Das Handwerk im Blut

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Von Vater zu Sohn: Karl Wilke (links) zeigt ein Bild der Fleischerei von 1902. Zum 1. Januar 2012 hat er die Leitung des Betriebs an seinen Sohn Karlheinz übergeben, der ein Foto mit der Fleischerei in ihrer heutigen Größe zeigt.

Die Geschichte der Fleischerei Wilke in Körle beginnt im Jahr 1902 – mit drei geschlachteten Schweinen pro Woche und einem Handwagen mit einigen davorgespannten Hunden. Anders können die Schweine nicht transportiert werden, Platz für Pferde gibt es nicht.

Das Stammhaus bauen Adam und Anna Kauffeld mit Hilfe der Nachbarschaft und ihrer Eltern. Zehn Jahre lang müssen die Tiere so zum Betrieb transportiert werden, bis das Ehepaar 1912 Stallungen baut und dort Rinder, Schweine und Pferde unterbringt.

Das erste Auto

1936 heiratet Anna Kauffeld, Tochter der Gründer Adam und Anna Kauffeld, Karl Wilke, Sohn einer Sägewerksfamilie aus dem Waldecker Land. Die Fleischerei wird moderner, Karl Wilke schafft erstmals ein Auto für den Betrieb an. Mit dem Kauf von elektrischen Maschinen gehört die Fleischerei schon damals zu den größeren Betrieben im Umland.

Im Jahr 1939 jedoch muss Karl Wilke als Soldat an die Front. Ehefrau Anna führt den einzigen Versorgungsbetrieb Körles weiter, zusammen mit Großmutter Kauffeld und ihrem Bruder – trotz dessen Behinderung.

Familienzusammenhalt

„Dieser starke Familienzusammenhalt zeichnet uns immer noch aus“, betont Elfriede Wilke heute, geborene Weck, die 1962 Karl Wilke (Sohn von Anna und Karl Wilke) heiratet, und mit ihm den Betrieb in dritter Generation führt.

Es folgt eine Zeit des Aufschwungs mit vielen großen Umbauten. 1970 wird das Ladengeschäft aufwändig abgesenkt, damit die Kunden einen ebenerdigen Zugang haben. 1987 wird die erste elektrische Kasse aufgestellt. Der Betrieb wächst, in die Breite und in die Höhe. Nur das zweite Stockwerk mit den fünf Fenstern zu Straße erinnert heute noch an das Stammhaus von 1902.

Heizkraftwerk im Eigenbau

„Viele Kunden kamen damals schon von weit außerhalb zu uns, das ist bis heute so geblieben“, sagt Elfriede Wilke. „Einige Kunden sind mit uns alt geworden.“ Ihre Erklärung für die Loyalität: „Wir haben unsere Familienrezepte nur so wenig wie nötig verändert, der typische Geschmack ist geblieben.“

Im Jahr 1992 weist die Fleischerei eine solche Größe und einen derart hohen Energieverbrauch auf, das Karl Wilke und Sohn Karlheinz ein Blockheizkraftwerk entwerfen. Sie kaufen einen Schiffsmotor als Antrieb und bauen eigenhändig ein Kraftwerk, das bis heute für warmes Wasser, Strom und Wärme sorgt.

Seit 2012 führen nun Karlheinz Wilke und Partnerin Beate Abel die Fleischerei mit 17 Mitarbeitern und einer Betriebsfläche von 2800 Quadratmetern. Der Betrieb beliefert 13 Supermärkte mit Fleischwaren, deren Qualität mehreren verschiedenen Kontrollen standhalten muss.

Dabei wird besonders darauf geachtet, so wenig Zusatzstoffe wie möglich zu verwenden.

Forellen aus eigener Zucht

Seit 2009 hat der Betrieb die Zulassung der Europäischen Union, uneingeschränkt das Fleisch von Rindern, Schweinen und Schafen sowie Fischprodukte zu verkaufen.

Rinder und Schweine kommen aus der Region, die Fische stammen aus eigener Züchtung. Die Familie betreibt eine Fischteichanlage, in der vor allem Lachsforellen und Saiblinge gezüchtet werden. Entstanden ist dieses Geschäftsfeld aus einem Hobby von Vater und Sohn: Karl Wilke hat Sohn Karlheinz schon in dessen Kindheit mit zum Angeln genommen.

Qualität und Frische seien seit 1902 das oberste Gebot bei der Zufriedenstellung der Kunden. „Aber ohne chemische Konservierungsstoffe“, betont Karlheinz Wilke. „Wir wollen keine künstlichen Zusätze nutzen, wenn zum Beispiel Vitamin C ebenfalls konservierend wirkt.“

Unangekündigte Kontrollen durch ein Siegener Institut sowie das Veterinäramt dienen der Familie jeweils als Bestätigung für ihre umfangreichen Hygienemaßnahmen: „Es gab noch nie Beanstandungen, wir achten enorm auf Sauberkeit, unsere Betriebsräume sehen aus wie in einer Klinik.“

Am wichtigsten für den Erhalt des Betriebs sind laut Beate Abel die Kunden: „Ohne unsere treue Kundschaft hätte die Fleischerei nicht so stetig wachsen können, dafür sind wir sehr dankbar.“ (sal)

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