Alte Kunst wird in Handweberei bewahrt

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Aus Fäden wird Gewebe: Michaela Finck arbeitet an einem Webstuhl aus dem Jahr 1870.

Fuß rauf, Fuß runter, Faden links, Faden rechts – Weben mit Muskelkraft ist keine Tätigkeit für bewegungsfaule Menschen.

Deshalb ist das Traditionshandwerk heute vom Aussterben bedroht. Auf dem Rittergut Besenhausen bei Göttingen wird es aber weiter gepflegt und dient einem guten Zweck.

„Weberinnen sind keine schwachen Frauen“, sagt Werkstattleiterin Nele Knierim. Wer neu einsteige, gehe am zweiten Tag schon mal mit Muskelkater nachhause. Für die festen Mitarbeiterinnen ist die Belastung dagegen kein Problem mehr.

Zu fit für die Werkstatt

Zehn Frauen arbeiten in der Handweberei. Der soziale Betrieb wird von einem gemeinnützigen Verein getragen. Denn obwohl die Produkte verkauft werden, handelt es sich nicht um ein kommerzielles Projekt.

Ziel ist vielmehr behinderten oder anderweitig benachteiligten Menschen Ausbildung und Dauerarbeitsplätze zur Verfügung zu stellen.

Die Weberinnen seien für Behindertenwerkstätten zu fit, hätten auf dem ersten Arbeitsmarkt aber kaum Chancen, sagt Knierim. Unter Kunst- und Modestudenten sind Praktika in dem Betrieb sehr begehrt, weil sie dort das alte Handwerk lernen können.

An den mehr als 14 Webstühlen wird von Heimtextilien bis zu Bekleidungsstoffen und Sonderanfertigungen so ziemlich alles produziert. Die Handarbeiten aus Naturgarnen haben aber auch ihren Preis: 119 Euro kostet beispielsweise ein Teppich pro Quadratmeter.

Trotzdem kann sich der Betrieb nicht allein dadurch finanzieren, Zuschüsse sind nötig. 35 000 Euro gibt der Landkreis. Dies war kürzlich auch Streitthema im Sozialausschuss des Kreistages. Die FDP hatte gefordert, die Weberei müsse sich mehr eigenfinanzieren.

Das größte Ziel der Weberei bleibe das Schaffen und Sichern der Arbeitsplätze, sagt Geschäftsführerin Silvia Hesse. Sie hofft vor allem auf Zuwachs im Trägerverein. Das Ziel: Die Mitgliederzahl soll von 157 auf 1000 anwachsen.

Die Ladengalerie der Weberei ist mittwochs bis freitags und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Die Schauweberei steht Besuchern von Mittwoch bis Donnerstag 12 bis 16 Uhr offen, am Freitag von 12 bis 15 Uhr. Zusätzlich gibt es an jedem ersten Wochenende des Monats von 12 bis 17 Uhr ein Besuchsangebot. (Von Göran Gehlen)

Mehr über die Handweberei Rosenwinkel erfahren Sie auf www.rosenwinkel.de

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