Frauen im Handwerk - Christine Oppitz

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Frauen im Handwerk: Ihr Gesellenstück von 1989 hat Christine Oppitz gut aufbewahrt.

Bereits in unmittelbarer Umgebung der Autowerkstatt ihres Vaters groß geworden, wurde Christine Oppitz eigentlich aus Familiensinn Maler- und Lackierermeisterin und stellte schnell fest, dass ihr anderes zu langweilig ist. Daher leitet sie heute gemeinsam mit ihrem Bruder die Marian Pacak GbR.

Bereits als Kind hatte die heute 44-Jährige in der Autowerkstatt ihres Vaters und seines Teilhabers mit Farben hantiert. Als nach ihrem Abitur der Teilhaber ihres Vaters aus der Firma ausschied, wurde ihr Vater bei dem Versuch neben dem Werkstattbetrieb das Lackiererhandwerk auf einer Abendschule zu erlernen krank. Daher beschloss Christine Oppitz Autolackiererin zu werden.

Das war im Jahr 1987 allerdings gar nicht so einfach, denn dafür musste sie erst einmal eine Autowerkstatt mit separaten Toiletten für Frauen und Männer finden. Als diese gefunden war, erhielt sie auf Grund der Bekanntheit ihres Vaters in der Branche sofort die Zusage für eine Ausbildungsstelle. Doch dieser war stinksauer, erinnert sich Christine Oppitz, denn er hätte sie lieber im Büro gesehen. „Aber am Ende war er aber stolz“, sagt sie.

Frauen im Handwerk - Christine Oppitz

Maler- und Lackierermeisterin Christine Oppitz

Auf Grund ihres Abiturs konnte sie bereits nach zwei Jahren ihre Gesellenprüfung ablegen, die so gut verlief, dass sie direkt die Meisterschule besuchen durfte. Nach der Meisterprüfung versuchte sie es kurz mit einem Grundschullehramtsstudium, dass sie schnell aus Langeweile abbrach, um kurzzeitig parallel als Ko-Lehrerin an den Beruflichen Schulen in Witzenhausen und im Betrieb ihres Vaters tätig zu sein. Bald arbeitete sie dann nur noch im Betrieb ihres Vaters. Zwei Jahre lang war sie dort für die Lackiererarbeiten zuständig, bis sie schwanger wurde und bis drei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter mit dem Beruf aufhören musste. Als der Büroangestellte der Firma, die ihr Vater ihr und ihrem Bruder mittlerweile überschrieben hatte, ausschied, übernahm Christine Oppitz auch diese Tätigkeit. Allerdings ließ sich diese schlecht mit dem Lackieren vereinbaren, so dass sie heute vor allem für Buchhaltung und Unfallabwicklungen verantwortlich ist. Die Beratung für Lackiererarbeiten macht sie allerdings noch selbst. Wenn es eng wird, hilft sie auch ab und zu noch beim Lackieren aus.

„Frauen kannte ich gar nicht“, erinnert sich Christine Oppitz an ihre Ausbildungszeit. Außerdem sei sie nicht immer gleichberechtigt behandelt worden. So hätte sie sich während ihrer Ausbildung und auch im Betrieb ihres Vaters ihren Stand schon erkämpfen müssen. Heute, wo sie selbst ausbildet, habe sie von insgesamt zehn Auszubildenden bereits zwei Frauen gehabt. Allerdings sei es für eine Frau schwer, eingestellt zu werden, denn Christine Oppitz weiß: „Es ist ein Knochenjob.“ (zsf)

Steckbrief Christine Oppitz.pdf

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