist es eine Tapete, mal eine Blüte, die zu einem neuen Schmuckstück führt. "Oft ist die Natur mein Vorbild", sagt die gebürtige Marsbergerin. Kein Zufall also, dass florale Motive in ihren Entwürfen immer wiederkehren.

Ihr Lieblingsmetall ist Silber. Das verarbeitet sie gern zusammen mit Edelsteinen wie Topas und Peridot, letzterer imponiert durch verschiedene Grüntöne. "An diesen Steinen fasziniert mich ihre Schlichtheit und ihr Farbspiel", sagt sie.

Sie fertigt auch Schmuck nach Kundenwünschen an. Ob ein Kranich als Anhänger für eine Kette oder eine Eidechse: Die Umsetzung ist immer eine Herausforderung, meint die 34-Jährige: "Der Entwurf soll der Vorstellung des Kunden möglichst nahe kommen. Andererseits muss er aber berücksichtigen, was technisch machbar ist."

Heute arbeitet Bernhild Koch in ihren beiden erlernten Berufen. Missen möchte sie keinen. Auch in der Arbeit als Mediengestalterin ist Kreativität gefragt, und die Inhalte helfen ihr beim Vertrieb ihrer Schmuckkollektion.

Bernhild Koch fasziniert die Herstellung von Schmuck. "Schmuck ist etwas Beständiges und sehr oft emotional besetzt. Als Geschenk verbindet er Menschen, die einander nahe stehen. Oft sind es feierliche Anlässe wie Taufen, Geburtstage oder Jahrestage, zu denen er verschenkt wird", sagt die Goldschmiedin. Wenn sie spürt, dass Menschen eine persönliche Bindung zu den von ihr gefertigten Schmuckstücken entwickelt haben, macht sie das glücklich, sagt sie. (zip)

Steckbrief Bernhild Koch.pdf

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