Ausbildung

Das Handwerk macht fit für die Zukunft

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Fit für die Zukunft: Beim Projekt "Grundstein" erhalten Schüler kostenlosen Nachhilfeunterricht.

Mit rund 417.000 Auszubildenden ist das Handwerk der Wirtschaftsbereich mit der größten Ausbildungsleistung in Deutschland.

Ob Bau-, Ausbau-, Metall-, Elektro-, Holz-, Kunststoff-, Bekleidungs-, Lebensmitteloder Gesundheitsbranche: Schulabgänger können zwischen rund 130 spannenden Handwerksberufen wählen – und einer Vielzahl von aufregenden Karrieren.

Das deutsche Ausbildungssystem ist ein Vorbild für viele Länder. Auch für die USA, deren Präsident Barack Obama das duale Prinzip in seiner Rede zur Lage der Nation Mitte Februar ausdrücklich lobt: „Die deutschen Jugendlichen sind bereit für den Job, wenn sie die Schule abschließen“, so Obama vor dem Kongress in Washington. Doch was wäre das duale System, das Lehre und Berufsschule vereint, ohne die vielen engagierten Handwerksbetriebe, die sich mit Kreativität und Ehrgeiz für die Förderung ihres Nachwuchses einsetzen?

Ausbildung meistern 2.0

„Handwerk nach altväterlicher Sitte genügt heute nicht mehr“, erklärt der Dortmunder Malermeister Michael Kiwall, der für seinen modernen Betrieb mit Firmenwebsite, Kundenzeitschrift und Facebook-Auftritt um Jugendliche wirbt. Auf der Suche nach talentiertem Nachwuchs bemüht Kiwall seit 2010 außerdem regionale Werbung und ein neues Konzept für eine strukturierte Ausbildung, die „Azubi-Akademie“. Wer gute schulische Leistungen bringt, bekommt auch etwas dafür: Studienreisen, Auslandspraktika, Aufstiegschancen, Betreuung bis zur Meisterprüfung – und vor allem Mitspracherecht. Im Rahmen des sogenannten „kontinuierlichen Verbesserungsprozesses“ sind die Azubis angehalten, Vorschläge zur Optimierung des Betriebsablaufs zu liefern. 140 Ideen kamen so allein 2012 zusammen. In der „Azubi-Akademie“ wird der Berufsschulunterricht vertieft und ergänzt: „Durch die Akademie schneiden unsere Azubis in der Berufsschule eine ganze Note besser ab als der regionale Durchschnitt“, schildert Kiwall den Erfolg seines Projekts, dessen Vorteile sich in Dortmund bereits herumgesprochen haben: 99 Jugendliche bewarben sich 2012 für die fünf freien Ausbildungsplätze in Kiwalls Betrieb. Eine

wahre Bewerberflut, aus welcher der Malermeister aber nicht nur Auszubildende mit Schulabschluss auswählte: „Ich gebe bewusst auch Bewerbern ohne Abschluss eine Chance – denn ich sehe auch in ihnen Potenzial, das darauf wartet, gefördert zu werden.“

Karriere-Grundstein Handwerk

Die Leistungsträger von morgen sind auch bei Lars Thullesen an der richtigen Adresse. Der familiengeführte Baubetrieb des Neumünsteraner Handwerksmeisters lockt junge Bewerber mit attraktiven Karrierechancen. Lars Thullesen setzt auch bei seinem Nachwuchs auf fachliche Spitzenleistungen, Tatkraft und Termintreue. Im Gegenzug winkt den Junghandwerkern die Arbeit in einem erfahrenen, motivierten Team und berufliche Top-Qualifikation: „Eine gute Ausbildung beginnt aber bereits vor der Lehre“, meint Thullesen: „Schon die Schulzeit bildet die Basis für eine erfolgreiche berufliche Zukunft.“ Dass diese bei vielen Heranwachsenden durch Überforderung, Lernschwächen und Vernachlässigung gefährdet scheint, weiß der 37-Jährige aus eigener Erfahrung: „Rechtschreibfehler, ein lascher Händedruck, dazu eine geringe Allgemeinbildung – immer wieder hatten wir bei den jungen Bewerbern fehlendes Engagement zu beklagen.“ Dem wirkt seit 2010 Thullesens Projekt „Grundstein“ entgegen: Mit kostenlosem Nachhilfeunterricht im firmeneigenen Klassenzimmer schenkt der Betrieb derzeit 42 Schülern aus der Region Aufmerksamkeit, schulische Erfolge und Selbstvertrauen – ein Fundament, auf das Jugendliche eine berufliche Karriere aufbauen können. Dass so schon zwei Schüler den Ausbildungsweg ins Handwerk gefunden haben, dürfte nicht zuletzt an der Vorbildwirkung von Lars Thullesen selbst liegen. Immerhin darf der Familienvater neben seinem erfolgreichen Handwerksbetrieb gleich vier Meistertitel sein Eigen nennen. Das Handwerk hat es erkannt: Investition in Nachwuchs sichert den Erfolg in der Zukunft. Mit Einsatzbereitschaft und Ideenreichtum beflügeln knapp eine Million Handwerksbetriebe die deutsche Wirtschaft – und nebenbei die Karrieren von jährlich rund 150.000 neuen handwerklichen Jungtalenten. (www.handwerk.de)

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