Frauen im Handwerk - Brigitte Arnold

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Frauen im Handwerk: Brigitte Arnold ist Tischlermeisterin und leitet den eigenen Familienbetrieb in Oberaula.

Schon als Kind war Brigitte Arnold begeistert von Papas Hobelpartys: So wurde die Mithilfe der drei Mädchen im Hause Battenberg scherzhaft genannt. 

Während sich die beiden Geschwister der heute 48-Jährigen häufig vor den Handreichungen in der elterlichen Schreinerei drückten, ging Brigitte Arnold stets mit Feuereifer ans Werk. Der Umgang mit Holz machte ihr immer großen Spaß. Dem Vater war das anfangs gar nicht so recht. „Ich musste echte Überzeugungsarbeit leisten, als ich mich für die Ausbildung zur Tischlerin entschied. Als Frau diesen Beruf zu lernen, das war für meinen Vater ein Unding“, erinnert sich die Tischlermeisterin.

Frauen im Handwerk - Brigitte Arnold

Tischlermeisterin Brigitte Arnold

Gern hätte Brigitte Arnold in einem anderen Betrieb gelernt: „Das war gar nicht möglich, weil viele um das Betriebsklima fürchteten, wenn sie eine Frau einstellen“, erzählt sie. Heute erinnert im Betrieb, dessen Chefin mittlerweile Brigitte Arnold heißt, nichts mehr an den holprigen Einstieg. Die Schreinerei ist immer noch ein klassischer Familienbetrieb. Arnold ist für die Arbeitsvorbereitung zuständig, holt Aufträge rein und pflegt den Kontakt zu den Kunden. Unterstützt wird sie im Büro von einer ihrer Schwestern. „Wenn es brennt, fahr ich auch mit auf die Baustelle“, sagt sie. Auch der Seniorchef ist nach wie vor im Betrieb tätig. Mit 76 Jahren gehört er noch lange nicht zum alten Eisen. Ehemann Rainer, ebenfalls Schreinermeister, ist Herr über die Werkstatt und kümmert sich um Aus- und Einbauten. Ihn unterstützt ein Auszubildender.

Eine Spur besser sein

Trotz jahrzehntelanger Berufserfahrung, des Meistertitels und des Technikerabschlusses muss sich Brigitte Arnold auch heute noch manchmal behaupten. „Es gibt schon Kunden, die fragen, ob der Papa noch mal zum Nachmessen kommt“, sagt sie. Andreas Battenbergs anfängliche Skepsis ist längst verflogen. Er ist stolz auf seine zupackende Tochter. Und schlagfertig: „Wenn meine Tochter das gemessen hat, dann passt das.“ Wenn Brigitte Arnold an ihre Ausbildung zurück denkt, dann ist ihr eines sehr deutlich im Gedächtnis geblieben: „Mädchen müssen immer eine Spur besser sein als männliche Kollegen“, ist die 48-Jährige überzeugt. „Aber ich kann heute sagen, dass die Entscheidung genau für diesen Beruf goldrichtig war.“

Schon immer habe es sie gereizt, zu sehen, wie etwas entsteht und wie man etwas nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. „Als Schreiner kann man sehr kreativ sein“, erklärt Arnold. Die Arbeit im Familienbetrieb hat Vor- und Nachteile. „Man weiß halt, dass man sich immer aufeinander verlassen kann“, sagt die Chefin. Wichtig sei jedoch eine klare Verteilung der Aufgaben. „Wenn ich mit meinem Mann auf eine Baustelle fahre, wird vorher geklärt, wer der Handlanger und wer der Chef ist“, erzählt Arnold. Zehn, oft auch zwölf Stunden, dauert ein durchschnittlicher Arbeitstag im Betrieb. „Obwohl wir direkt nebenan wohnen, bleibt für ein Mittagessen oft keine Zeit“, sagt die Tischlermeisterin.

Überwiegend Fenster und Türen

Der Oberaulaer Betrieb mit Schwerpunkt Bauschreinerei fertigt überwiegend Fenster und Türen an. Aber auch bei Reparaturen und Innenausbauten sind die Fachleute stets der richtige Ansprechpartner. Eine weitere Facette sind Bestattungen: „Die Zeit, wo Schreiner einfach nur einen Sarg verkauften, sind allerdings lange vorbei“, erläutert Brigitte Arnold. Der Betrieb ist Mitglied im Bestatterverband. Rainer Arnold hat sich hat sich in diesem Bereich speziell fortgebildet. Neben dem Büro können sich Angehörige in ruhiger Atmosphäre Särge anschauen und sich beraten lassen. „Auf Wunsch organisieren wir vom Grabschmuck über die Anzeigen bis hin zur Haushaltsauflösung alles“, verdeutlicht die Chefin.

Deshalb steht für Brigitte Arnold bei allen Kundenwünschen die Beratung an erster Stelle: „Ich versuche mit den Kunden zu erarbeiten, was sie sich vorstellen. Ich will sie perfekt beraten, aber nicht zu etwas überreden – das ist mir ganz wichtig. Am Ende muss der gemeinsame Nenner stehen. Und dass alle Parteien zufrieden sind.“ (zsr)  

Steckbrif Brigitte Arnold.pdf

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