Handarbeit mit Tradition

+
Leidenschaft gehört dazu: Benjamin Koch arbeitet seit vier Jahren im Familienbetrieb in Calden. Hier, im so genannten Wursthimmel, hängen zu Spitzenzeiten 35 000 Würste.

Seit 135 Jahren gibt es die Fleischerei Koch in Calden. Bereits in fünfter Generation wird der Betrieb geführt. „Ich musste nicht in den Betrieb gehen. Aber der Laden läuft gut und schon so lange. Da wäre es schade, wenn ich ihn nicht übernehmen würde“, sagt Benjamin Koch.

Der 29-Jährige hat eigentlich Bürokaufmann gelernt und wollte früher einmal etwas mit Mode machen. Letzendlich hat aber die Tradition gesiegt. „Ich bereue meine Entscheidung nicht. Ich hätte mich ja auch absetzen können“, sagt der Fleischer und lacht.

Für den Juniorchef war es sinnvoll, dass er sich zum Bürokaufmann hat ausbilden lassen. „Der kaufmännische Bereich wird auch im Fleischereihandwerk immer wichtiger“, sagt Koch. Neben kaufmännischen Fähigkeiten müsse sich ein Metzger aber vor allem mit Fleisch auskennen. „Außerdem gehört Leidenschaft dazu.“ Er selbst sei kein großer Fleischesser, aber auf Spezialitäten wie Ahle Wurscht, Schinken oder Rinderfilet möchte Benjamin Koch nicht verzichten müssen. „Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er Vegetarier sein will. Das ist immer eine Art Verzicht.“ Man könne auch als Metzger Vegetarier sein. „Als Autoverkäufer muss man ja schließlich auch nicht die Autos fahren, die man verkauft“, sagt der 29-Jährige.

Seit inzwischen vier Jahren arbeitet Koch im Familienbetrieb. „Wir haben eine Nische in Spezialitäten gefunden und versuchen uns damit abzusetzen“, sagt Benjamin Koch und zeichnet mit seinem Kugelschreiber auf der Schreibtischunterlage.

„Durch industrielle Herstellung geht die Tradition verloren. Wir achten darauf, dass wir unser Fleisch nur von kleinen Schlachtern in der Region beziehen.“ Von Massentierhaltung hält der Metzger nichts. „Wir versuchen ein Zusammenspiel mit dem Tierschutz zu erreichen. Denn unter Massentierhaltung leidet auch die Qualität des Fleisches.“

Um diese Qualität zu sichern, braucht es vor allem handwerkliches Geschick. „Der Beruf ist nichts für Theoretiker.“ Man arbeite mit den Händen und müsse in Bewegung sein. Überhaupt könne es manchmal auch sehr hektisch werden. Besonders im Weihnachtsgeschäft ginge es hoch her.

„Aber mein Vater ist Hektiker, das hat wohl abgefärbt“, sagt Koch und schüttelt lachend den Kopf. Außer dem frühen Aufstehen gebe es eigentlich nichts, was ihm an der Arbeit nicht gefällt. „Am meisten liegt mir der Verkauf, weil ich gerne mit Menschen arbeite.“ (Julia Mohr)

Steckbrief

Ausbildung

Fleischer ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung. Diese bundesweit geregelte dreijährige Ausbildung wird im Bereich Industrie und Handel sowie im Handwerk angeboten. Durch Wahlqualifikationseinheiten verfügt der Beruf über eine flexible Ausbildungsstruktur.

Verdienst

Bei dieser Tätigkeit kann die tarifliche Bruttogrundvergütung beispielsweise 1 326 Euro im Monat betragen. Neben der Grundvergütung werden teilweise Zulagen und Sonderzahlungen gezahlt. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

Perspektive

Im Jahr 2009 gab es deutschlandweit 51 681 Fleischer. 6316 Fleischer waren damals arbeitslos. Das entspricht 10,9 Prozent. (Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.