Das Handwerk als Integrationsexperte

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Integration: Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hinwill.

Am 18. Januar lädt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) zum Integrationsforum ins Haus des deutschen Handwerks in Berlin. Unter dem Motto „Ausbilden, qualifizieren, integrieren“ werden Wege zu einer erfolgreichen Integration in Ausbildung und Beschäftigung diskutiert.

Zu Gast sind u. a. die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Prof. Dr. Maria Böhmer, der Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Cem Özdemir sowie Vertreter aus Handwerk und Migrantenverbänden.

Das Handwerk kann zahlreiche positive Beispiele beisteuern, denn interkulturelle Vielfalt ist in vielen Handwerksbetrieben längst Teil der modernen Unternehmenspolitik. Ein Drittel aller Azubis mit ausländischem Pass werden im Handwerk ausgebildet – das macht das Handwerk zu einem echten Integrationsexperten.

Wirtschaftsmacht mit Integrationskraft

Das Handwerk zeigt sich als Wirtschaftsmacht mit vorbildlicher Integrationskraft. Im Jahr 2009 wurden bundesweit 33 Prozent aller Auszubildenden mit ausländischem Pass im Handwerk ausgebildet. Der Anteil bei den Auszubildenden mit Migrationshintergrund dürfte mindestens ebenso hoch sein. Einige Gewerbegruppen sind besonders erfolgreich dabei, ausländische Jugendliche für eine Ausbildung in ihrem Bereich zu gewinnen: So werden 15 Prozent aller ausländischen Auszubildenden des Handwerks im Baugewerbe ausgebildet, im Elektro- und Metallgewerbe sind es sogar 35 Prozent.

Kulturelle Vielfalt als Unternehmensvorteil

Das Handwerk hat längst erkannt, dass Menschen mit Migrationshintergrund einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg leisten. Neben ihren handwerklichen Qualifikationen können sie ihre interkulturellen und sprachlichen Kompetenzen gewinnbringend für die Betriebe einbringen. Sie setzen Impulse in der Produktentwicklung und eröffnen durch ihre Kenntnisse anderer Kulturen neue Märkte und Kundenkreise. In einer modernen und global orientierten Dienstleistungsgesellschaft sind diese Fähigkeiten für die Betriebe von entscheidender Bedeutung. Aber auch angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland setzt das Handwerk darauf, das Fachkräftepotential von Migranten umfassend zu erschließen. Denn die erfolgreiche Integration von heute sichert die Fachkräfte von morgen.

Viele Handwerksorganisationen haben daher entsprechende Initiativen ins Leben gerufen. Sie helfen Migranten gegebenenfalls bei Startschwierigkeiten in Deutschland. Sie motivieren Jugendliche mit Migrationshintergrund zu einer Ausbildung im Handwerk und unterstützen ausländische Fachkräfte bei der Qualifizierung, der Weiterbildung sowie bei Betriebsgründungen. Durch Informationsveranstaltungen, Seminare und Einzelberatungen werden Sprachbarrieren überwunden und wichtige Netzwerke aufgebaut.

Handwerk schafft Zukunftsperspektiven

Für Bernd Hammes, Leiter der Berufsbildung und Ansprechpartner der Initiative „Handwerk integriert Migranten“ der Handwerkskammer Koblenz, ist es selbstverständlich, junge Menschen und Unternehmensgründer mit Migrationshintergrund zu unterstützen. Seit 2007 hilft die Initiative Jugendlichen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und steht Unternehmensgründern beratend zur Seite. „Rund 200 aktive Paten verschiedener Nationen helfen bei Verständigungsproblemen, fördern den Aufbau von Netzwerken und tragen entscheidend dazu bei, Vertrauen zu schaffen“, so Bernd Hammes. „Berufliche Integration bedeutet dabei gleichzeitig auch immer gesellschaftliche Integration.“

Die Handwerkskammer Schwerin setzt sich ebenfalls erfolgreich für Handwerker mit Migrationshintergrund ein. In Seminaren werden Einwanderer mit Hilfe einer komprimierten Zusatzausbildung und unterstützenden Sprachkursen auf Ihre Gesellenprüfung in Deutschland vorbereitet. Seit Projektbeginn im Jahr 2006 haben bereits 120 Teilnehmer die Qualifizierung durchlaufen. Ende Oktober startete eine neue Maßnahme mit 96 Teilnehmern, die durch Ausbildung und Praktika auf ihre Gesellenprüfung in den Berufen Maler, Elektrotechniker, Anlagenmechaniker und Tischler vorbereitet werden.

Mit großem Engagement für die interkulturelle Vielfalt

Dies sind nur zwei Beispiele für das große Integrationsengagement der Handwerksorganisationen. Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks beteiligt sich an zahlreichen Initiativen zur Förderung der Integration. Darunter die Initiative „Aktiv für Ausbildung“, deren Ziel es ist, Unternehmer mit Migrationshintergrund verstärkt in die duale Ausbildung einzubinden. Oder die „Charta der Vielfalt“, gemäß der sich die Handwerksbetriebe verpflichten, die Vielfalt der Gesellschaft innerhalb und außerhalb des Betriebes anzuerkennen. Mit dem Integrationsforum setzt der ZDH einmal mehr ein Zeichen für den hohen Stellenwert, der dem Thema im Handwerk zukommt. Und auch dafür, dass sich das Handwerk bei allem Integrationserfolg auch bestehender Schwierigkeiten bewusst ist. Gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Migrantenverbänden soll daher diskutiert werden, wie Integration in Zukunft noch besser gelingen kann. (www.handwerk.de)

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