Handwerk sucht Azubis – HNA-Volontärin arbeitete im Betrieb in Battenfeld mit

Meister der Lackfarben

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Voller Einsatz: Volontärin Nina Thöne beim Abschleifen der Motorhaube.

Ganz vorsichtig lasse ich das Schleifgerät über die schwarze Motorhaube gleiten. Meine Finger vibrieren, meine Arme fangen langsam an zu brennen und mir wird warm. Dabei habe ich gerade mal die Hälfte geschafft.

Aufgeben ist aber nicht drin. Schließlich will ich Meister Silvio Leibeling vom Lackierfachbetrieb Bienhaus heute zeigen, was ich drauf habe.

„Man braucht Fingerspitzengefühl und sehr viel Geduld“, hat der 27-Jährige mir im Vorgespräch über den Beruf des Fahrzeuglackierers erzählt. Dass er Recht hat, merke ich spätestens jetzt. Immer wieder fängt das Schleifgerät an zu schlingern, weil ich es nicht im richtigen Winkel auf die Haube auflege. Gerade schnell bin ich auch nicht. Bei Silvio sah das alles irgendwie leichter aus. Nach zehn Minuten sind meine Finger und meine schwarzen Schuhe mit weißem Staub bedeckt.

„Geputzt hast du aber schon mal?“, sagt der Meister mit einem breiten Grinsen im Gesicht, nachdem ich die Motorhaube fertig abgeschliffen habe. Dann drückt er mir Silikonentferner und ein Tuch in die Hand. Ich sprühe das Mittel auf und sofort sticht der aggressive Geruch in meiner Nase. „Den Entferner benutzen wir, damit wir das Fett und die Insekten wegkriegen“, erklärt er mir. Sonst arbeite man das später beim Lackieren mit ein.

An den Geruch habe er sich mittlerweile gewöhnt. Nur wenn man nach zwei Wochen Urlaub zurück in den Betrieb komme, rieche man es wieder.

Ich begleite Silvio in einen kleinen Raum, wo er die Grundierung für die Haube mischt. Hier riecht es stark nach Verdünner. Ich bin froh, als wir nach kurzer Zeit in die Halle zurückkönnen. Mit einer Atemmaske auf dem Gesicht trägt Silvio die graue Grundierung auf.

Ich darf nur zugucken. „Mit den Augen klauen“, nennt Silvio das. Auch sein Meister habe ihn am Anfang seiner Ausbildung erst mal zuschauen lassen. „Wenn du die Grundierung zu langsam aufträgst, gibt es Wellen. Bist zu schnell, wird die Oberfläche rau“, erklärt er mir.

Ich darf die Spritzpistole zwar nicht führen, dafür muss ich sie anschließend reinigen. „Das ist deine Aufgabe“, sagt Silvio und grinst wieder. Danach muss die Grundierung bei 70 Grad im Ofen trocknen. Nach einer halben Stunde können wir sie rausholen. Dann wird noch mehrmals geschliffen. Diesmal aber nass, um die grundierte Oberfläche ganz glatt zu bekommen. Zu den weißen Punkten auf meinen Schuhen kommen ein paar graue dazu.

Jetzt kann die Haube endlich lackiert werden. Das macht Kay Vollmann. Er arbeitet schon seit 20 Jahren in diesem Beruf. Das Erlernen des Fahrzeuglackierers sei „ein ständiges und hartes Training“, erzählt er mir. Fasziniert schaue ich ihm beim Auftragen des Lackes zu. In ruhigen Bewegungen schwingt er die Pistole von links nach rechts. Die Motorhaube bekommt nach und nach wieder ihr glänzendes Schwarz zurück. Nun muss sie trocknen und anschließend poliert werden.

Keine große Hilfe

Endlich darf auch ich wieder etwas tun. Allerdings bin ich mittlerweile keine große Hilfe mehr. Meine Arme sind kraftlos und die Poliermaschine macht, was sie will. Silvio muss übernehmen. „Findest du das nicht anstrengend?“, frage ich ihn. Der Meister schüttelt den Kopf und lacht. „Das Polieren mache ich sogar am liebsten.“

Mehrere Stunden haben wir an der Haube gearbeitet. Jetzt ist sie endlich fertig und ich bin es auch. Bilanz meines eintägigen Ausflugs in dem heimischen Lackierfachtrieb: Ich hatte viel Spaß und brauche unbedingt ein neues Paar Schuhe. (von Nina Thöne)

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