Frauen im Handwerk - Regina Neumann

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Regina Neumann an der Kreissäge: die Tischlerin liebt den Werkstoff Holz.

Regina Neumann ist Tischlermeisterin. Und darauf kann die 45-Jährige ganz besonders stolz sein. Denn sie hat erst ihre Ausbildung und gleich anschließend „ihren Meister“ als Mutter zweier kleiner Kinder gemacht – quasi so nebenbei. Doch der Reihe nach:

Ihren späteren Ehemann, den Tischlermeister Rudolf Neumann, kannte die gelernte Arzthelferin schon „sehr lange“, bevor sie 1989 heirateten. Zwei Kinder wurden geboren, die junge Frau arbeitete mit im Familienbetrieb und machte die Büroarbeiten. Dann wurde ihr Mann sehr krank und fiel über ein Jahr aus. Da der Schwiegervater auch „nicht mehr der Jüngste“ war, musste Regina Neumann ran. Der Betrieb, der sich auf die Produktion von Fenstern und Türen spezialisiert hat, brauchte eine kompetente Führungsperson. Also setzte sich Neumann wieder auf die Schulbank, gemeinsam mit vielen jüngeren Schulabgängern. Froh sei sie gewesen, dass auch Umschüler dabei waren, nicht nur ganz junge Leute. „Außerdem war ich nicht das einzige weibliche Wesen dort“.

Frauen im Handwerk - Regina Neumann

Schreinermeisterin Regina Neumann (45) aus Frankenberg

Viel Spaß habe ihr die Ausbildung gemacht, sagt sie. Sie liebe Holz. „Es fühlt sich lebendig und warm an. Holz ist ein modernes Baumaterial mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten“. Sie lernte nicht nur den Umgang mit Holz, sondern auch das Bedienen der kleinen und großen Maschinen.

Sie schnitt als Beste ab und zeigt stolz ihr Gesellenstück: Ein riesiger Billardtisch aus Kirschholz mit allen Schikanen und sogar Schubladen für die Kugeln.

Auch ihr Meisterstück kommt der spielfreudigen Familie zugute. Sie hat dieses fantastische Designerstück nicht nur gezeichnet und hergestellt, auch die kreative Grundidee stammt von ihr. Ein edles Teil mit klaren Linien, rechts und links versteckte Schubladen mit Holzläufen für Figuren und Anleitungen und in der Mitte unter Glas jede Menge auf Stoff gedruckte Spielunterlagen. Die laufen über eine Rolle und können je nach Bedarf sichtbar gemacht und genutzt werden.

Die dreijährige Meisterausbildung sei allerdings „hart“ gewesen, räumt Neumann ein. Zeitweise habe sie zweimal wöchentlich nach Kassel gemusst. Doch die Gemeinschaft war gut. „Ich war einzige Frau unter 14 Männern“. Aber mit Hilfe ihrer Familie und viel häuslichem Management hat sie es geschafft und war „stolz und glücklich“. Für die fünf Mitarbeiter ihres Betriebes sei ihre neue Funktion als frisch gebackene Tischlermeister-Chefin anfangs gewöhnungsbedürftig gewesen, sagt sie, aber sie akzeptierten bald ihre Fachkompetenz.

Heute sitzt Regina Neumann vorwiegend im Büro: Ein wichtiger Platz in einem modernen Betrieb. Sie erstellt alle Pläne, die dann 1:1 in der Produktion umgesetzt werden. Außerdem ist sie als Meisterin auch für Betriebswirtschaft, und Lohnbuchhaltung zuständig. Umfassende Beratung und gute Zusammenarbeit mit Kunden und auch Architekten gehöre ebenso zu ihren Aufgaben. „Wir sind schließlich keine Fabrik, sondern ein Handwerksbetrieb“. Und wenn „Not am Mann ist“, geht sie in eine der Hallen und stellt sich an eine der vielen Maschinen. Beherrschen tut sie ihr Handwerk hundertprozentig. (ztb)

Steckbrief Regina Neumann.pdf

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