Frauen im Handwerk - Cindy Henschke

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Frauen im Handwerk: Cindy Henschke (19) aus Zennern ist Auszubildende zur Ofen- und Luftheizungsbauerin.

Wer Cindy Henschke zuschaut, wie sie langsam die Kacheln im Ofeninnenraum mit Lehm bestreicht, sieht ihr an, dass ihr die Arbeit Spaß macht.

Ofenbaumeister Frank Willnat hat seiner Auszubildenden einen Satz historischer Kacheln zur Verfügung gestellt, um ganz selbstständig an ihrem Schulprojekt zu arbeiten, nämlich einen eigenen Grundofen zu bauen. Denn auf den Baustellen, wo sie mit ihrem Ausbilder Öfen setzt, kann sie momentan nur zuarbeiten.

Sorgfalt und handwerkliches Geschick sind erforderlich in diesem Beruf, in dem Frauen bisher selten zu finden sind. Kachel für Kachel bearbeitet die 19-Jährige, bevor sie diese aufeinander setzt. Sie behaut die Kacheln mit einem so genannten Kachelmesser und schleift anschließend die Kanten an. Keine Ritze darf übrig bleiben, Klammern halten die bearbeiteten Kacheln zum Schluss noch zusammen. Der Feuerraum besteht heute oft aus einem fertigen Heizeinsatz, Cindy Henschke lernt aber auch, einen sogenannten Grundofenfeuerraum zu mauern.

Frauen im Handwerk - Cindy Henschke

Auszubildende zur Ofen- und Luftheizungsbauerin Cindy Henschke

Wichtig ist vor allem die Planung. Denn ein Ofen wird nicht „pi mal Daumen“ gebaut, sondern muss nach Fachregeln erstellt werden. DIN-Normen, Brandschutz, Verbrennungsluft, Statik, Architektur, das Verhältnis von gewünschter Größe zur Machbarkeit am Aufstellort: um Kunden, die sich individuell von einem Handwerker einen Ofen bauen lassen wollen, richtig zu beraten, bedarf es einer ganzen Menge Fachwissen. Und viel Mathematik. Damit hadert die junge Auszubildende ein wenig, beißt sich aber mit Erfolg auch durch schwierige Schulfächer. Sie möchte ihren Traum, eines Tages selbstständig zu sein und Kunden kreativ beraten zu können, unbedingt wahr machen. In der Schule liege der Schwerpunkt auf der technischen Ausbildung, bedauert sie ein wenig. Gestaltung sei da kein Thema. Wer die verschiedenen Öfen im Haus ihres Ausbilders sieht, bekommt eine Ahnung, was alles machbar ist. Solch ein Kachelofen sei oft der Mittelpunkt eines Hauses, sagt Frank Willnat. Der Trend gehe auch zur Kombination mit einer Warmwasseranlage.

Bei allem Sinn für das Gestalterische warnen Willnat und auch Cindy Henschke davor, dieses Handwerk „auf die leichte Schulter zu nehmen“. Schwere körperliche Arbeit sei zumindest teilweise auch erforderlich. „So ein Heizeinsatz wiegt einiges“ und „eine Tonne Schamottsteine beispielsweise in den ersten Stock eines Hauses zu tragen, kann man auch nicht ohne Muskeln“. Darum hat die junge Frau auch ein Praktikum absolviert, um den Betrieb kennenzulernen.

Eigentlich wollte Cindy Henschke Tischlerin werden, erhielt aber nach dem Besuch der Hauptschule und der zweijährigen Weiterbildung auf der Berufsfachschule mit Berufswahl Holztechnik und erfolgreicher Mittleren Reife keine Lehrstelle. „vermutlich, weil ich eine Frau war“.

Frank Willnat und seine Frau Miriam lernten Cindy Henschke privat auf einem Reiterhof kennen, wo sie aushalf und boten ihr an, dieses Handwerk einmal auszuprobieren. Ihr „offenes, natürliches, ehrliches Wesen, ihr selbstbewusster Umgang mit Pferden“ hätten ihm gefallen, sagt er. Mittlerweile ist sie begeistert und besucht auch gern die Schule, obwohl sie die einzige Frau in ihrer Klasse ist. Sie werde voll akzeptiert, nur Leistung zähle, sagt sie und lächelt stolz, denn sie weiß sich mittlerweile gut zu behaupten. (ztb)

Steckbrief Cindy Henschke.pdf

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