Lebensmut am Grab finden

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Motiv entwickelt sich im Gespräch: In seinem Steinmetzbetrieb in Neukirchen fertigt Holger Ritter (52) mit seinem Team unter anderem individuelle Grabzeichen an.

Das Bedürfnis für einen geliebten Menschen da zu sein endet nicht, wenn er stirbt. Gräber sind wichtig für die Hinterbliebenen, als Orte der Trauer und des Gedenkens. Solche Orte gestalten Holger (52), Benjamin und Lisa Ritter aus Neukirchen.

In ihrer Steinmetzwerkstatt entstanden zwei außergewöhnliche Grabzeichen, die in einem bundesweiten Wettbewerb mit Bronze ausgezeichnet wurden.

Seit den 1980er-Jahren nimmt Holger Ritter regelmäßig an Gartenschauen teil. „Denn auch bei Bundesgartenschauen werden ja Grabzeichen gezeigt“, verdeutlicht der Neukirchener. Der Gestaltungs-Wettbewerb für Grabzeichen habe unter Kollegen einen hohen Stellenwert. Dabei sei zwar Kreativität gefragt, Voraussetzung für die Teilnahme sei jedoch, dass die Arbeit ein Kundenauftrag war, verdeutlicht Ritter.

Bewertet werden Form, Bearbeitung, Symbolik, Schrift sowie der Gesamteindruck. Für Holger Ritter und sein Team gilt das Grabzeichen als letzte Verbindung zu den Verstorbenen. „Es soll eine Brücke zwischen Hinterbliebenen und Verstorbenen sein“, sagt der 52-Jährige. In Gesprächen mit den Angehörigen erarbeite man das Motiv, die Symbolik. „Das Grabzeichen sollte widerspiegeln, wie Angehörige den Verstorbenen gesehen haben“, erklärt Benjamin Ritter.

Kraft des Lichtes

Die Symbolik zeichnet auch die beiden prämiierten Werke aus. Bei einem der Grabmale steht die Kraft des Lichtes im Vordergrund. „Das bewusst durch Bohrungen von hinten eintretende Licht soll als Zeichen des Trostes für die Familie verstanden werden“, erläutert Holger Ritter. Ein eingearbeiteter Glasblock nehme mit seiner Transparenz das Licht wiederum in sich auf. Das andere Grabmal vereint die Vielfältigkeit des Verstorbenen, der Wagner, Landwirt und Architekt war. Hierfür stehen Zirkel, Rad und Ähren. „Ein Eichenbalken wurde an der Steinrückseite mit einer klassischen Methode aus dem Wagnerhandwerk befestigt“, sagt der Neukirchener. Aktiv in die Arbeit des Steinmetzes eingebunden zu sein, sagt Holger Ritter und helfe den Hinterbliebenen, neuen Lebensmut zu finden.

Zugenommen hätten die Zahl der Grabzeichen für Urnengräber. Auch die Formensprache sei vielfältiger: Neben Stein finden auch Materialien wie Holz, Stahl und Glas stärkere Verwendung.

Hintergrund: Auszeichnungen für innovative Arbeiten

Seit 1965 organisiert der Landesinnungsverband Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Baden-Württemberg jährlich den Gestaltungswettbewerb Grabzeichen. Seit 1997 nehmen Steinmetze aus ganz Deutschland teil. Eine Kommission zeichnet hierbei innovative Arbeiten aus, die sich aus der „breiten Masse“ der Grabmalproduktion hervorheben. Beim Gestaltungswettbewerb 2011 wurden insgesamt 103 Arbeiten von 37 Einsendern aus dem gesamten Bundesgebiet eingereicht. Hiervon erhielten 35 Arbeiten eine Auszeichnung in Bronze, zehn Arbeiten eine Auszeichnung in Silber, drei Wettbewerbsarbeiten erhielten Gold. (zsr)

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