Frauen im Handwerk - Cindy Winter

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Frauen im Handwerk: Cindy Winter (38) aus Bad Wildungen ist Dachdeckermeisterin.

Cindy Winters Arbeitsplatz ist in luftiger Höhe. Eigentlich. Die 38-Jährige ist Dachdeckermeisterin. Seit einiger Zeit ist sie gleichberechtigte Partnerin im Familienbetrieb und daher auch oft mit anfallenden Büroarbeiten beschäftigt. „

Als allein erziehende Mutter zweier Mädchen von sechs und zehn Jahren kann ich nicht ständig ganztägig auf Baustellen sein“, sagt sie.

. Sie liebt ihr Handwerk. Schon als Kind, als eine von zwei Töchtern, kristallisierte sich heraus, dass sie nicht die typischen Mädchenaktivitäten bevorzugte. Sie spielte Handball und Fußball – und das mit Elan und Leidenschaft. Vorsichtig kam auch das Thema Beruf daheim auf den Tisch. „Meine Eltern haben mich nie gedrängt, haben mir aber die Vorteile unseres Betriebes, den ich später übernehmen könnte, klar gemacht“, sagt sie. Das gab den Ausschlag. Als einzige unter allen Auszubildenden absolvierte sie in einer noch reinen Männerdomäne ihre Lehre. Alte eingefleischte Handwerker seien ihr mit Skepsis begegnet, erinnert sie. Das sei aber besser geworden. Allerdings müsse man sich als Frau deutlich mehr anstrengen, besser sein als die anderen, um Anerkennung zu finden. Ihr Vater habe ihr als Lehrherr nichts geschenkt. „Das war ganz schön hart“, sagt sie. Mittlerweile ist sie lange anerkannt. Wichtig sei ihr, dass die Angestellten ihr kumpelhaft, aber auch mit Respekt begegnen. Nicht weil sie Tochter des Chefs sei, sondern aufgrund eigener Fähigkeiten.

Dachdeckermeisterin Cindy Winter

Powerfrau: Ein Bündel Holz stemmt Meisterin Cindy Winter mit Leichtigkeit. © Teuber-Blechschmidt
Heute nur fürs HNA-Foto: Dachdecker müssen schwindelfrei und wetterfest sein, erzählt Cindy Winter, hier mit den Kollegen Ralf Hofmann und Norbert Klement auf einer Baustelle. © Teuber-Blechschmidt
Kennt sich an allen Maschinen im Betrieb aus: Hier zeigt sie an einer Abkantmaschine, wie Bleche in unterschiedlichen Gratzahlen gebogen werden können. © Teuber-Blechschmidt
Kennt sich an allen Maschinen im Betrieb aus: Hier zeigt sie an einer Abkantmaschine, wie Bleche in unterschiedlichen Gratzahlen gebogen werden können. © Teuber-Blechschmidt
Welches nimmt man wozu? Während viele Frauen gerade einmal einen Hammer und Nagel bedienen können, beherrscht Cindy Winter eine Vielzahl von unterschiedlichen Werkzeugen. © Teuber-Blechschmidt
Welches nimmt man wozu? Während viele Frauen gerade einmal einen Hammer und Nagel bedienen können, beherrscht Cindy Winter eine Vielzahl von unterschiedlichen Werkzeugen. © Teuber-Blechschmidt
Biberschwänze in vielen Farben: Im Hof des elterlichen Betriebs steht eine riesige Menge verschiedener Dachdeck-Möglichkeiten zur Ansicht. Cindy Winter kennt sie alle. © Teuber-Blechschmidt
Erklärt Kunden Vor- und Nachteile: Materialkunde, wie hier beim Stahlprofilblechdach, gehörte zur Ausbildung der Dachdeckermeisterin. © Teuber-Blechschmidt
Viele Einzelteile ergeben ein sicheres Gerüst: Kein Problem für Dachdeckermeisterin Cindy Winter. © Teuber-Blechschmidt
Viele Einzelteile ergeben ein sicheres Gerüst: Kein Problem für Dachdeckermeisterin Cindy Winter. © Teuber-Blechschmidt
Die Ziegeln werden im sogenannten Verband gedeckt: wie es geht, zeigt hier die Handwerksmeisterin. © Teuber-Blechschmidt
Stolz, es in einer Männerdomäne geschafft zu haben: Dachdeckermeisterin Cindy Winter vor dem elterlichen LKW. Den kann sie übrigens auch fahren. © Teuber-Blechschmidt

Der Beruf des Dachdeckers sei vielseitig und interessant, sagt sie. Neben einer Menge an Materialkunde zu den einzelnen Dachabdeckungen und Dachformen habe sie Tarif- und Arbeitsrecht gebüffelt, beherrsche vieles aus den Regelwerken des Deutschen Dachdeckerhandwerks, könne große Maschinen genauso bedienen wie eine Vielzahl Werkzeuge. Isolierungen stehen auf dem Auftragsplanplan ebenso wie Eindeckungen, Schornsteinverkleidungen und Mauerarbeiten. Oberstes Gebot sei es, schwindelfrei zu sein. Mit anderen Handwerksbetrieben, wie etwa mit Elektrikern beim Blitzschutz herrsche enge Zusammenarbeit. Manchmal habe auch der Denkmalschutz ein Wort mitzureden. Es sei nicht immer nur der eigene Geschmack eines Kunden entscheidend, auch die Lage des Objektes spiele eine Rolle, mit welchen Materialien gedeckt werden könne, sagt die Handwerksmeisterin. Auch wenn es heute eine Vielzahl an ungewöhnlichen Dachdeckmöglichkeiten gebe, so werde neben dem Gesichtspunkt Kostenfaktor meist die klassische Variante bevorzugt. „Das was vor Ort seit langem üblich ist, etwa im Upland Schiefer und hier bei uns rote Ziegel“, hat sie festgestellt.

Um die Zukunft ihres Handwerks macht sie sich keine Sorgen. „Nach all den Stürmen kommen wir oft mit der Arbeit nicht nach“. Nur geeignete Auszubildende zu finden, sei nicht einfach. „Flexibilität, Organisationstalent, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit seien Vorraussetzung, betont Winter. „Außerdem Spaß daran, meist draußen in der frischen Luft zu arbeiten.“ Ihr Vater und sie hätten Glück mit einem tollen Mitarbeiterteam. (ztb)

Steckbrief Cindy Winter.pdf

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