Frauen im Handwerk - Evelyn Allmeroth

+
Frauen im Handwerk: Evelyn Allmeroth (45) aus Kassel ist Schuhmachermeisterin und arbeitet am Staatstheater.

Sie macht Schuhe, die nur ein paarmal getragen werden: Stiefel für Prinzen, feinste Pantoffeln für Königinnen und jede Menge Tanzschuhe. Evelyn Allmeroth ist Schuhmachermeisterin am Staatstheater.

Jedesmal, wenn im Musik- oder Tanztheater und im Schauspielhaus ein neues Stück auf den Spielplan kommt, bekommt sie Entwürfe für die Schuhe der einzelnen Protagonisten auf ihren Tisch.

Zu ihrem Traumberuf ist die Schuhmacherei erst im Laufe der Zeit geworden. Evelyn Allmeroth stammt aus Georgenthal in Thüringen. Eigentlich wollte sie beruflich etwas mit Pferden zu tun haben. Sie schrieb ungezählte Bewerbungen und bekam - noch nicht mal Absagen, sondern gar keine Nachricht. Als ihre beste Freundin eine Ausbildung in einer Schuhfabrik begann, tat die damals 16-Jährige es ihr gleich.

Frauen im Handwerk - Evelyn Allemroth

Schuhmachermeisterin Evelyn Allmeroth (45) aus Kassel

Ihr Meister erkannte schon zeitig, dass die junge Frau Talent zum Schuhemachen hat, und förderte sie. Während der dreijährigen Ausbildung durchlief sie die klassischen Abteilungen Bodenbau, Schäftebau und Reparaturen. Evelyn Allmeroth war 21 Jahre, als sie ihre Meisterprüfung ablegte.

Nach der Wende arbeitete sie bei einem Schnellschuster. Ihre Fähigkeiten zum Herstellen von Schuhen waren da nicht gefragt. Die Kunden wollten ihre Schuhe reparieren lassen, und das möglichst schnell. Sieben Jahre war sie in diesem Bereich, dann wurde sie entlassen. Danach arbeitete sie für kurze Zeit in einer Schuhmacherei und entdeckte die Lust am Handwerk wieder.

Als Evelyn Allmeroth vor gut zehn Jahren nach Kassel kam, wollte sie sich selbständig machen, das schien ihr die beste Alternative zur Arbeitslosigkeit. Durch die Arbeitsagentur wurde sie auf eine freie Stelle am Theater aufmerksam. Sie bewarb sich und bekam die Stelle.

Die 45-Jährige kann sich heute nichts anderes mehr vorstellen. "Meine Arbeit ist abwechslungsreich und fordert Kreativität", sagt sie. Zusammen mit ihrem Chef Uwe Kriese und einem Auszubildenden stattet sie Schauspieler, Tänzer und Statisten mit Schuhen aus.

Die Vorgabe macht der Kostümbildner, der eine Zeichnung der Schuhe oder Stiefel vorlegt. Der Fuß jedes Protagonisten wird einzeln vermessen. Mit einem Scanner werden Länge, Breite und die sogenannte Trittspur erfasst. Diese zeigt einen Fußabdruck von unten. Knöchel und Wade werden per Hand vermessen.

Je nach Art des Schuhs und der Größe wählt Evelyn Allmeroth einen passenden Leisten aus. Mit Kork wird er entsprechend der Maße angepasst. Dann wird ein Grundmodell gefertigt. Bis der Schuh fertig ist, muss gemessen, genäht, verziert und anprobiert werden.

Manchmal werden auch Schuhe aus dem Fundus umgearbeitet. Dort sind rund 6000 Paar gelagert aus Stücken, die nicht mehr auf dem Programm stehen.

Die Schuhmacher am Staatstheater schauen sich nach Möglichkeit jede der beiden Hauptproben und die Generalprobe an. Denn erst in Aktion entscheidet sich, ob der Schuh auch wirklich passt. "Außerdem will ich ja sehen, ob die Schuhe auch gut aussehen", sagt die Schuhmacherin.

An den Wochenenden richten die Schuhmacher die Plätze der Protagonisten auf der Bühne ein. Sie verteilen die Schuhe an die jeweiligen Garderobenplätze. 150 Paar werden beispielsweise in La Bohème gebraucht. Die müssen am nächsten Tag wieder eingesammelt werden: Lady Macbeth steht auf dem Programm. Und andere Schuhe. (zip)

Steckbrief Evelyn Allemroth.pdf

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.