Gefühl für Stoff entwickeln

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Handbedruckte Dupionseide: Rita Olk lernt im Atelier von Ingeborg Bechstedt den Beruf der Damenmaßschneiderin und beschäftigt sich mit der Verarbeitung von Naturfasern.

Eigentlich wollte Ingeborg Bechstedt (68) damit aufhören. 70 junge Frauen und Männer hat die Damenschneidermeisterin, die sich 1972 selbstständig machte, ab 1978 ausgebildet. Doch dann kam ein Anruf einer Personalentwicklungsagentur, die Umschüler im betreut, und sie sagte zu.

„Ich wollte schon immer Schneiderin werden“, sagt Rita Olk aus Kassel-Wehlheiden. „Aber auch Schreinerin“, fährt die 46-Jährige fort. Für den Schreinerberuf entschied sich die Mutter eines Sohnes schließlich und bildete sich an der Werkakademie in Kassel noch zur Gestalterin im Handwerk weiter.

„In meinem Beruf als Schreinerin kann ich trotz Reha nicht mehr schwer arbeiten“, berichtet Rita Olk und freut sich über ihre Umschulung als Damenmaßschneiderin bei Ingeborg Bechstedt in Lohfelden, mit der sie kürzlich begonnen hat. „Millimeterarbeit ist in beiden Berufen gefragt“, bemerkt Ingeborg Bechstedt. „Ich nehme einen Stoff in die Hand und weiß, wie er fällt“, ergänzt die Schneidermeisterin. Dies möchte sie auch Rita Olk vermitteln. „Der Stoff ist lebendig, manchmal sogar eigensinnig, Holz ist einfacher zu verarbeiten“, meint Rita Olk dazu. „Ich kann mit der Nähmaschine schon viel besser umgehen“, sagt die 46-Jährige, die sich in der ersten Zeit mit der Herstellung von Knopflöchern und mit Probe- und Detailarbeiten zur Erstellung von Kleidung beschäftigt.

Schwerpunkt des Ateliers von Ingeborg Bechstedt, die in Kassel startete und vor dreieinhalb Jahren nach Crumbach umzog, ist die Maßarbeit für Damen. „Wir verarbeiten in erster Linie Naturfasern“, erläutert sie. Rita Olk bewundert ihr Geschick. „Mir gefällt auch die persönliche Betreuung der Kundinnen.“

Zweite-Haut-Betreuung

„Zweite-Haut-Betreuung“ nennt Ingeborg Bechstedt das. „Ich habe viele Modenschauen für die Innung moderiert und wollte immer individuell bleiben“, berichtet die Damenschneidermeisterin. 30 bis 35 Arbeitsstunden stecken beispielsweise in einem Hosenanzug für Damen. „Man kann nur bestehen, wenn man Qualität zeigt“, betont sie. „Viele Arbeiten sind kniffeliger, als zunächst gedacht“, fügt Rita Olk noch hinzu. (Bettina Wienecke)

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