Frauen im Handwerk - Heidi Grell

+
Frauen im Handwerk: Heidi Grell (47) aus Kassel ist Fotografenmeisterin.

Ihr Berufswunsch stand schon fest, als sie noch zur Schule ging. In der Abschlussklasse nahm Heidi Grell damals an einer Foto-AG an ihrer Schule im schleswig-holsteinischen Neumünster teil.

Technik kennenlernen, fotografieren, Filme in der Dunkelkammer entwickeln und Fotos ausbelichten: Das faszinierte die Schülerin damals so sehr, dass sie Fotografin werden wollte.

"An diesem Beruf hat mich die Abwechslung gereizt", sagt sie heute. In einem Kieler Porträtstudio begann sie direkt nach der Schule eine Fotografen-Ausbildung. Passbilder machen, Porträts anfertigen und Hochzeiten pfiffig und ansprechend zu fotografieren, das gehörte zu ihrem Alltag als Lehrling. Aber auch die Arbeit in der Dunkelkammer: Filme aufspulen, entwickeln, fixieren, wässern. Ausbelichten auf Fotopapier, je nach bestellter Größe.

Frauen im Handwerk - Heidi Grell

Fotografenmeisterin Heidi Grell (47) aus Kassel

"An Digitalfotografie war damals noch nicht zu denken", erinnert sich die Fotografenmeisterin. Zwei weitere Merkmale ihres Berufs lernte sie damals kennen, nämlich der Spaß am Umgang mit Menschen und die kreativen Möglichkeiten. In der Dunkelkammer probierte sie Möglichkeiten und Grenzen aus, etwa was den Kontrastumfang eines Bildes angeht.

Abwechslungsreicher Alltag

Nach Ende der Lehre arbeitete die damals 19-Jährige einige Jahre in einem Porträtstudio im holsteinischen Plön. Um ihre Möglichkeiten zu erweitern, begann sie parallel zur Arbeit die Ausbildung als Fotografenmeisterin, die Prüfung legte sie im Jahr 1995 ab.

Zwei Jahre später zog sie nach Kassel, der Liebe wegen. Auch dort war sie zunächst in einem Porträtstudio angestellt. Langweilig war ihr der Beruf nie: "Schließlich hat man mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun, die man in den allermeisten Fällen nie vorher gesehen hat. Dann ist es eine Herausforderung, in relativ kurzer Zeit das Wesen dieses Menschen vor der Kamera zu entdecken und im Bild festzuhalten", sagt die 47-Jährige.

Eine der Aufgaben waren die Aufnahmen von Hochzeitsfotos im Studio. Mit dem Einsatz von Licht, wenigen Requisiten und Fantasie originelle Fotos zu machen, wurden für die Fotografin zu einer Herausforderung.

Seit dem Jahr 2006 ist Heidi Grell selbstständig. Zunächst hatte sie in ihrer Wohnung ein kleines Studio eingerichtet. Längst bestimmte die Digitalfotografie ihren Alltag, statt einer Dunkelkammer gehört nun ein Computer mit Bildbearbeitungssoftware zum betrieblichen Handwerkszeug.

Grenzenlose Kreativität

Im April 2007 zog die Fotografenmeisterin in neue, großzügige Räume um. Im selben Jahr begann sie mit der Ausbildung eines Lehrlings. "Es erfüllt mich mit großer Zufriedenheit, wenn ich meine Begeisterung für den Beruf an den fotografischen Nachwuchs weitergeben kann", sagt sie. Natürlich gibt sie auch ihr gesamtes Fachwissen und Jahrzehnte fotografischer Erfahrung weiter. Dazu gehört die Erkenntnis, dass mit der Digitalfotografie die Arbeit zwar anders, aber nicht weniger geworden ist. Dass jedes Foto bearbeitet werden muss, nicht mehr in der Dunkelkammer, aber am Rechner. Und dass die kreativen Möglichkeiten der Bildbearbeitung scheinbar grenzenlos sind.

Ihre Vorliebe gilt nach wie vor der Hochzeitsfotografie. Dabei ist sie immer auf der Suche nach interessanten und ungewöhnlichen Orten außerhalb des Studios.

Bei aller Kreativität und persönlicher Ausgestaltung, eines haben diese Hochzeitstermine gemeinsam: "Die Menschen sind immer gut gelaunt an diesem Tag, und sie freuen sich, wenn die Fotografin kommt", sagt Heidi Grell. (zip)

Steckbrief Heidi Grell

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.