Frauen im Handwerk - Gabriele Kästel

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Frauen im Handwerk, Gabriele Kästel ist Fleischermeisterin und leitet die Metzgerei Kohl-Kramer in Trockenerfurth.

„Wenn ich den Beruf lerne, dann von der Pike auf" - das war für Gabriele Kästel schon als junges Mädchen klar. Die 42-jährige Fleischermeisterin ist Chefin der Metzgerei Kohl-Kramer in Trockenerfurth. Gabriele Kästel wuchs in das Familienunternehmen hinein, übernahm es von den Eltern.

Auch Ehemann Fritz Kästel ist Metzgermeister. Er ist für die Schlachtung und die Verarbeitung zuständig. Gemeinsam lenken sie die Geschicke des Unternehmens. 24 Mitarbeiter sind bei Kohl-Kramer beschäftigt. Nicht nur mit ihren vielfach ausgezeichneten Wurstspezialitäten hat sich der Betrieb mit eigener Schlachtung im Borkener Ortsteil weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. Der Partyservice besticht nicht nur mit regionalen Produkten wie Braten und Fleischvariationen. Auch Salate, Suppen, eine Vielzahl von Beilagen sowie Fingerfood bieten Kunden viel Abwechslung bei der Auswahl ihres Buffets.

Frauen im Handwerk - Gabriele Kästel

Fleischermeisterin Gabriele Kästel

Ihre Gesellenprüfung schloss Gabriele Kästel 1984 als Beste ab. Fortan nahm die ehrgeizige junge Frau an vielen Wettbewerben teil, heimste Medaillen und Preise ein. „Ich wollte auch mit dem Vorurteil aufräumen, dass der Beruf nur mit Schlachten und Blut zu tun hat", stellt Gabriele Kästel klar. Denn die Trockenerfurtherin schlug in ihrer Ausbildung eine verkaufsbetonte Fachrichtung ein - ohne Schlachten. Ihre Fleisch- und Schinkenplatte sowie die perfekte Präsentation ihrer Wurstwaren überzeugen Jurys deutschlandweit. Besonders stolz ist die Fleischermeisterin immer dann, wenn sie zusätzliche Kreativpunkte bekommt. Denn oft war und ist sie ihren Kollegen einen Schritt voraus. Schon lange vor anderen hat Gabriele Kästel das so genannte Fondue Chinoise für sich entdeckt. Beleg für beste Qualität ist auch der deutsche Wurst-Oskar, den der Trockenerfurther Betrieb gewann.

Familienbetrieb

„Wir legen Wert auf beste Qualität unserer Produkte, aber wir wollen auch in der Präsentation stets mit der Zeit gehen", sagt sie. Dass ihre Wurst regelmäßig prämiert wird, ist für den Familienbetrieb in dritter Generation ein schöner Lohn. Im vergangenen Jahr reichte Kästel 60 Wurstproben in einen europäischen Wettbewerb ein. Alle 60 wurden in den drei Kategorien Wurst, Schinken und Würstchen mit Medaillen ausgezeichnet. 44 goldene, die restlichen in Silber und Bronze. In der Gesamtwertung belegte die Metzgerei Kohl-Kramer den zweiten Platz.

Bei der Verarbeitung achtet die Fleischermeisterin strikt darauf, dass ihre Wurst ein Handwerksprodukt bleibt. Dabei setzt Gabriele Kästel auf die alten Familienrezepte, auf eine ursprüngliche und natürliche Verarbeitung. Bewusst verzichtet die Chefin auf Zusatzstoffe wie Zartmacher. Außerdem gibt es besondere Produkte für Allergiker, die gluten- beziehungsweise laktosefrei sind. Für den Partyservice kreiert die Chefin mit viel Liebe und Raffinesse neue Speisen und Rezepte. „Unser Partyservice muss den Vergleich zur gehobenen Gastronomie nicht scheuen - wir bemühen uns stets um das Besondere", erklärt Gabriele Kästel. Dabei legt sie viel Wert darauf, dass es Hand in Hand geht. „Produktion und Verkauf müssen miteinander harmonieren", sagt sie. „Mir geht es bei Mitarbeitern nicht nur um die Qualifikation, sondern auch darum, ob sie zu uns passen. Sie sollten offen und zuverlässig und Neuem gegenüber aufgeschlossen sein."

Dass der Beruf oft mit Vorbehalten belastet ist, das weiß Gabriele Kästel nach mehr als 20 Jahren Erfahrung sehr genau. „Frauen machen manch schwere Arbeit über Technik weg", erklärt sie. Vor allem die Vielfalt des Berufes werde oft verkannt, sagt sie. „Ich lerne nicht nur, auf welche Art und Weise die verschiedenen Fleischteile verarbeitet werden, sondern auch eine Menge über Ernährung, Zutaten und Zusatzstoffe." Mit 22 Jahren hat sie den elterlichen Betrieb übernommen. Leicht war das nicht immer. „Klar gab es anfangs Mitarbeiter, die einen getestet haben. Das gehört dazu", erzählt sie.

Langer Arbeitstag

Die Arbeitstage von Gabriele und Fritz Kästel sind lang. Mindestens zehn Stunden sind beide im Unternehmen. Die Familie ist auch räumlich eng mit der Fleischerei verbunden, die Wohnung liegt im selben Haus. Wenn Gabriele Kästel nicht gerade im Laden oder der Küche ist, dann begutachtet sie die Ahle Wurscht in der Räucherkammer oder erklärt den Lehrlingen, welche Fleischstücke wie verarbeitet werden. Im Büro kommen derweil die Aufträge für den Partyservice oder Wurstbestellungen rein. Auch hier verbringt die Chefin viel Zeit. Plakate wollen gedruckt, Angebote erstellt werden. Beim Wort Freizeit muss Gabiele Kästel schmunzeln: „Meine Kinder und mein Mann sind meine Freizeit. Für alles andere bleibt keine Zeit", sagt sie. Die 42-Jährige ist stolz und zufrieden. „Wir haben sehr gute Mitarbeiter, auf die immer Verlass ist", erklärt sie. Unersetzlich sind auch die Eltern. „Die sind da, wenn es brennt und immer gern gesehen." Gabriele Kästel hat den Beruf von der Pike auf gelernt - und nie bereut. (zsr)

Infos zum Betrieb im Internet unter www.kohl-kramer.de

Steckbrief Gabriele Kästel.pdf

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