Das Handwerk schafft's mit links

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Tina Messerfabrik

Am 13. August 2011 wird zum 36. Mal der internationale Linkshändertag begangen, der auf die Bedürfnisse von Linkshändern aufmerksam machen soll. In Deutschland bestreiten rund 20 Prozent der Bevölkerung ihren Alltag mit links.

Allerdings sind viele Gebrauchsgegenstände wie Scheren, Messer oder Musikinstrumente für Linkshänder teilweise schwieriger zu handhaben. Hier leistet das Handwerk Abhilfe. Handwerksbetriebe erleichtern Linkshändern mit speziell auf ihre Bedürfnisse ausgelegten Geräten und Werkzeugen den Alltag.

Prominente Linkshänder

Was haben Albert Einstein, Ludwig van Beethoven, Marylin Monroe, Jimmy Hendrix und Barack Obama gemeinsam? Sie alle waren oder sind Linkshänder. Das bedeutet, dass sie bevorzugt ihre linke Hand zur Bewältigung von Tätigkeiten nutzen, die hohe Ansprüche an Feinmotorik, Kraft und Schnelligkeit stellen. Da jedoch vieles für Rechtshänder ausgelegt ist, fällt es Linkshändern oftmals schwerer den Alltag zu meistern. Das Handwerk hat dieses Problem erkannt. Metallbauer, Feinwerkmechaniker, Schneidwerkzeugmechaniker, Instrumentenbauer und viele weitere Gewerke unterstützen Linkshänder mit ihren individuellen und an spezielle Bedürfnisse orientierten Produkten.

Linkshänder leben in einer spiegelverkehrten Welt

„Für Linkshänder ist in unserer Rechtshänderwelt alles verkehrt herum. Es fängt schon bei Kleinigkeiten wie Brotschneiden oder dem Schreiben an – alles istirgendwie auf der falschen Seite“, erklärt Agnes Maria Forsthofer, 1. Vorsitzende des Linkshänder e.V. München. Der Verein der Linkshänder ist seit 2004 tätig und steht Linkshändern beratend zur Seite. Frau Forsthofer weiß um die alltäglichen Probleme von Linkshändern. Sie ist selbst Linkshänderin und freut sich deshalb über jeden Betrieb, der Produkte für Linkshänder auf den Markt bringt. „Gerade Handwerksbetriebe können durch ihre individuellen Produkte und den direkten Kontakt zum Kunden auf die Bedürfnisse der Linkshänder eingehen. Vor allem können sie sich gegenüber der serienmäßigen Industrieproduktion absetzen. Ich stehe den Betrieben gerne beratend zur Seite und freue mich über jeden Anruf“, sagt Frau Forsthofer.

Mit Rechtshändermessern schneiden Linkshänder schlechter

Die 1854 gegründete TINA-Messerfabrik aus Reutlingen hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, linkshändigen Gärtnern unter die Arme zu greifen. Die Veredlungsmesser der Messerschmiede sind zu 100 Prozent handgefertigt und werden in 32 Länder exportiert. „Wir fertigen immer eine Rechts- und Linkshänder Version unserer Messer“, erklärt Sieghard Schwille, Inhaber der TINA-Messerfabrik. Würden Linkshänder Rechtshändermesser verwenden, so wären keine präzisen Schnitte möglich. 10 Prozent seiner Kunden sind Linkshänder – und es werden immer mehr: „Seitdem man auch Schüler nicht mehr zwingt mit der rechten Hand zu schreiben, ist die Nachfrage enorm gestiegen“, berichtet Schwille. Für ihn ist die Produktion innerhalb eines Handwerksbetriebes viel flexibler als in der Großproduktion: „Wir können gezielt auf die Wünsche unserer Kunden – natürlich auch der Linkshänder – eingehen.“

Linkshändermodelle - In der Medizintechnik lebensnotwendig

Bei Operationen am Herzen ist absolute Präzision und Feinmotorik unverzichtbar. Ohne spezielle Präzisionsscheren wären linkshändige Chirurgen nicht in der Lage, wichtige und lebensrettende Operationen durchzuführen. Der von Antonio Milazzo 1971 gegründete Handwerksbetrieb Milazzo Medizintechnik GmbH in Tuttlingen hat sich in der Herzchirurgie einen Namen gemacht, auch wegen seiner speziellen Linkshänder-Modelle. „Unsere Rechtshänder-Scheren wären in der Medizin für Linkshänder unbrauchbar, weil ein anderer Druck auf den Fingern liegt. Deswegen fertigen wir von unseren erfolgreichsten Modellen jeweils auch ein Linkshänder-Modell“, erklärt Antonio Milazzo. Seit 30 Jahren produzieren die Feinwerkmechaniker Linkshänder-Präzisionsscheren für die Medizin, dabei ist 90 Prozent Handarbeit. „Wir können gegenüber der industriellen Produktion kleinere Mengen anbieten und auf die individuellen Wünsche von Ärzten eingehen. Das ist ein großer Vorteil unseres Handwerksbetriebes“, so Milazzo.

Ob im Beruf oder in der Freizeit – das Handwerk sorgt mit seinen vielfältigen Produkten dafür, dass jede Herausforderung auch mit links gemeistert werden kann. (www.handwerk.de)

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