Frauen im Handwerk - Melanie Griesbach

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Frauen im Handwerk: Melanie Griesbach (30) aus Lohne ist Raumausstattermeisterin.

Es waren schlicht die Gelben Seiten, die Melanie Griesbach auf die Idee brachten, ein Praktikum bei einem Raumausstatter zu machen. „Ich hatte von dem Beruf selbst überhaupt keine Ahnung und auch keine Vorstellung“, sagt die 30-Jährige. Von der Pike auf lernte sie das Handwerk kennen. Und lieben.

Heute hat Melanie Griesbach ihren eigenen Betrieb in Fritzlar. Nach ihrer Meisterprüfung 2005 hat sie sich selbständig gemacht, ihr Geschäft finden Kunden Am Hospital 3a. Schon früh war der zupackenden und praktischen Frau klar, dass auf die Lehre die Meisterschule folgt. „Ich bin ehrgeizig. Und dass ich mich selbständig machen wollte, das liegt mir familiär bedingt schon im Blut“, erzählt sie. Exotisch fand den Wunsch in der Familie keiner. „Alle haben hinter mir gestanden und unterstützen mich auch heute aus voller Kraft.“ Melanie Griesbach muss gut organisieren und fürs Geschäft auch auf vieles verzichten. „Nur auf ein Kind wollte ich nie verzichten“, sagt sie und lächelt. An der Wand hängen Fotos vom Söhnchen, der ist gerade ein Jahr alt. „Meine Tage sind sehr genau durchgeplant. Aber man kann Beruf und Familie durchaus unter einen Hut kriegen – aber dazu gehört viel Disziplin.“

Frauen im Handwerk - Melanie Griesbach

Raumausstattermeisterin Melanie Griesbach

Frauen im Handwerk werden gerade im ländlichen Bereich noch häufig belächelt: „Man muss sehr selbstbewusst sein, sonst geht man unter“, ist Griesbach überzeugt. Doch die 30-Jährige weiß genau, was sie kann. Trotzdem ärgert sie sich über so manchen männlichen Kunden, der fragt, ob sie überhaupt eine Bohrmaschine mitgebracht habe. „Diese Kommentare muss man weglächeln. Und dann beweisen, dass man es kann. Und zwar genauso gut wie die männlichen Kollegen“, sagt sie.

Im 100 Quadratmeter großen Laden zeigt die Raumausstattermeisterin, was man mit und aus Stoffen alles machen kann. Kunden informieren sich dort über innovative und praktische Fensterdekorationen, Sonnenschutzanlagen für Innen, Tapeten, Stoffe, Teppiche und alternative Bodenbeläge. Melanie Griesbach hat sich auf Dekorationen rund ums Fenster, Gardinen sowie Polsterarbeiten spezialisiert. Besonders die Aufarbeitung alter Sofas erfüllt die 30-Jährige mit Freude. Sie beherrscht die spezielle Handschnürung und ist selbst immer wieder verblüfft, wie aus der alten Rarität dank neuer Polsterung und dekorativen und edlen Stoffen ein echtes Schmuckstück wird.

Angst vor schweren Tätigkeiten hat die Fritzlarerin dabei nicht: „Die gehören dazu. Zimperlich darf man nicht sein“, sagt sie. Dabei sind nicht nur die Bohrmaschine oder der Tacker ihre ständigen Begleiter. An der Nähmaschine oder dem Bügeleisen fühlt sich die 30-Jährige genauso wohl. Denn der Beruf ist unglaublich vielfältig. „Ich kann sehr kreativ sein. Besonders viel Spaß macht mir der Austausch der Gestaltungsideen mit den Kunden. Jeder Kunde ist eine neue Herausforderung“, erklärt sie.

Alle Wünsche werden direkt vor Ort besprochen, Maße genommen, Details abgestimmt. „Heute ist am Fenster weniger oft mehr“, sagt Griesbach. Im Trend seien schlichte, geradlinige Dekorationen in kräftigen Beeren- oder Türkistönen. Meerwasserblau sei besonders für den Sommer wieder stark im Kommen, verdeutlicht die Expertin. Alle Dekorationen werden in der eigenen Werkstatt angefertigt. Melanie Griesbach möchte vor allem auch junge Leute ansprechen: „Es gibt viele schicke Variationen, die nicht teuer sein müssen.“ Qualität und Service stehen für die Raumausstattermeisterin stets an erster Stelle. „Der Kunde soll am Ende zufrieden und glücklich sein“, ist ihre Maxime.

Das Einzugsgebiet umfasst längst nicht nur Fritzlar. Mittlerweile besucht Melanie Griesbach Kunden in Borken, Bad Zwesten, Gudensberg, Niedenstein, Homberg, Schwalmstadt und Kassel. Unterstützt wird sie von einer Auszubildenden und einer Näherin. „Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen“, sagt die 30-Jährige aus voller Überzeugung. (zsr)

Steckbrief Melanie Griesbach.pdf

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