Frauen im Handwerk - Carolin Koch

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Gehört mit 22 Jahren zu den jüngsten in Ihrer Branche: Carolin Koch aus Gudensberg ist angehende Dachdeckermeisterin.

Carolin Koch ist schwindelfrei – und das schon seit frühester Kindheit. Die 22-Jährige ist im elterlichen Dachdeckerbetrieb aufgewachsen und kletterte schon als Kind mit Papa auf so manchem Dach herum. „Das war immer toll und richtig spannend“, erzählt sie.

Heute ist die junge Frau selbst eine angehende Dachdeckermeisterin. Mit gerade mal 22 Jahren gehört sie damit zu den Jüngsten in der Branche. Gedanken über einen anderen Beruf hat sich Carolin Koch nie gemacht. „Ich möchte, dass das Handwerk nicht verloren geht. Diese Berufe haben viel Charakter.“ Faszinierend findet die Dachdeckerin, dass ihre Aufgaben eigentlich vom Fundament bis zum Dach eines Hauses reichen. „Das wissen viele gar nicht“, sagt sie. Denn mit dem Ein- oder Abdecken eines Daches ist es schon lange nicht mehr getan.

Frauen im Handwerk - Carolin Koch

Dachdeckerin Carolin Koch

Bauwerksabdichtungen und energetische Sanierungen sind heute wichtiger Bestandteil des Berufsbildes. Reizvoll findet die Gudensbergerin die unterschiedlichen Materialien. „Im Schwarzwald wird noch sehr handwerklich mit Holzschindeln gearbeitet. Dort habe ich einige Wochen gearbeitet“, erzählt sie. Nicht nur in luftigen Höhen fühlt sich die 22-Jährige wohl: Kürzlich hat sie den Lkw-Führerschein gemacht. Schließlich verleiht das elterliche Unternehmen auch Arbeitsbühnen. Je nach Auftrag sei der Beruf sehr kreativ, bisweilen sogar filigran, sagt die junge Dachdeckerin. Etwa bei der Fassadengestaltung. „Ich finde es schön, Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben“, erklärt Koch.

In der Berufsschule und später in der Meisterschule hat so mancher Kollege schon kritisch auf die zierliche Frau geschaut: „Es gibt die, die einen akzeptieren. Und andere, die sich in ihrer Rolle als Mann auf den Schlips getreten fühlen“, erzählt die 22-Jährige. Es hänge aber von jedem selber ab, wie man gesehen werde, hat die junge Frau die Erfahrung gemacht. „Man darf sich halt auch für nicht zu fein sein und muss selber ordentlich mit anpacken.“ Auch müsse man sich darüber im Klaren sein, dass auf Baustellen ein anderer Umgangston als im Büro herrsche. „Wer zurückhaltend ist, geht in der Meute unter. Man muss sich Akzeptanz verschaffen“, stellt Carolin Koch klar.

Besonders gern arbeitet die 22-Jährige mit Schiefer. „Das ist ein lebendiges Material“, sagt sie. Leider werde das Produkt häufiger dort eingesetzt, wo es auch abgebaut würde, etwa im Sauerland. Doch egal, welches Material Carolin Koch verarbeitet, auf Baustellen ist sie sich bewusst, dass sie ständig unter Beobachtung steht - sei es von Kollegen als auch von Kunden. „Das ist normal und man muss sich damit abfinden.“

Bei aller Liebe zum Beruf ist die Arbeit nicht immer einfach. „Man ist halt bei jedem Wetter draußen“, erläutert Carolin Koch. Und das Material – Schweißbahnen, Werkzeuge und anderes – seien nicht eben gerade leicht. „Aber Männer tragen den Kram ja auch nicht allein“, ist die 22-Jährige überzeugt.

Die Eltern stehen zu hundert Prozent hinter ihrer Tochter. „Mir fehlt noch ein bisschen die praktische Erfahrung. Deshalb genieße ich es schon, wenn der Papa dabei ist. Bei Gesprächen und Beratungen kann ich noch viel von ihm lernen“, sagt die Gudensbergerin. Carolin Koch ist in die Handwerk hineingewachsen: „Wir leben den Beruf“, erklärt sie. Aber die Eltern hätten sich auch stets bewusst Zeit für die Kinder genommen. Als ganz selbstverständlich empfindet es Carolin Koch deshalb, dass beim Abendessen schon noch mal über den einen oder anderen Auftrag gesprochen wird. Über ihre Eltern sagt sie: „Mein Vater ist der Ruhepol. Auf seinen Rat kann ich zählen. Meine Mama ist einfach immer eine gute Unterstützung.“

Carolin Koch freut sich, dass sich im Bereich des Handwerks immer größere Gestaltungsmöglichkeiten ergeben. „Es gibt auch Leute, die lassen sich ein Schalke-Muster aufs Dach legen.“ Spielereien sind auch bei Flachdächern möglich. „Da kann man in den Kunststoff bunte Chips einstreuen – die Möglichkeiten sind da heute vielfältig“, erklärt die Dachdeckermeisterin. Neuen Herausforderungen blickt die 22-Jährige mit Spannung entgegen: „Ich möchte möglichst viele Kunden glücklich machen und deren Wünsche erfüllen – das macht dann auch mich glücklich und zufrieden.“ (zsr)

Steckbrief Carolin Koch.pdf

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