Handwerk will mehr Kontrollen

Dem Handwerk im Landkreis Kassel gehen durch Schwarzarbeit pro Jahr an die 100 Millionen Euro Umsatz verloren. Auf diese Summe schätzt Kreishandwerksmeister Bernd Doose die Einbußen für die rund 2000 Mitgliedsbetriebe der Kreishandwerkerschaft.

Das für unsere Region zuständige Hauptzollamt Gießen hat für das Jahr 2009 in Nord-, Ost- und Mittelhessen insgesamt 4293 Ermittlungsverfahren zum Thema Schwarzarbeit abgeschlossen. Dabei wurden Freiheitsstrafen von zusammen mehr als 47 Jahren und Geldstrafen von fast einer Million Euro verhängt.

Bau und Forst aktenkundig

In größeren Fällen kann die Summe der hinterzogenen Abgaben eine halbe Million Euro und mehr betragen: Aktenkundig sind beim Hauptzollamt unter anderem ein Bau- und ein Forstunternehmen, deren Fälle im Jahr 2009 diese Größenordnung erreicht haben. Insgesamt lag die Schadenssumme allein durch entgangene Abgaben, die das Zollamt Gießen für die gesamte Region vergangenes Jahr aufgedeckt hat, bei 16 Millionen Euro.

Angesichts solcher Zahlen hat die Industriegewerkschaft BAU bereits eine deutliche Personalaufstockung der Zollfahnder gefordert. Vor allem der Bau sei immer wieder von illegalen Beschäftigungspraktiken betroffen, heißt es von der Gewerkschaft. Auch die Kreishandwerkerschaft Kassel fordert ein härteres Vorgehen gegen Schwarzarbeit. Die tatsächliche Vollstreckung von Bußgeldern und die Kontrollen müssten verstärkt werden.

Steuerlich absetzbar

Ein wichtiger Fortschritt im Kampf gegen die Schwarzarbeit sei indes die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen, sagt Doose. Diese Möglichkeit nähmen immer mehr Privatleute wahr und könnten damit „ein reines Gewissen haben“. Die seit 2009 geltende 6000-Euro-Grenze müsse allerdings erweitert werden, fordert Doose. (Von Matthias Müller und Gerd Henke)

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