Frauen im Handwerk - Julia Dippel

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Frauen im Handwerk: Julia Dippel (23) aus Kassel ist Orthopädietechnikerin.

Julia Dippel arbeitet in einem Beruf, wo Frauen nicht gerade in der Überzahl sind. Für die 23-Jährige ist das kein Thema. Sie wollte Orthopädietechnikerin werden, seit sie ein Praktikum in einem Sanitätshaus gemacht hat.

"Mich hat die Kombination gereizt, handwerklich etwas herstellen zu können und damit die Lebensqualität anderer Menschen zu verbessern", sagt sie. Erste Berührungspunkte hatte sie in der eigenen Familie, als ihre Großmutter dank eines Rollators wieder mobiler war als zuvor.

Frauen im Handwerk - Julia Dippel

Orthopädietechnikerin Julia Dippel (23) aus Kassel

Viele Menschen geraten ins Grübeln, wenn Julia Dippel sagt, in welchem Beruf sie arbeitet. "Orthopädie- ...was?", wird sie dann gefragt.

Orthopädietechniker fertigen Hilfsmittel an, die bei körperlichen Beeinträchtigungen zum Einsatz kommen, und zwar auf den Millimeter genau. Das können beispielsweise Schienen für Arme oder Beine sein, Korsetts oder spezielle Bandagen, auch Prothesen als Ersatz für Gliedmaßen. "Manche Menschen brauchen diese Hilfsmittel, um aufrecht zu sitzen oder um laufen zu können", sagt die Fachfrau. Zu den Aufgaben ihres Berufes gehört auch die Anpassung von Hilfen aus der Rehatechnik, wie beispielsweise bei Rollstühlen oder Rollatoren.

Spezialisiert auf Kinder

Sie hat ihr Handwerk in einem Betrieb gelernt, der sich auf die Versorgung von Kindern spezialisiert hat. "Das erste dreiviertel Jahr war ich nur in der Werkstatt", erinnert sie sich. In ihrem Beruf hat sie mit den unterschiedlichsten Materialien zu tun. Sie lernte, Metall zu bearbeiten für Schienen und Scharniere, Schaumstoff für Lagerungsmaterial zuzuschneiden und Leder zu nähen. Sie erwarb bestimmte Arbeitstechniken wie die thermoplastische Bearbeitung von Kunststoffen, die für Schienen oder Korsetts verwendet werden, und den Umgang mit Gips und mit Harzen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Anfangs begleitete sie Kollegen zu den jungen Patienten und lernte, auf was es beim Kontakt mit ihnen und den Eltern ankommt. Neben technischem Verständnis sind ein fundiertes Fachwissen und Fingerspitzengefühl gefragt. Die Aspekte der Versorgung von Kindern kommen während der schulischen Ausbildung zu kurz, meint Julia Dippel. "Vieles wurde nur gestreift. Wer in diesem Bereich arbeitet, benötigt ein spezielles Wissen. Man sollte beispielsweise den typischen Entwicklungsstand eines Eineinhalbjährigen kennen, um die Abweichungen beurteilen zu können", sagt sie.

Ihre Gesellenprüfung hat die gebürtige Frankenbergerin vor knapp zwei Jahren abgelegt, sie war hessenweit die Beste. Seither hat sie Routine in allen Bereichen erworben, von der Beratung bis hin zur Fertigung der Teile. Wenn sich die Situation eines Kindes ändert, etwa durch das Fortschreiten einer Krankheit, muss das Hilfsmittel möglicherweise angepasst werden. Oft ist Kreativität gefragt, um ein alltägliches Problem zu lösen. Manchmal hilft beispielsweise ein einfacher Klettverschluss, um eine Schiene besser an- und ausziehen zu können.

Den Umgang mit kranken Kindern ist die Orthopädietechnikerin gewohnt. Einzelne Schicksale rühren sie besonders an: "Ich wusste, auf was ich mich einlasse. Aber manchmal muss ich schon schlucken", sagt sie. Im Vordergrund steht für sie stets der Gedanke, dass sich mit ihrer Arbeit die Lebenssituation eines jungen Menschen verbessert. "Wenn ein Kind dank eines Korsetts aufrecht mit am Tisch sitzen kann, dann weiß ich, ich habe gute Arbeit geleistet", sagt Julia Dippel. (zip)

Steckbrief Julia Dippel.pdf

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